Trump droht Iran mit Angriffen auf Kraftwerke und Brücken
Washington/Teheran, 15. Juli 2026
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Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat dem Iran in einem Interview mit Fox News erneut mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur gedroht. Gleichzeitig flog die US-Armee eine weitere, 90-minütige Angriffswelle auf iranische Stellungen, während iranische Revolutionsgarden Ziele in Bahrain, Kuwait und Jordanien beschossen.
Washington/Teheran, 15. Juli 2026
US-Präsident Donald Trump hat dem Iran in einem Fernsehinterview mit dem Sender Fox News erneut mit Angriffen auf Kraftwerke und Brücken gedroht, falls Teheran nicht an den Verhandlungstisch zurückkehre.
"Nächste Woche wird es für sie richtig schlimm, denn nächste Woche sind die Kraftwerke und Brücken dran", sagte Trump in dem Interview. Er fügte hinzu: "Wir werden alle ihre Kraftwerke ausschalten. Nächste Woche sind die Brücken dran". Auf die Frage, wie lange die US-Luftangriffe im Iran andauern werden, antwortete Trump: "Sie werden so lange weitergehen, bis ich sage, dass es genug ist."
Die Drohungen markieren nach Zählung der Deutschen Presse-Agentur mindestens die zehnte öffentliche Drohung Trumps gegenüber dem Iran seit Jahresbeginn. Bereits im April hatte Trump damit gedroht, binnen weniger Stunden alle Brücken und Kraftwerke des Landes zu zerstören. Eine dpa-Recherche im eigenen Archiv förderte seit Januar 2026 mindestens neun weitere Äußerungen zutage, in denen der US-Präsident mit der Vernichtung der iranischen Infrastruktur oder des Landes insgesamt drohte.
Trumps Drohkulisse: Angriffe auf zivile Infrastruktur
Wenige Stunden vor dem Interview hatte das US-Zentralkommando Centcom eine neue, 90-minütige Angriffswelle auf den Iran abgeschlossen. Die Angriffe sollten nach Angaben von Centcom "die iranischen militärischen Kapazitäten weiter schwächen, die für Attacken auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus eingesetzt werden". Die "amerikanischen Streitkräfte seien wachsam, schlagkräftig und einsatzbereit", erklärte das Regionalkommando im Onlinedienst X.
Aus Teheran hieß es, bei dem Beschuss der vergangenen Nacht seien mehr als 260 Menschen verletzt worden. Regierungsangaben zufolge kamen im Süden des Landes in den vergangenen Tagen mindestens 30 Menschen ums Leben. Laut US-Militär begann der Einsatz um 16.00 Uhr US-Ostküstenzeit (22.00 Uhr MESZ). Derzeit seien "mehr als 20 Kriegsschiffe der US-Marine und Hunderte Militärflugzeuge im gesamten Nahen Osten im Einsatz", teilte Centcom weiter mit.
Militärische Eskalation: US-Angriffswelle und iranische Vergeltung
Die USA und Israel hatten den Krieg gegen Iran am 28. Juni begonnen. Mitte Juni hatten die USA und der Iran unter pakistanischer Vermittlung ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das binnen 60 Tagen zu einem finalen Friedensabkommen führen sollte. Nach der Wiederaufnahme der US-Angriffe am Montag warf der iranische Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi den USA vor, mit der neuen Seeblockade und der Wiederaufnahme militärischer Maßnahmen das zwischen beiden Ländern ausgehandelte Rahmenabkommen "demontiert" zu haben.
"Mit der Wiederaufnahme militärischer und aggressiver Maßnahmen gegen die Islamische Republik Iran haben die USA die Absichtserklärung in grundlegender Weise verletzt", sagte Gharibabadi in einem Interview der iranischen Onlineplattform "YJC". Die Vereinigten Staaten seien "der Aggressor, nicht das Opfer", sagte er laut dem staatlichen iranischen Rundfunk.
Als Reaktion auf die US-Angriffe feuerten die iranischen Revolutionsgarden Raketen und Kamikazedrohnen auf Ziele in Bahrain und Kuwait sowie im gut 1.000 Kilometer entfernten Jordanien. Jordanien erklärte nach Angaben der Nachrichtenagenturen, drei iranische Raketen abgeschossen zu haben. Die Revolutionsgarde bekräftigte zugleich, dass die Straße von Hormus gesperrt bleibe, "bis die Vereinigten Staaten ihre Aggressionen beenden".
Straße von Hormus: Blockade und Energie-Drohungen
Die iranische Eliteeinheit der Revolutionsgarden erklärte über die amtliche Nachrichtenagentur Irna, die regionalen Energieexporte würden "entweder von allen geteilt oder allen verwehrt". Die Energieexporte seien "entweder für alle oder für niemanden", hieß es in einer Mitteilung in der Nacht. Damit weitete Teheran seine Drohungen gegen die Nachbarstaaten am Persischen Golf aus.
Die USA hatten am Montag eine Seeblockade gegen iranische Häfen verhängt, bei der 20 Kriegsschiffe der US-Marine im Einsatz sind. Am Dienstag nahm Trump allerdings überraschend von einem zuvor angekündigten Vorhaben Abstand, für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus eine Maut in Höhe von 20 Prozent des Frachtwerts zu erheben. Die USA hätten ursprünglich eine 20-prozentige Gebühr auf Schiffsfracht durch die Meerenge einführen wollen, hieß es.
Diplomatische Krise: Rahmenabkommen unter Druck
Der iranische Vizeaußenminister Gharibabadi warf den USA am Dienstag vor, mit der neuen Seeblockade das zwischen den beiden Ländern ausgehandelte Rahmenabkommen "demontiert" zu haben. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte im Onlinedienst X, sein Ressort habe Vermögenswerte in Höhe von 130 Millionen Dollar (rund 114 Millionen Euro) eingefroren, die "in mehreren digitalen Geldbörsen mit Verbindung zur iranischen Zentralbank" lagerten.
Unterdessen meldete das Nachrichtenportal "Axios", Trump habe am Dienstag eine Krisensitzung abgehalten, um eine massive Offensive gegen den Iran zu besprechen. Bereits in den Nächten zuvor hatte es ähnliche Angriffe gegeben. Im Süden Libanons sprengte die israelische Armee nach Angaben von Berichten weitere Häuser, während aus dem Gazastreifen vier Tote bei einem neuen israelischen Angriff auf eine Klinik gemeldet wurden.
Die USA hatten mit der Wiederaufnahme am Montag angekündigt, dass anderen Ländern ein "fairer und offener" Zugang zur Straße von Hormuz möglich sein soll. Hintergrund ist der seit Wochen schwelende Konflikt um die Kontrolle der für den Welthandel zentralen Meerenge, durch die ein erheblicher Teil des globalen Öltransports fließt. Die iranische Führung hatte wiederholt gedroht, die Straße im Konfliktfall vollständig zu sperren.
Ausblick: Weitere Angriffe und gesperrte Handelsrouten
Aus den iranischen Gesundheitsbehörden hieß es, mehr als 260 Menschen seien seit der neuesten Eskalation durch US-Angriffe verletzt worden. Die Angriffswelle der vergangenen Nacht habe 90 Minuten gedauert, teilte Centcom mit. Die USA flogen demnach Luftangriffe in mehreren Wellen, wobei sich der Einsatz gegen militärische Ziele richtete, die nach US-Angaben für Angriffe auf Handelsschiffe in der Meerenge genutzt werden.
Die Nachricht wurde am 15. Juli 2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur bereitet die US-Regierung unterdessen weitere Angriffe vor, ohne dass ein Ende der Operation absehbar ist. Trump hatte bereits am Vortag mitgeteilt, dass die Angriffe weitergehen würden, "bis ich sage, dass es genug ist".
Internationale Beobachter werten die erneuten Drohungen als Zeichen einer weiteren Eskalationsstufe im Konflikt zwischen Washington und Teheran. Die parallel laufenden diplomatischen Kanäle, darunter die pakistanische Vermittlung, gelten nach Einschätzung von Diplomaten als stark belastet. Eine Rückkehr an den Verhandlungstisch erscheint aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, solange die Kampfhandlungen andauern.
Fragen & Antworten
Was hat Donald Trump dem Iran konkret gedroht?
Trump hat in einem Interview mit Fox News angekündigt, die USA würden in der kommenden Woche alle Kraftwerke und Brücken im Iran zerstören, sofern Teheran nicht an den Verhandlungstisch zurückkehre.
Wie ist die aktuelle Lage in der Straße von Hormus?
Die US-Marine hat mit 20 Kriegsschiffen eine Blockade iranischer Häfen errichtet, während die iranischen Revolutionsgarden die Sperrung der Meerenge angekündigt haben, bis die USA ihre Angriffe einstellen.
Gibt es noch diplomatische Bemühungen zwischen den USA und dem Iran?
Mitte Juni hatten beide Seiten unter pakistanischer Vermittlung ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das binnen 60 Tagen zu einem Friedensabkommen führen sollte; nach der Wiederaufnahme der US-Angriffe am Montag wirft der Iran Washington vor, dieses Abkommen gebrochen zu haben.
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