Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant für das Jahr 2027 Bundesausgaben von 555 Milliarden Euro und eine Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro, wie aus einem Kabinettsentwurf hervorgeht, der am Montag im Bundeskabinett beraten und beschlossen werden soll.
Der Entwurf des Bundeshaushalts 2027 liegt nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und des ARD-Hauptstadtstudios vor. Er sieht Ausgaben von 555 Milliarden Euro vor – rund zwölf Milliarden Euro mehr als zunächst veranschlagt und fast sechs Prozent mehr als im laufenden Jahr. Die Nettokreditaufnahme liegt bei 118,7 Milliarden Euro und damit über dem Wert, der bei den Etat-Eckwerten Ende April noch mit 110,8 Milliarden Euro angegeben worden war.
Wie der Entwurf festhält, bleibt die Neuverschuldung damit deutlich höher als ursprünglich geplant. Die Gesamtsumme der neuen Schulden einschließlich der Sondervermögen für Bundeswehr und Infrastruktur übersteigt sogar 203 Milliarden Euro – dies wäre nach Angaben aus dem Entwurf der zweithöchste Wert in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Zum Vergleich: Für das laufende Jahr 2026 ist eine Neuverschuldung von 98 Milliarden Euro vorgesehen.
Höhere Schulden als im April angekündigt
Im April hatte das Finanzministerium bei der Vorstellung der Eckwerte noch eine Deckungslücke von 21 Milliarden Euro für 2027 ausgewiesen. Diese Lücke soll nun durch Einsparungen in mehreren Ministerien, eine neue Plastikabgabe und den Zugriff auf knapp sieben Milliarden Euro aus Rücklagen geschlossen werden. Nach Berechnungen des Entwurfs verbleiben damit rund 3,9 Milliarden Euro in der Reserve für die Folgejahre.
