Im ersten Halbjahr 2026 sind im deutschen Handwerk knapp 67.800 neue Ausbildungsverträge geschlossen worden – 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie Handwerkspräsident Jörg Dittrich am 19. Juli 2026 mitteilte.

Der Juni-Wert markiert nach Angaben Dittrichs den höchsten Stand seit 2018. Mit dem Anstieg steuert das Handwerk auf das vierte Jahr in Folge mit wachsenden Neuvertragszahlen zu – entgegen dem Trend in der übrigen Wirtschaft: In der Industrie war die Zahl der Ausbildungsverträge im vergangenen Jahr um neun Prozent gesunken.

Dittrich sieht vier Ursachen für den Boom. Erstens nannte er KI: „Erstens: KI. Junge Menschen erkennen, dass das Handwerk eine echte Alternative bietet, wenn sie einen sicheren Job haben wollen." Zweitens seien die Imagekampagne des Handwerks und die Werbebemühungen in der Gesellschaft angekommen. Drittens hätten sich Verdienst- und Karrieremöglichkeiten im Handwerk verbessert. Viertens hätten Teile der Industrie wegen der Weltmarktlage ihre Ausbildungsplätze massiv verringert.

Vier Gründe für den Boom

Wie groß das Interesse inzwischen ist, zeigt ein Beispiel aus Stuttgart. Wie Dittrich berichtete, habe ein Elektromeister aus Stuttgart mit einem Betrieb von 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über Jahre Schwierigkeiten gehabt, seine drei, vier Ausbildungsplätze im Umfeld der Automobilindustrie zu besetzen. Jetzt habe er 90 Bewerbungen erhalten. In einigen Kammerbezirken gebe es sogar zweistellige Zuwächse.