Kanada bestellt laut Berichten zwölf U-Boote bei deutschem Hersteller TKMS
Berlin, 06. Juli 2026
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Kurzfassung
Kanada will einem Bericht der Zeitung „The Globe and Mail" zufolge zwölf U-Boote des Typs 212 CD beim deutschen Marine-Schiffbauer TKMS aus Kiel bestellen. Der Auftrag wäre der größte konventionelle U-Boot-Deal, der je an einen NATO-Partner vergeben wurde, und soll beim NATO-Gipfel verkündet werden.
Kanada plant laut einem Bericht der Zeitung „The Globe and Mail" den Kauf von zwölf hochmodernen U-Booten des Typs 212 CD beim deutschen Marine-Schiffbauer TKMS mit Sitz in Kiel.
Ein Auftrag von beispielloser Größenordnung
Der Auftrag hätte nach Angaben des TKMS-Chefs Oliver Burkhard eine beispiellose Größenordnung. „Das ist ein großes strategisches Vorhaben", sagte Burkhard laut dem Bericht. Er kündigte an, den Zuschlag mit einem umfassenden Industriepaket nach Deutschland holen zu wollen. „Zusammen können wir die größte und modernste konventionelle U-Boot-Flotte der Welt bauen", erklärte er.
Die Entscheidung Ottawas wurde nach Angaben informierter Kreise am Wochenende vor dem NATO-Gipfel getroffen, wie „The Globe and Mail" weiter berichtete. Demnach setzte sich TKMS in dem Bieterverfahren gegen das südkoreanische Unternehmen Hanwha Ocean durch. Der Vertrag soll dem Bericht zufolge im Umfeld des Gipfeltreffens öffentlich gemacht werden.
Bei dem U-Boot-Typ 212 CD handelt es sich um ein hochmodernes konventionelles Modell, das auch von der deutschen und der norwegischen Marine beschafft wird. Die Boote gelten als äußerst schwer aufzuspüren und können dank moderner Lithium-Ionen-Batterien über Wochen hinweg autonom und völlig lautlos operieren.
Technologie vom Typ 212 CD
Auch Boris Pistorius warb zuletzt für die Technologie aus deutscher Produktion. Das Modell 212 CD vereint laut Hersteller hohe Unterwassergeschwindigkeit mit langer Tauchzeit und modernster Sensortechnik, was es für Küstenverteidigung wie für weitreichende Operationen gleichermaßen geeignet machen soll.
Aus der Bundesregierung hieß es vor Beginn des Gipfels, der Auftrag habe eine weit über die Rüstungsbeschaffung hinausgehende Bedeutung. „Wenn es gelingt, dann wird es Kanada an uns für Jahrzehnte binden", sagte ein Regierungsvertreter in Berlin laut dem Bericht. Eine ähnliche Formulierung wählte die Regierung wenige Tage später nochmals und unterstrich damit die transatlantische Dimension des Geschäfts.
Politische Dimension des Geschäfts
Bundeskanzler Friedrich Merz habe in den vergangenen Wochen und Monaten „viel an politischer Arbeit investiert", hieß es aus Berlin weiter. „Das wäre ein sehr guter Startpunkt für eine strategische Zusammenarbeit." Und es wäre „ein sehr gutes Signal", wenn eine solche Entscheidung „im Kontext" des Nato-Gipfels kommuniziert würde.
TKMS betreibt unter anderem eine Werft in Wismar, die zuletzt Kreuzfahrtschiffe baute, bis der Betreiber 2022 in die Insolvenz ging. Mitte 2022 übernahm TKMS die Werft und richtete sie auf den Bau von Marine- und Spezialschiffen aus. Damit verfügt das Unternehmen über zusätzliche Kapazitäten, um Großaufträge dieser Größenordnung abzuwickeln.
Wirtschaftliche Bedeutung für Kiel und Wismar
Für den schleswig-holsteinischen Standort Kiel wäre der Auftrag ein herausragender Erfolg. Kiel gilt seit Jahrzehnten als Zentrum des deutschen U-Boot-Baus, und TKMS hat dort sowohl Konstruktion als auch Fertigung gebündelt. Mit dem Kanada-Geschäft würde die Auslastung der Werft über Jahre hinaus gesichert.
Die Aktie des Mutterkonzerns thyssenkrupp reagierte bereits am Montag deutlich: Im MDax stieg das Papier zuletzt um 11,2 Prozent auf 93,40 Euro und führte damit den Index an. Die Deutsche Bank hatte TKMS thyssenkrupp Marine Systems zuletzt am 12. Mai 2026 mit „Buy" eingestuft, während Bernstein Research am 14. Mai 2026 ein Rating von „Market-Perform" vergab.
Burkhard bezeichnete den möglichen Auftrag als „der größte, der jemals in dieser Welt der konventionellen U-Boote bei einem NATO-Partner vergeben wurde". Sollte die Entscheidung bestätigt werden, wäre sie auch ein industriepolitisches Signal für den maritimen Standort Deutschland insgesamt.
Reaktionen an den Märkten und in Ottawa
Über den genauen Umfang des Pakets und die Verteilung der Produktion auf die Standorte in Kiel und Wismar wurde zunächst nichts bekannt. Auch zum Zeitplan für die Auslieferung der ersten Boote und zur Vertragsdauer machte die Bundesregierung zunächst keine Angaben.
In Ottawa hielten sich die zuständigen Stellen zunächst bedeckt. Weder das Verteidigungsministerium noch das Büro von Premierminister Mark Carney wollten sich zu dem Bericht äußern, wie „The Globe and Mail" schrieb. Eine offizielle Bestätigung wurde erst für den NATO-Gipfel erwartet.
Mit dem möglichen Deal würde Deutschland seine Position als einer der führenden konventionellen U-Boot-Exporteure weiter festigen. Bisherige Abnehmer der Boote vom Typ 212 beziehungsweise der weiterentwickelten Variante 212 A sind neben der deutschen Marine auch Norwegen und Italien.
Europäische Verteidigungsindustrie im Wandel
Die politische Rahmung des Geschäfts fügt sich in die Debatte über eine Stärkung der europäischen Verteidigungsindustrie ein. Berlin verfolgt seit längerem das Ziel, strategische Schlüsseltechnologien im Land zu halten und die Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferketten zu verringern.
Für Kanada wiederum bedeutet die Entscheidung eine langfristige Festlegung auf einen europäischen Partner in einem sicherheitspolitisch sensiblen Feld. Das Land hatte zuvor intensiv über die künftige Ausrichtung seiner U-Boot-Flotte beraten, wobei neben technischen Kriterien auch geopolitische Überlegungen eine Rolle spielten.
Mit der angestrebten Vertragsunterzeichnung im Kontext des NATO-Gipfels würde zugleich der symbolpolitische Charakter unterstrichen. Bündnispartner würden sich mit der Bestellung in einer Phase öffentlich sichtbar auf gemeinsame Rüstungsproduktion festlegen – ein Vorgang, der in den kommenden Jahren auch über den Atlantik hinaus Beachtung finden dürfte.
Fragen & Antworten
Welches U-Boot-Modell will Kanada kaufen?
Kanada will nach dem Bericht von „The Globe and Mail" zwölf U-Boote des Typs 212 CD erwerben, die auch von der deutschen und der norwegischen Marine beschafft werden und mit Lithium-Ionen-Batterien wochenlang lautlos operieren können.
Wer baut die U-Boote für Kanada?
Den Zuschlag soll der deutsche Marine-Schiffbauer TKMS thyssenkrupp Marine Systems mit Sitz in Kiel erhalten, der sich eigenen Angaben zufolge gegen die südkoreanische Werft Hanwha Ocean durchgesetzt hat.
Warum ist der Auftrag politisch bedeutsam?
Aus der Bundesregierung hieß es, der Auftrag werde „Kanada an uns für Jahrzehnte binden" und solle im Umfeld des NATO-Gipfels öffentlich gemacht werden, was die transatlantische und strategische Dimension des Geschäfts unterstreicht.
Kanada bestellt U-Boote bei TKMS – Milliardendeal für Kiel | finanz360