Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat am Dienstag in Ottawa gemeinsam mit seinem kanadischen Amtskollegen David McGuinty für eine deutsch-kanadische U-Boot-Partnerschaft geworben.
Pistorius nahm an der kanadischen Rüstungsmesse Cansec teil und traf dort auch Premierminister Mark Carney. Im Mittelpunkt stand das Angebot des Kieler Herstellers ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), der in Zusammenarbeit mit Norwegen nicht-nuklear betriebene U-Boote baut.
Der Minister bezeichnete die Qualität der deutschen U-Boote als „unübertroffen“. Deutschland wolle mit Kanada „Seite an Seite für Sicherheit sorgen im Nordatlantik, dem hohen Norden und auch der Arktis“, sagte Pistorius.
Kanada ist als NATO-Partner auf der Suche nach neuen U-Booten. Das Beschaffungsvorhaben umfasst nach Angaben aus Regierungskreisen etwa ein Dutzend Boote. Neben Deutschland bewirbt sich auch Südkorea um den Auftrag.
Kanada sucht neue Partner
Premierminister Carney kündigte auf der Cansec an, dass eine Entscheidung über den Kauf bis Ende Juni fallen soll. TKMS gilt als aussichtsreicher Kandidat für den Milliardenauftrag.
Pistorius nutzte den Besuch auch, um für eine engere militärpolitische Zusammenarbeit mit Kanada zu werben. „Es gibt vielfältige Beteiligungsfelder für die Zusammenarbeit mit den Kanadiern“, sagte er.
Begleitet wurde der SPD-Politiker von Mitgliedern des Bundestages und Vertretern der deutschen Hochtechnologie- und Rüstungsindustrie. Auf der Agenda standen zudem Sicherheitsthemen, die Unterstützung der Ukraine und die Vorbereitung des NATO-Gipfels im Juli.
Hintergrund der kanadischen Offenheit für neue Partner ist auch eine gewisse Verunsicherung im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. Kanada bezieht derzeit rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Das US-Verteidigungsministerium hat sich zuletzt aus Teilen der militärischen Zusammenarbeit zurückgezogen und die Arbeit im Ständigen Gemeinsamen Verteidigungsausschuss mit Kanada ausgesetzt.
Appell an die NATO-Partner
Pistorius rief die NATO-Verbündeten dazu auf, ihre Streitkräfte angesichts der Unwägbarkeiten in den Beziehungen zu den USA entschlossen zu stärken. „Vor dem Weißen Haus oder einem anderen Gebäude in der Welt zu sitzen und wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren, würde uns nicht stärker machen. Es macht uns schwächer“, sagte er, ohne US-Präsident Donald Trump namentlich zu nennen.
Er fügte hinzu: „Wir müssen weniger Aufmerksamkeit dem widmen, was andere machen und uns mehr darauf fokussieren, was wir selbst unternehmen können.“ Gleichzeitig betonte Pistorius, die USA seien in den vergangenen Jahrzehnten ein verlässlicher Partner gewesen und die militärische und politische Zusammenarbeit bleibe trotz tagesaktuell unberechenbarer Entwicklungen sehr stark.
Energiekooperation mit Kanada
Neben der Rüstungskooperation geht es Deutschland und Kanada auch um eine Diversifizierung ihrer internationalen Partner sowie der Energie- und Rohstoffquellen. In diesem Zusammenhang unterzeichneten der staatliche deutsche Gasimporteur Sefe und das kanadische Unternehmen Ksi Lisims LNG eine Absichtserklärung über die jährliche Lieferung von einer Million Tonnen Flüssigerdgas.
Die Lieferungen sollen Anfang der 2030er Jahre beginnen und über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren laufen. Laut Bundeswirtschaftsministerium handelt es sich um die erste langfristige LNG-Partnerschaft von Sefe mit einem kanadischen Anbieter. Sefe war früher als Gazprom Germania eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom und wurde infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine verstaatlicht.
Die Bundesregierung sieht in dem Ausbau der Beziehungen zu Kanada gegenseitigen Nutzen für beide Staaten – auch in Bereichen wie KI-Anwendungen, Internet und Weltrauminfrastruktur.
