USA setzen Iran mit zwei Angriffswellen an einem Tag und Drohungen weiter unter Druck
Washington/Teheran, 16 Juli 2026
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Kurzfassung
Die USA haben binnen 24 Stunden zwei Angriffswellen gegen den Iran geflogen und mit der Zerstörung von Kraftwerken und Brücken gedroht. Gleichzeitig berichtet Präsident Trump von Verhandlungsbereitschaft Teherans und einer freigelassenen US-Bürgerin.
Washington/Teheran, 16 Juli 2026
Das US-Militär hat am Mittwoch eine zweite Angriffswelle gegen den Iran gestartet, während Präsident Donald Trump der Führung in Teheran zugleich Verhandlungsbereitschaft bescheinigte und mit einer Ausweitung der Angriffe drohte.
Zwei Angriffswellen binnen 24 Stunden
Das für die Region zuständige US-Militärkommando Centcom erklärte am Mittwoch, die zweite Angriffsrunde des Tages habe um 15.00 Uhr US-Ostküstenzeit (21.00 Uhr deutscher Zeit) begonnen. Damit flog die US-Streitmacht innerhalb eines Tages zwei getrennte Wellen, in denen nach eigenen Angaben zahlreiche Ziele im Iran angegriffen wurden. Eine 90-minütige Angriffswelle wurde zuvor bereits als abgeschlossen gemeldet.
Nach Angaben der iranischen Gesundheitsbehörden wurden durch US-Angriffe seit der jüngsten Eskalation mehr als 260 Menschen verletzt. Unabhängig prüfen ließ sich diese Zahl zunächst nicht. Berichte über Todesopfer gingen aus den vorliegenden Informationen nicht hervor, doch wiesen iranische Stellen darauf hin, dass die Angriffe zivile Infrastruktur getroffen hätten. Das Regime in Teheran sprach von einem „existenziellen Krieg“ und kündigte Vergeltung an.
Trumps Drohungen zwischen Verhandlungsangebot und Ultimatum
Parallel zu den Angriffen erhöhte Trump den verbalen Druck. Auf die Frage einer Journalistin, ob er dem Iran ein Ultimatum stelle, bevor Bombenangriffe auf Brücken beginnen würden, sagte Trump: „Ich mag es nicht, Fristen zu setzen.“ Tags zuvor hatte er im Sender Fox News angekündigt, nächste Woche würden alle Kraftwerke und Brücken zerstört, „es sei denn, sie (die Iraner) kommen an den Verhandlungstisch und verhandeln“.
Trump begründete die Drohungen mit seiner Einschätzung, der Iran wolle eine Einigung. „Ihnen gefällt nicht, was wir tun, und sie wollen die Sache tatsächlich beilegen“, schrieb er auf der Plattform Truth Social. Gleichzeitig hielt er sich die Option auf eine weitere Eskalation offen: „Wir werden sehen, ob wir uns mit ihnen einigen oder ob wir die Sache einfach zu Ende bringen.“
Das „Wall Street Journal“ berichtete unter Berufung auf US-Beamte, Trump tendiere zu einer Ausweitung des militärischen Vorgehens, habe aber noch keine endgültige Entscheidung über die nächsten Schritte getroffen. Als mögliche Optionen gelten demnach die Ausweitung der Luftangriffe, der Einsatz von Bodentruppen zur Eroberung iranischer Inseln nahe der Straße von Hormus sowie die Bombardierung einer iranischen Atomeinrichtung, die als „Pickaxe Mountain“ bekannt ist.
Mögliche nächste Schritte laut Wall Street Journal
Zugleich würdigte Trump eine Geste des Irans: Eine Ende 2024 inhaftierte US-Bürgerin habe das Land verlassen dürfen und befinde sich in Sicherheit. „Die Vereinigten Staaten von Amerika wissen diese Geste des guten Willens seitens des Irans zu schätzen!“, erklärte er. Details zu der Frau nannte er nicht.
Aus iranischer Sicht gibt es nach den Worten von Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf keinen Grund, an der Mitte Juni ausgehandelten Absichtserklärung mit den USA festzuhalten, wenn der Iran nicht davon profitiere. Sollten die Kampfhandlungen wieder in vollem Umfang aufgenommen werden, drohten „katastrophale Konsequenzen“, warnte er.
Auswirkungen auf Kuwait und den Persischen Golf
Die Auswirkungen des Konflikts reichen inzwischen über den Iran hinaus. In Kuwait fingen die Streitkräfte am Mittwoch nach eigenen Angaben vier Marschflugkörper und 21 Drohnen ab, die in den Luftraum des Landes eingedrungen waren. Damit ist die Region am Persischen Golf unmittelbar in die Auseinandersetzungen hineingezogen.
Die US-Seite verschärfte zudem ihre Seeblockade gegen den Iran. Innerhalb der ersten 24 Stunden leitete die US-Marine zwei Handelsschiffe um, die versucht hatten, die Blockade zu durchbrechen. Während einer früheren Phase der Seeblockade hatte das US-Militär nach eigenen Angaben mehr als 140 Schiffe umgeleitet und neun Schiffe manövrierunfähig gemacht, deren Besatzungen nicht kooperieren wollten.
Aus Israel wurde unterdessen bekannt, dass die Armee im Süden Libanons Häuser gesprengt habe. Israelische und libanesische Unterhändler meldeten zugleich Fortschritte bei Gesprächen über eine mögliche Beilegung des Konflikts an der Nordgrenze Israels. Ob diese Fortschritte mit der breiteren Regionaleskalation in Zusammenhang stehen, blieb offen.
Sanktionen und UN-Reaktion
Die US-Regierung verschärfte die Sanktionen gegen Teheran mit einem weiteren Schritt: Washington verhängte Strafmaßnahmen gegen ein Netzwerk, das der Iran nach US-Angaben zur Waffenbeschaffung nutzt. Damit soll die militärische und rüstungstechnische Versorgung des Landes weiter unterbrochen werden.
UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich „zutiefst besorgt“ von der anhaltenden militärischen Eskalation in der Region. Er rief alle Beteiligten zur Deeskalation und zur Achtung des Völkerrechts auf. Konkrete Schritte der Vereinten Nationen wurden zunächst nicht genannt.
Innenpolitische Stimmung im Iran
Im Iran selbst verschärft die Führung den innenpolitischen Kurs. In Teheran wurde ein Propagandaplakat gezeigt, das Trump im Sarg abbildet. Politiker forderten die Bevölkerung zur Bereitschaft auf, sich auf einen jahrelangen Krieg einzustellen. Zudem wurde eine weitere Hinrichtung nach den Protesten im Iran gemeldet.
Die Gesamtlage in der Region bleibt damit hochgradig instabil. Eng getaktete Angriffe, Drohungen und blockierte Schiffe prägen das Bild einer Eskalation, die laut Beobachtern längst nicht mehr auf den Iran begrenzt ist. „Der Krieg gewinnt wieder an Fahrt und erfasst längst die ganze Region“, heißt es in übereinstimmenden Analysen.
Für die kommenden Tage wird erwartet, dass die US-Regierung über eine Ausweitung der Luftangriffe oder den Einsatz von Bodentruppen entscheidet. Gleichzeitig läuft die Seeblockade gegen den Iran weiter. Ob die laufenden diplomatischen Kanäle – darunter Gespräche zwischen Israel und dem Libanon – die Lage beruhigen können, ist derzeit offen.
Fragen & Antworten
Wie viele Angriffswellen hat das US-Militär am Mittwoch gegen den Iran gestartet?
Nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom startete das US-Militär am Mittwoch zwei Angriffswellen gegen den Iran, von denen eine um 15.00 Uhr US-Ostküstenzeit begann und eine weitere 90-minütige Welle bereits abgeschlossen wurde.
Welche Drohungen hat US-Präsident Trump gegen den Iran ausgesprochen?
Trump drohte, dass „nächste Woche alle Kraftwerke und Brücken zerstört“ würden, sofern der Iran nicht an den Verhandlungstisch komme, und ließ zugleich offen, ob die Sache „zu Ende“ gebracht werde.
Wie reagierte der Iran auf die Angriffe und Drohungen?
Irans Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte, es gebe keinen Grund, an der Mitte Juni ausgehandelten Absichtserklärung festzuhalten, sollten die Kampfhandlungen wieder in vollem Umfang aufgenommen werden, und warnte vor „katastrophalen Konsequenzen“.
USA eskalieren Druck auf Iran: zweite Angriffswelle und | finanz360