Wien, 06 Juli 2026

Das Wiener Landesgericht für Strafsachen hat am Montag zwei ehemalige hochrangige syrische Funktionäre wegen systematischer Folter und schwerer Straftaten gegen 21 Zivilisten zu jeweils acht Jahren Haft verurteilt, wobei das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.

Der Prozess am Wiener Landesgericht für Strafsachen gilt als einer der bedeutendsten Strafverfahren in Österreich, in denen Verbrechen aus dem syrischen Bürgerkrieg unter dem Weltrechtsprinzip verhandelt wurden. Nach 13 Verhandlungstagen sprach das Schöffengericht die beiden Angeklagten, den früheren Brigadegeneral Khaled al-Halabi und den ehemaligen Leiter der Kriminalpolizei in Raqqa, Moussab Abou Rokbh, im Großteil der Anklagepunkte schuldig.

Hintergrund: Verbrechen in der Abteilung 335

Die zentrale Figur im Verfahren war der 63-jährige al-Halabi, der während der Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad die berüchtigte Abteilung 335 des syrischen Geheimdienstes in Raqqa geleitet hatte. Diese Hafteinrichtung war direkt dem Innenministerium in Damaskus unterstellt. Laut Anklage wurden dort Oppositionelle "wahllos und brutal misshandelt". Die Anklageschrift umfasste 165 Seiten und warf beiden Männern vor, zwischen April 2011 und März 2013 für die Misshandlung von Regimegegnern mitverantwortlich gewesen zu sein.