Volkswagen verzeichnet im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch von fast einem Drittel
Wolfsburg, 24. Juli 2026
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Kurzfassung
Der Volkswagen-Konzern hat im zweiten Quartal 2026 einen drastischen Gewinnrückgang um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro verzeichnet. Am Freitag legt Europas größter Autobauer in Wolfsburg seine Halbjahreszahlen vor, während neue Sparpläne mit bis zu 50.000 weiteren Stellen auf Widerstand im Aufsichtsrat stoßen.
Der Volkswagen-Konzern hat im zweiten Quartal 2026 erneut einen deutlichen Gewinneinbruch erlitten und legt am Freitag in Wolfsburg seine Halbjahreszahlen vor, während neue Sparpläne mit bis zu 50.000 weiteren Jobs weltweit auf Widerstand stoßen.
Der Volkswagen-Konzern hat im zweiten Quartal erneut einen deutlichen Gewinneinbruch verzeichnet. Wie Europas größter Autobauer in Wolfsburg am Freitag mitteilte, ging das Konzernergebnis nach Steuern zwischen April und Juni um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro zurück. Im zweiten Quartal des vergangenen Jahres hatte der Autobauer knapp 2,3 Milliarden Euro verdient. Damit setzt sich die schwache Ertragsentwicklung des Konzerns fort.
Konzernchef Oliver Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz präsentierten die Halbjahreszahlen bei einer digitalen Analysten- und Pressekonferenz. Volkswagen hatte zuvor bereits kommuniziert, dass das operative Ergebnis im Quartal um rund ein Zehntel auf 3,47 Milliarden Euro abgesackt sei und damit schwächer ausfiel als von Experten erwartet. Der Umsatz zog zwar um zwei Prozent auf 82,4 Milliarden Euro an, konnte den Gewinnrückgang aber nicht ausgleichen.
Ursachen: China-Einbruch und US-Zollpolitik
Zu den Ursachen des Gewinnrückgangs um ein Drittel zählte vor allem ein Rückgang des Absatzes in China. Die Verkäufe des Volkswagen-Konzerns in China brachen im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ein. Konzernweit sanken die Auslieferungen um knapp 9 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge, wie der Konzern bereits zuvor mitgeteilt hatte. Im ersten Halbjahr lieferte Volkswagen 4,1 Millionen Fahrzeuge aus, 6,3 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025.
Außerhalb Chinas lief das Geschäft etwas besser, insbesondere in Europa und auch in Nordamerika im Vergleich zum schwachen Vorjahreszeitraum. Bei Elektrofahrzeugen verbesserten sich Absatz und Ordersituation in Europa. Mehrere kleine Modelle auf Basis der MEB+-Plattform kommen derzeit in den Handel, darunter VW ID. Polo, VW ID. Cross, Skoda Epiq und Cupra Raval.
Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr erklärt, Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz sorgten für Gegenwind. Hinzu kommen die Folgen der US-Zollpolitik, die zuletzt ebenfalls auf das Ergebnis drückten. Auch der teure Umbau hin zur Elektromobilität belastet hohe Kosten die Profitabilität. Blume sagte, das Umfeld für die Autoindustrie bleibe "extrem herausfordernd: geopolitische Krisen, Handelskonflikte, hohe regulatorische Anforderungen, volatile Märkte und verschärfter Wettbewerb".
Neue Sparpläne: bis zu 50.000 weitere Jobs weltweit
Der Konzern will seine Kosten deutlich senken, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Er plant daher neue Sparmaßnahmen mit deutlichen Einschnitten: Bis zu 50.000 Stellen weltweit und vier Werke in Deutschland stehen auf dem Prüfstand – zusätzlich zu den 50.000 Jobs, die bis 2030 bereits abgebaut werden sollen. Blume sprach von einer Größenordnung von rund 50.000 Stellen weltweit als "theoretische Ableitung". 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke VW wegfallen, der Rest bei Volkswagenmarken wie Audi und Porsche.
Die vier Werke, die auf dem Prüfstand stehen, sind Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm. Der Konzern soll auf eine Jahresproduktion von 9 Millionen Fahrzeugen gestutzt werden, etwa eine Million weniger als derzeit und drei Millionen weniger als vor der Corona-Pandemie. Die Zahl der Modelle soll sich halbieren, die Zahl der verwendeten Komponenten um drei Viertel sinken. Im Management sollen rund 11 Milliarden Euro an Verwaltungskosten pro Jahr eingespart werden – ein Viertel des bisherigen Budgets im indirekten Bereich.
Widerstand im Aufsichtsrat und bei der Belegschaft
Diese neuen Sparpläne sind umstritten. In dem Gremium fielen die Pläne Berichten zufolge dann auch zunächst durch. Im Aufsichtsrat stießen die Vorstellungen von Blume und Antlitz auf Widerstand von Niedersachsen und der Arbeitnehmerseite. Auch die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat lehnen die Pläne ab. Von Gewerkschaft und Betriebsrat kommt bereits kräftig Gegenwind.
Das Land Niedersachsen, das mit 20 Prozent an VW beteiligt ist und zwei Mitglieder im Aufsichtsrat stellt, betrachtet die neuen Sparpläne kritisch. Zusammen mit den Arbeitnehmern stellen sie dort die Mehrheit. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) wandte sich gegen Veränderungen an der Struktur mit der Kernmarke VW innerhalb des Konzerns. Die Struktur mit der Kernmarke VW innerhalb des Konzerns sei ein Erfolgsmodell, wird unabhängig von politischen Mehrheiten nicht infrage gestellt.
Niedersachsen und Betriebsrat als Gegengewicht
Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo nannte Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und die Standorte unverantwortlich. "Solche Pläne werden wir mit aller Macht verhindern", sagte sie. IG Metall und Betriebsrat kündigten heftigen Widerstand gegen Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und ihre Standorte an. Am 9. Juli 2026 hatte die IG Metall bereits eine Kundgebung am VW-Hauptsitz in Wolfsburg abgehalten, um gegen die Restrukturierung und die Pläne zu Massenentlassungen zu protestieren.
Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. Diese Maßnahmen waren Ende 2024 zwischen Vorstand und Arbeitnehmerseite vereinbart worden. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. Umfangreiche Stellenstreichungen sind bereits beschlossen. Nach Blumes Darstellung reichen diese Ende 2024 vereinbarten Sparmaßnahmen angesichts der verschlechterten Bedingungen nicht mehr aus.
Blume betonte zugleich, er bevorzuge "intelligente Lösungen" gegenüber Werksschließungen. Er verdiene VW mit seinen Autos schlicht zu wenig Geld, sagte der Konzernchef. Die Kernmarke VW arbeitet im Rahmen eines umfassenden Sparprogramms daran, ihre Rendite nachhaltig zu verbessern. Besonders die Kernmarke VW steht unter Druck.
Tochtergesellschaften Audi und Porsche unter Druck
Bei den Töchtern verlief die Entwicklung unterschiedlich. Bei Audi ging der Umsatz im zweiten Quartal von 17,1 auf 15 Milliarden Euro zurück; das operative Ergebnis fiel noch einmal etwas schwächer aus als ein Jahr zuvor. Bei der Porsche AG sank der Umsatz im Autogeschäft – also ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet – von 8,3 auf 7,8 Milliarden Euro. Der operative Gewinn erholte sich nach den hohen Sonderkosten im Vorjahreszeitraum etwas von 154 Millionen auf 692 Millionen Euro. Die operative Marge im Tagesgeschäft blieb mit 8,9 Prozent aber weit unter dem früher gewohnten Niveau von Porsche.
Geschäftsausblick: Umsatzprognose gesenkt
Volkswagen senkte zugleich den Umsatzausblick für das laufende Jahr. Statt ein Umsatzplus von bis zu 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet der Manager nun 2026 nur noch im besten Fall eine "stabile Entwicklung". Es könnte aber auch bis zu 3 Prozent weniger Erlös werden. Im schlimmsten Fall rechnet Volkswagen nun für das Gesamtjahr mit einem Umsatzrückgang von bis zu drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Prognose für eine operative Umsatzrendite von 4 bis 5,5 Prozent wird dagegen aufrechterhalten.
Im ersten Halbjahr sank das Konzernergebnis nach Steuern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 33 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro. Der Gewinn im ersten Halbjahr fiel um fast 12 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Die Umsatzrendite im ersten Halbjahr lag bei 3,8 Prozent. Nach den ersten sechs Monaten ist die Bilanz damit bisher nur fast ausgeglichen. Im ersten Quartal hatte VW 1,56 Milliarden Euro verdient; das operative Ergebnis fiel mit 3,3 Prozent ebenfalls schwach aus.
Im ersten Quartal war das Konzernnettoergebnis nach Steuern um fast ein Drittel zurückgegangen. Der Umsatz in den ersten drei Monaten schrumpfte leicht um 2,5 Prozent. Im ersten Quartal sank der Nettogewinn nach Steuern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28,4 Prozent. Für das Gesamtjahr 2025 war das Konzernnettoergebnis nach Steuern um fast die Hälfte eingebrochen.
Die Führungsetage plant, sich Ende August bei mehreren Belegschaftsversammlungen an den Standorten den Fragen der Belegschaft zu stellen. Bei Betriebsversammlungen an den Werkstandorten Ende August muss sich der Vorstand den Fragen der Belegschaft stellen. Berichten zufolge sollen die Pläne im September erneut eingebracht werden. JP Morgan stufte VW vz am 14.07.26 und erneut am 10.07.26 mit Neutral ein.
Volkswagen hatte zuvor das Ziel einer operativen Umsatzrendite von mindestens 9 Prozent verfolgt, bevor es das Ziel senkte. Nun lautet das Ziel mindestens 4 Prozent bis Jahresende und mindestens 8 Prozent bis 2030. Die Talfahrt von VW hält an. Berichten zufolge zielt der Konzern insgesamt auf 100.000 Stellenstreichungen weltweit. Die Krise des Autobauers dauert damit an.
Fragen & Antworten
Wie stark ist der Gewinn von Volkswagen im zweiten Quartal 2026 eingebrochen?
Das Konzernergebnis nach Steuern sank zwischen April und Juni um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro, verglichen mit knapp 2,3 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Auch das operative Ergebnis fiel um rund ein Zehntel auf 3,47 Milliarden Euro.
Welche neuen Sparpläne verfolgt Volkswagen?
Konzernchef Oliver Blume plant zusätzlich zu den bereits bis 2030 angekündigten 50.000 Stellen in Deutschland weitere Einschnitte: Bis zu 50.000 Jobs weltweit und vier Werke in Deutschland – Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm – stehen auf dem Prüfstand.
Warum stoßen die Sparpläne auf Widerstand?
Im Aufsichtsrat wurden die Pläne Berichten zufolge zunächst abgelehnt; Niedersachsen und die Arbeitnehmerseite halten dort die Mehrheit. IG Metall, Betriebsrat und Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo kündigten an, Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und die Standorte mit aller Macht zu verhindern.
VW Gewinneinbruch Q2 2026: Halbjahreszahlen und Sparkurs | finanz360