Wadephul kritisiert Trumps Ausladung Südafrikas vom G20-Gipfel in Florida
Pretoria, 23 Juli 2026
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Kurzfassung
Bundesaußenminister Johann Wadephul hat die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert, Südafrika vom nächsten G20-Gipfel in Florida auszuschließen. Er bezeichnete Südafrika als unverzichtbares Mitglied der Gruppe und kündigte an, die Sorgen Pretorias beim Gipfel im Dezember vorzutragen.
Pretoria, 23 Juli 2026
Bundesaußenminister Johann Wadephul hat am Donnerstag in Pretoria die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump kritisiert, Südafrika vom nächsten G20-Gipfel im Dezember in Florida auszuschließen, und die de facto Ausladung als nicht hinnehmbar bezeichnet.
Im Anschluss an ein Treffen mit seinem südafrikanischen Amtskollegen Ronald Lamolla in der Hauptstadt Pretoria wandte sich Wadephul mit deutlichen Worten gegen den Schritt der US-Regierung. Südafrika sei und bleibe ein unverzichtbares Mitglied im Kreise der G20, sagte der CDU-Politiker. Seine Stimme habe weltweit Gewicht und Einfluss. Diese Stimme sollte gehört werden.
Wadephul verwies auf den besonderen Stellenwert Südafrikas innerhalb der Gruppe: Als einziges afrikanisches G20-Mitglied habe das Land weltweit Gewicht. Es könne in niemandes Interesse sein, eine wichtige afrikanische Stimme sowie eine regionale Führungsmacht ins Abseits zu drängen.
Die G20-Runde führender Industrie- und Schwellenländer gilt als eines der wichtigsten multilateralen politischen Formate. Südafrika ist Gründungsmitglied. Der vorangegangene G20-Gipfel in Johannesburg Ende 2025 war nach Einschätzung Wadephuls hoch erfolgreich.
Hintergrund des Konflikts zwischen Washington und Pretoria
Trump hatte zuvor angekündigt, Südafrika vom für Dezember in den USA geplanten nächsten G20-Gipfel auszuschließen. Hintergrund ist ein Vorwurf des US-Präsidenten, in Südafrika finde ein Genozid an weißen Bauern statt. Diese Darstellung wird von Fachleuten und der südafrikanischen Regierung entschieden zurückgewiesen.
Die USA hatten bereits den G20-Gipfel in Johannesburg Ende 2025 boykottiert. Mit der nun angekündigten Ausladung Südafrikas für den Gipfel in Florida im Dezember geht der Konflikt zwischen Washington und Pretoria in eine neue Runde.
Wadephul betonte zugleich, dass Südafrika ein entschiedener Verfechter der regelbasierten Ordnung und des Multilateralismus sei. In Zeiten wachsender globaler wirtschaftlicher Unsicherheit brauche es mehr Zusammenarbeit, nicht weniger.
Südafrikas Reaktion auf die Ausladung
Der Bundesaußenminister kündigte an, die Bedenken Pretorias beim Gipfel in Florida persönlich vorzutragen. Deutschland werde den G20-Gipfel nicht boykottieren, sondern im Sinne Südafrikas sprechen. Es könne in niemandes Interesse sein, eine wichtige afrikanische Stimme sowie eine regionale Führungsmacht ins Abseits zu drängen, sagte er.
Lamolla zeigte sich unterdessen dankbar über die deutsche Position. Er würdigte die prinzipientreue Unterstützung für einen inklusiven G20-Gipfel. Zugleich formulierte er eine grundsätzliche Kritik an der Vorgehensweise Washingtons. Wir sind doch nicht irgendein Land, das man ein- oder auslädt. Wir sind G20-Gründungsmitglied.
Der südafrikanische Außenminister stellte zudem die Natur des geplanten Treffens infrage. Ist das dann wirklich ein G20-Gipfel, wenn ein Gründungsmitglied fehlt? Wollt ihr das so nennen? Zugleich betonte er, kein Land könne eigenmächtig beschließen, einem Gründungsmitglied der G20 die Einladung zu entziehen.
Südafrika zeigte sich zugleich gesprächsbereit und erklärte, man werde am Gipfel in Florida teilnehmen, falls die USA eine Einladung aussprechen. Lamolla machte zugleich deutlich, Pretoria erwarte nicht, dass Deutschland zugunsten Südafrikas dem Treffen fernbleibe.
Wadephuls Auftritt in Johannesburg
Wadephul sprach die Ausladung Südafrikas auch im Rahmen einer politischen Rede an Studierenden am South African Institute of International Affairs an der Universität Witwatersrand in Johannesburg an. Er nannte Südafrika dort die Stimme Afrikas und des Globalen Südens.
Über Südafrika hinaus äußerte sich der Bundesaußenminister auch zu weiteren außenpolitischen Themen. Er warnte, Iran verletze die Freiheit der Navigation in der Straße von Hormus durch das Verminen und durch das Beschießen von Schiffen, wie es jetzt geschehen sei.
Weitere außenpolitische Themen der Reise
Zudem verwies Wadephul auf die schweren Folgen des Iran-Krieges für Afrika: Auf dem Kontinent seien die Auswirkungen in den Bereichen Treibstoff, Düngemittel und Lebensmittel massiv zu spüren.
Auch der Nahost-Konflikt kam zur Sprache. Wadephul sagte, er spreche mit seinem israelischen Kollegen kritisch über Siedleraktivitäten im Westjordanland. Gleichzeitig verwies er auf die Haltung Deutschlands zum Gaza-Krieg, die das Recht Israels auf Selbstverteidigung anerkennt.
UN-Sicherheitsratsreform und afrikanische Forderungen
Im Streit um eine UN-Sicherheitsratsreform sprach sich Wadephul für eine ständige afrikanische Vertretung im mächtigsten UN-Gremium aus. Es gebe keine repräsentative UN ohne einen afrikanischen Sitz im Sicherheitsrat. Die afrikanische UN-Gruppe fordere mindestens zwei ständige Sitze mit Vetorecht sowie zwei weitere nichtständige Sitze.
Deutschland hatte sich im Juni erfolglos um einen Sitz im UN-Sicherheitsrat beworben und war gegen Portugal und Österreich unterlegen. Die Bundesregierung unterstützt nach Angaben Wadephuls afrikanische Reformpläne für den Sicherheitsrat.
Wadephul zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass die Unterbrechung nicht dauerhaft sei und Südafrika im nächsten Jahr wieder als vollwertiges Mitglied im G20-Rahmen mitarbeiten könne.
Bedeutung der Reise für die multilaterale Ordnung
Die Äußerungen fallen in eine Zeit, die Wadephul selbst als Krise des Multilateralismus beschrieb. Mit seiner vier Tage dauernden Afrikareise, die drei afrikanische Staaten umfasste, suchte der Bundesaußenminister den Dialog über globale Reformen und die Rolle Afrikas in der Weltordnung. Nach dem Treffen in Pretoria wird Wadephul nach Berlin zurückkehren, wo Urlaub und eine Fraktionssondersitzung anstehen.
Die direkte Luftlinienentfernung zwischen Wadephuls Heimatregion an der Kieler Bucht und dem Kap der Guten Hoffnung beträgt rund 10.000 Kilometer. Diese Entfernung wurde vom Minister als Sinnbild für die geografische und politische Distanz genannt, die es im Dialog zwischen Europa und Afrika zu überbrücken gilt.
Fragen & Antworten
Warum kritisiert Wadephul den Ausschluss Südafrikas vom G20-Gipfel?
Wadephul sieht Südafrika als unverzichtbares Mitglied der G20 und als einzige afrikanische Stimme in diesem Format. Er argumentiert, dass gerade in Zeiten wachsender wirtschaftlicher Unsicherheit mehr Zusammenarbeit statt Ausgrenzung nötig sei.
Welchen Hintergrund hat die Entscheidung von US-Präsident Trump?
Trump begründet den Schritt mit dem Vorwurf, in Südafrika finde ein Genozid an weißen Bauern statt. Diese Darstellung wird von Fachleuten und der südafrikanischen Regierung entschieden zurückgewiesen.
Wie will Wadephul auf dem G20-Gipfel in Florida handeln?
Wadephul kündigte an, Deutschland werde den Gipfel im Dezember in Florida nicht boykottieren, sondern die Sorgen Südafrikas dort persönlich vorzutragen. Er hofft zugleich, dass Südafrika im folgenden Jahr wieder vollwertig teilnehmen kann.