Trump erklärt Waffenruhe mit dem Iran für beendet – USA fliegen massive Angriffe
Ankara, 08. Juli 2026
Daniel Torok / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat am Rande des Nato-Gipfels in Ankara die Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärt. In der Nacht zuvor hatte die US-Luftwaffe nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran bombardiert, woraufhin Teheran US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait angriff.
US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch am Rande des Nato-Gipfels in Ankara die erst Mitte Juni in Kraft getretene Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärt und zugleich mit neuen Angriffen auf iranische Ziele in der Nacht gedroht.
Trump sagte bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Ankara, die Waffenruhe habe sich für ihn erledigt. „Was mich betrifft, ist sie vorbei“, erklärte der US-Präsident. Zugleich drohte er: „Das US-Militär hat den Iran mit seinen Attacken vergangene Nacht ‚hart getroffen‘ und ‚wir werden sie höchstwahrscheinlich auch heute Nacht wieder hart treffen‘.“
Die Eskalation begann nach Angaben der US-Seite mit iranischen Angriffen auf drei Tanker in der Straße von Hormus. Die US-Armee reagierte nach CENTCOM-Angaben in der Nacht auf Mittwoch mit einer großangelegten Luftschlagwelle, bei der nach US-Angaben mehr als 80 Ziele im Iran bombardiert wurden. Darunter befanden sich laut US-Militär Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Meerenge. Ein anonymer US-Beamter bezeichnete die Angriffe gegenüber dem Sender CNN als „Bestrafung“.
Hintergrund: Angriff auf Tanker als Auslöser
Die iranische Führung wies die US-Darstellung zurück. Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte auf X: „Die Ära der Schikane und Erpressung ist vorbei. Wir knicken nicht ein.“ Die Revolutionsgarden erklärten, sie hätten 85 Ziele an US-Militäreinrichtungen angegriffen, darunter im Bereich der Fifth Fleet vor Bahrain und auf der Ali-Al-Salem-Luftwaffenbasis in Kuwait. Zudem sei eine feindliche Drohne abgeschossen worden. Revolutionsgarden-Kommandeur Mohammed Reza Hasani sei durch Granatsplitter bei einem US-Drohnenangriff in Mahshahr nahe der irakischen Grenze getötet worden, meldete die iranische Staatsagentur Irna.
In Bahrain und Kuwait heulten am Mittwochmorgen die Sirenen. Kuwait erklärte, zwei ballistische Raketen und 13 Drohnen abgefangen zu haben; nach Regierungsangaben wurden durch herabfallende Trümmer mehrere Stromleitungen beschädigt. Das US-Militär bestätigte, dass iranische Streitkräfte die Marinebasis Bandar Salman, den Hauptstützpunkt der Fifth Fleet in Bahrain sowie die Ali-Al-Salem-Luftwaffenbasis in Kuwait angegriffen hätten. In der Hafenstadt Buschehr im Südwesten des Iran, in der sich das einzige zivile Atomkraftwerk des Landes befindet, wurden nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Mehr Explosionen gemeldet.
Wirtschaftliche Folgen: Ölpreis und Sanktionen
Parallel zu den Militärschlägen verhängte die US-Regierung die zuvor ausgesetzten Sanktionen auf iranisches Öl wieder in vollem Umfang. Nach Angaben des US-Finanzministeriums zogen die Ölpreise als Folge deutlich an, zeitweise sprang der Preis um mehr als sechs Prozent. Auch die Aktienmärkte reagierten mit Kursverlusten auf die Nachrichten über das angebliche Ende der Waffenruhe.
Am Nato-Gipfel in Ankara äußerte sich Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu den Angriffen und bezeichnete sie als „absolut notwendig“. Zugleich sagte er, der Iran habe die bestehende Waffenruhe „im Grunde genommen verletzt“. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schrieb auf X, die US- und iranischen Angriffe „verkomplizieren die ohnehin schon heiklen Gespräche zur Beendigung des Krieges zusätzlich“ und nannte die iranischen Attacken auf Bahrain und Kuwait „inakzeptabel“.
Reaktionen am Nato-Gipfel in Ankara
Trump zeigte sich unterdessen ungehalten über die europäischen Bündnispartner. „Ich bin sehr verärgert über die NATO“, sagte er und kritisierte, das Bündnis sei nicht bereit, „uns zu helfen“. Er forderte unter anderem ein Ende der Handelsbeziehungen mit Spanien und würdigte zugleich die Unterstützung Deutschlands, Italiens, Spaniens und der USA bei der Luftverteidigung im Iran-Krieg. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lobte die „entschlossene Haltung“ Trumps bei den Bemühungen um einen dauerhaften Frieden mit dem Iran.
Inhaltlich hatte das vor etwa drei Wochen zwischen Washington und Teheran geschlossene Rahmenabkommen unter anderem die Öffnung der Straße von Hormus durch den Iran, die Aufhebung der US-Blockade der Meerenge sowie die Lockerung einzelner Ölsanktionen, insbesondere für Finanztransaktionen, vorgesehen. Zudem war eine 60-tägige Verhandlungsphase vereinbart worden, in der alle weiteren offenen Punkte geklärt werden sollten. Es sei jedoch unklar, ob diese Frist nach den jüngsten Kämpfen noch gelte, hieß es in Ankara. Der französische Präsident Emmanuel Macron rief am Gipfel zu „viel Gelassenheit, Besonnenheit und Geduld“ auf und betonte, die 60-Tage-Frist stehe.
Das Rahmenabkommen und sein fragiler Status
Trump erklärte die 14-Punkte-Erklärung mit dem Iran für gegenstandslos, schloss aber zugleich weitere Gespräche nicht grundsätzlich aus. „Ich lasse unsere hervorragenden Unterhändler weiterverhandeln, wenn sie das wollen“, sagte er und verwies auf seine Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner. Kurz zuvor hatte Trump in Ankara noch gesagt: „Ich werde unseren wunderbaren Unterhändlern erlauben weiterzureden, wenn sie wollen, aber ich sehe es nicht.“ Zugleich drohte er, der Iran könne entweder einem Abkommen zustimmen oder die USA würden „den Job zu Ende bringen“.
Die iranische Führung lehnt Verhandlungen unter Androhung von Gewalt ab. Außenminister Abbas Araghchi erklärte, solange Drohungen fortbestünden, würden Gespräche über ein endgültiges Abkommen nicht beginnen. Die Revolutionsgarden erklärten, „jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden“. Der Iran drohte zugleich, die Straße von Hormus im Falle weiterer US-Angriffe vollständig für den internationalen Energiehandel zu sperren.
Die Eskalation fällt in eine Phase landesweiter Trauer im Iran. Nach mehrtägigen Zeremonien in Teheran, an denen Millionen Menschen am Begräbniszug des getöteten Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei teilgenommen hatten, fanden am Mittwoch in den Nachbarländern, etwa im Irak, weitere Trauerfeiern statt. Chamenei soll am Donnerstag am Schrein Imam Reza in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden.
Bedeutung der Straße von Hormus
Der Nahost-Experte Guido Steinberg warnte im Gespräch mit tagesschau.de, Trump habe in den vergangenen Wochen gezeigt, „dass er selbst nicht genau weiß, was er eigentlich erreichen will“. Seine jüngste Äußerung „hört sich schon sehr nach einem Ende der Verhandlungen an“. Steinberg rechnet damit, dass der „Schwebezustand zwischen Verhandlungen und immer wiederkehrenden kleineren Scharmützeln anhält“.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist die strategische Bedeutung der Meerenge. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Routen des weltweiten Ölhandels. Teheran hatte in den vergangenen Tagen wiederholt erklärt, nur eine vom Iran vorgegebene Route durch die Meerenge sei sicher. Nach Darstellung der US-Regierung wollte der Iran unter Beweis stellen, dass keine Schiffe die Meerenge ohne vorherige Abstimmung mit iranischen Stellen passieren können.
Die Regierung in Teheran ist nach Einschätzung von Beobachtern auf eine Verbesserung der Wirtschaftslage angewiesen, um ihre Machtbasis zu finanzieren. Trotz erheblicher Preisnachlässe habe der Iran in den vergangenen Monaten kaum zusätzliches Öl verkaufen können, da auch Exporte durch die Straße von Hormus weitgehend blockiert waren. Pakistan hatte zwischenzeitlich zwischen Teheran und Washington vermittelt.
Trump nannte die iranische Führung in Ankara „fiese Typen“ und „Abschaum“. Er sagte, er stehe „schon seit Jahren ganz oben auf ihrer Liste“. Zudem nannte er Gespräche mit Teheran „reine Zeitverschwendung“. Die iranische Führung habe die Vereinbarung gebrochen, so der Vorwurf. Ghalibaf wies dies zurück und verwies auf die US-Militärschläge, neue Ölsanktionen sowie israelische Angriffe auf den Libanon.
Historische Erfahrungen mit brüchigen Waffenruhen
Israel ist nach Angaben aus Jerusalem zwar Kriegspartei, war an den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran jedoch nicht beteiligt. Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz schrieb auf X, die US-Regierung müsse entscheiden, ob ihr ein dauerhaftes Abkommen mit dem Iran oder die Wiederherstellung des Zustands vor dem Krieg wichtiger sei. Ein anonyter israelischer Regierungsmitarbeiter sagte, Trump setze auf eine Rollenverteilung: Er erhöhe den Druck mit scharfer Rhetorik und punktuellen Militärschlägen, lasse den Iranern aber stets eine Brücke für weitere Verhandlungen offen.
Beobachter wiesen darauf hin, dass Waffenruhen in der Region wiederholt brüchig waren. So kam es auch gegen die Feuerpausen zwischen Israel und der Hamas oder der Hisbollah in den vergangenen Jahren wiederholt zu Verstößen. Die Uno-vermittelte Waffenruhe im Jemen ab 2022 blieb trotz wiederholter Gefechte weitgehend in Kraft. ZDF-Korrespondentin Isabelle Schaefers berichtete aus Ankara, Trumps Botschaften dürften es „der Nato und den Europäern sehr schwer machen, diesen Gipfel als großen Erfolg darzustellen“.
Fragen & Antworten
Warum hat Trump die Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärt?
Trump begründete die Aufkündigung am Rande des Nato-Gipfels in Ankara mit dem Verhalten der iranischen Führung, das er als „sehr schlechtes Benehmen“ bezeichnete, und verwies auf iranische Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus als Auslöser der jüngsten US-Militärschläge.
Wie hat der Iran auf die US-Angriffe reagiert?
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, 85 Ziele an US-Militäreinrichtungen in der Region angegriffen zu haben, darunter im Bereich der US Fifth Fleet in Bahrain und auf der Ali-Al-Salem-Luftwaffenbasis in Kuwait; Kuwait meldete zudem Schäden durch herabfallende Trümmer.
Was ist das Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran?
Das vor etwa drei Wochen geschlossene Abkommen sah unter anderem die Öffnung der Straße von Hormus, die Aufhebung der US-Blockade der Meerenge und eine 60-tägige Verhandlungsphase zur dauerhaften Beendigung des Konflikts vor; unklar ist, ob diese Frist nach den jüngsten Kämpfen weiterhin gilt.
Trump beendet Waffenruhe mit Iran – Angriffe auf über 80 | finanz360