Kanada entscheidet laut Berichten über U-Boot-Auftrag vor NATO-Gipfel in der Türkei
Frankfurt, 06. Juli 2026
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Kurzfassung
Kanada will laut einem Bericht der Zeitung "Globe and Mail" noch vor der Abreise von Carney zum NATO-Gipfel in der Türkei über den Bau neuer U-Boote entscheiden. Als Bieter gelten die deutsche TKMS thyssenkrupp Marine Systems aus Kiel sowie die südkoreanische Werft Hanwha Ocean.
Die kanadische Regierung will nach einem Bericht der Zeitung "Globe and Mail" unter Berufung auf Insider noch vor der Abreise von Carney zum NATO-Gipfel in der Türkei eine Entscheidung über den Bau neuer U-Boote verkünden, für die das deutsche Unternehmen TKMS thyssenkrupp Marine Systems aus Kiel und die südkoreanische Werft Hanwha Ocean als Bieter gelten.
Den Zuschlag des milliardenschweren Auftrags erhalten könnte nach Informationen des Blattes die deutsche Werft TKMS mit Sitz in Kiel. Zitiert werden in dem am Montag verbreiteten Bericht informierte Kreise, wonach Ottawa das deutsche Unternehmen ausgewählt habe. Eine offizielle Bestätigung aus Ottawa oder von TKMS gab es zunächst nicht.
Der Zeitpunkt der angekündigten Entscheidung ist bemerkenswert: Sie soll noch vor der Abreise von Carney zum NATO-Gipfel fallen, der am Dienstag in der türkischen Hauptstadt Ankara beginnt. Damit würde die Bekanntgabe unmittelbar in den Kontext des Bündnisses gestellt, das zuletzt von den USA massiv Druck auf seine Mitglieder ausgeübt hat, ihre Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen.
Hintergrund: Druck aus Washington und Nato-Quoten
Kanada hat nach eigenen Angaben das NATO-Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung auszugeben, früher als ursprünglich geplant erreicht. Gleichzeitig steht das Land unter dem Druck der USA, seine Militärausgaben weiter zu steigern. Ein neuer U-Boot-Deal würde die kanadische Marine deutlich modernisieren und zugleich die industrielle Basis im Land stärken.
Die deutsche Bundesregierung hatte sich nach den Worten eines Sprechers wiederholt für das deutsche Unternehmen im laufenden Bieterverfahren eingesetzt. Mitglieder der Bundesregierung hatten sich wiederholt für das deutsche Unternehmen eingesetzt. Im Vorfeld des NATO-Gipfels formulierte die Bundesregierung zudem hohe Erwartungen an eine mögliche Auftragsvergabe.
Berlin sieht Jahrzehnte-Projekt
Am Tag vor dem NATO-Gipfel formulierte eine Quelle aus der deutschen Regierung die Hoffnung auf eine langfristige Bindung Kanadas an die deutsche Rüstungsindustrie. "Wenn es gelingt, dann wird das Kanada an uns für Jahrzehnte binden", zitiert die Deutsche Presse-Agentur (dpa) die Quelle. Eine erfolgreiche Vergabe wäre demnach "ein sehr gutes Signal ... im Kontext" des Gipfels und "ein sehr guter Startpunkt für eine strategische Zusammenarbeit".
Mit dem Bericht der "Globe and Mail" vom Wochenende waren die Aktien von TKMS deutlich gestiegen. Die Titel legten am Montag um 11,2 Prozent auf 93,40 Euro zu und erreichten damit den höchsten Stand seit Mitte März. TKMS führte zu diesem Zeitpunkt den MDax, den Index der mittelgroßen deutschen Börsenwerte, an.
Aktien steigen, Bernstein bleibt neutral
Bernstein Research hatte unterdessen bereits am 14. Mai 2026 eine Bewertung der Aktie von TKMS mit dem Rating "Market-Perform" ausgegeben. Diese Einschätzung steht einer fundamentalen Beurteilung des mittelfristigen Kurses gleich. Damit bewertet die Investmentbank den Titel neutral.
Das Investitionsvolumen eines möglichen Auftrags wäre nach Einschätzung der Bundesregierung erheblich. Es geht um den Bau einer Flotte konventionell bewaffneter U-Boote für die kanadische Marine, die im Nordatlantik und im Pazifik operieren soll. Branchenkreise sprechen von einer Größenordnung, die sich im einstelligen Milliardenbereich bewegen könnte.
Neben TKMS und Hanwha Ocean hatten sich weitere Werften um den kanadischen Auftrag bemüht. Die südkoreanische Werft Hanwha Ocean war zuletzt durch starkes Wachstum aufgefallen und gilt als technologisch versierter Wettbewerber. Mit einem möglichen Zuschlag an die deutsche Werft würde Europa den größten Exportauftrag für konventionelle U-Boote seit Jahren erhalten.
Regionale und wirtschaftliche Tragweite
Die Bundesregierung erhofft sich durch einen Erfolg im kanadischen Bieterverfahren eine deutlich Vertiefung der Rüstungskooperation mit Ottawa, die über den U-Boot-Deal hinausreichen soll. Bereits jetzt kooperieren beide Länder in der Nato, bei der Lieferung von Militärfahrzeugen sowie in der Rüstungsforschung. Eine formelle strategische Partnerschaft könnte weitere Milliardenprojekte nach sich ziehen.
Beobachter in Berlin werten den Zeitpunkt der Berichterstattung als Signal an die USA und an weitere Nato-Partner, dass Europa militärisch eigenständiger werden will. Ein U-Boot-Deal mit Kanada würde zeigen, dass europäische Rüstungsunternehmen in der Lage sind, komplexe Waffensysteme in den Nordamerikanischen Markt zu liefern und dort über lange Zeiträume zu warten.
Sollte Ottawa den Zuschlag an TKMS erteilen, müssten beide Seiten in den kommenden Monaten einen formellen Vertrag aushandeln. TKMS-Chef hatte zuletzt erklärt, die Werft sei bereit, das Projekt auch bei größeren Stückzahlen umzusetzen. Kiel würde dann zum Zentrum eines transnationalen Rüstungsprogramms, mit Bauaufträgen über mehr als ein Jahrzehnt.
Vergleich mit Australien und Marktausblick
Der vorige Vergabeprozess in Australien, der sogenannte "Future Submarine"-Auftrag, war nach jahrelangen Verzögerungen und Kostensteigerungen schließlich an den US-Hersteller Naval Group, heute ein Konsortium, vergeben worden. Vor diesem Hintergrund werten Berliner Regierungskreise den kanadischen Prozess als Lackmustest für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Werften.
Am Tag der geplanten Entscheidung richtete sich die Aufmerksamkeit auch auf Finanzmärkte. Analysten werteten den möglichen Auftrag als Indikator für die Erholung der europäischen Rüstungsindustrie nach einer Phase der Konsolidierung. Privatanleger, die in TKMS investiert sind, dürften die weitere Entwicklung besonders aufmerksam verfolgen.
Eine Bestätigung der Entscheidung aus Ottawa stand zum Zeitpunkt der Berichterstattung aus. Regierungssprecher in Berlin wollten den Bericht der "Globe and Mail" zunächst nicht kommentieren. Beobachter in beiden Hauptstädten rechneten jedoch damit, dass die Entscheidung in den kommenden Stunden offiziell verkündet werden könnte.
Ausblick: Verhandlungen und geopolitische Signale
Die geopolitische Bedeutung des Auftrags reicht über die bilateralen Beziehungen zwischen Berlin und Ottawa hinaus. Ein erfolgreicher Deal würde die Rüstungszusammenarbeit zwischen gleichgesinnten Demokratien in der Nato stärken und zugleich ein Signal an Wettbewerber wie Russland setzen. TKMS gehört nach eigenen Angaben zu den wenigen Werften weltweit, die konventionelle U-Boote in dieser Größenordnung exportieren dürfen.
Fragen & Antworten
Welches Unternehmen soll den Zuschlag für die kanadischen U-Boote erhalten?
Nach Informationen der "Globe and Mail" unter Berufung auf Insider hat Ottawa das deutsche Unternehmen TKMS thyssenkrupp Marine Systems mit Sitz in Kiel ausgewählt. Nebenbieter war die südkoreanische Werft Hanwha Ocean.
Wann will Kanada die Entscheidung offiziell verkünden?
Carney will die Entscheidung dem Bericht zufolge noch vor seiner Abreise zum NATO-Gipfel in Ankara bekanntgeben, der am Dienstag in der türkischen Hauptstadt beginnt.
Welche strategische Bedeutung misst die Bundesregierung dem Auftrag bei?
Eine Quelle der Bundesregierung bezeichnete einen erfolgreichen Deal als "ein sehr gutes Signal" im Kontext des NATO-Gipfels und betonte, er würde "Kanada an uns für Jahrzehnte binden".
TKMS vor Milliardenauftrag: Kanada entscheidet vor | finanz360