Der Präsident des Obersten Gerichtshofs, Georg Kodek, hat im APA-Interview die Arbeitsbedingungen in der österreichischen Justiz als „unzumutbar" bezeichnet und vor einem schleichenden Verlust der Leistungsfähigkeit gewarnt.
Belastung an der Grenze
Kodek schildert die Lage in einem APA-Interview mit deutlichen Worten: „Die Arbeitsbedingungen sind unzumutbar", sagte er. Noch funktioniere die Gerichtsbarkeit „einigermaßen gut", das könne sich aber bald ändern. „Die sind wirklich seit Jahren an der Grenze oder über der Grenze der Belastbarkeit", beschrieb er die Situation der Richterinnen und Staatsanwälte. Mit Blick auf die laufenden Budgetverhandlungen formulierte er klar: „Was nicht geht, ist, ohne massive Aufgabenreduktion und ohne Personalvermehrung den Standard zu halten."
Die Forderung von Richterinnen und Staatsanwälten nach zusätzlichen Planstellen werde die Regierung auch mit dem Doppelbudget 2027/28 nicht erfüllen, kritisierte Kodek. Trotz zusätzlicher Aufgaben bleibe eine substanzielle Aufstockung aus. „Ich sehe das sehr kritisch, sehr besorgt", sagte er. Ob Urteile vollzogen würden, hänge dann nicht mehr von den Entscheidungen der Gerichte ab, sondern vom Budget. „Dann muss man es aber auch politisch verantworten", fügte er hinzu.
