USA fliegen zweite Angriffswelle auf Iran binnen 24 Stunden – Trump erklärt Waffenruhe für beendet
Washington/Ankara, 9. Juli 2026
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Kurzfassung
Die USA haben in der Nacht zum Donnerstag eine zweite Welle von Luftangriffen auf den Iran geflogen. Präsident Donald Trump erklärte die erst im April vereinbarte Waffenruhe am Rande des NATO-Gipfels in Ankara für beendet und drohte mit weiteren, noch schärferen Schlägen.
Washington/Ankara, 9. Juli 2026
Die US-Streitkräfte haben in der Nacht auf den 9. Juli 2026 zum zweiten Mal binnen 24 Stunden iranische Ziele angegriffen, nachdem US-Präsident Donald Trump am Rande des NATO-Gipfels in Ankara die Waffenruhe mit Teheran für beendet erklärt hatte.
Die US-Streitkräfte haben in der Nacht zum Donnerstag eine zweite Welle von Luftangriffen auf Ziele im Iran geflogen. Das US-Zentralkommando Centcom teilte am späten Mittwochabend (MESZ) mit: „At the direction of the Commander in Chief, U.S. Central Command forces have started conducting additional strikes against Iran to further degrade their ability to threaten freedom of navigation in the Strait of Hormuz." Insgesamt seien bei den Angriffen auf iranischem Boden etwa 90 militärische Ziele getroffen worden, darunter Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungsanlagen, Raketen- und Drohnendepots sowie Marineeinrichtungen und logistische Infrastruktur entlang der iranischen Küste.
Zweite Angriffswelle binnen 24 Stunden
Auslöser der neuen Eskalation waren Angriffe auf mindestens drei Tanker in der Straße von Hormus, die Washington der iranischen Revolutionsgarde (IRGC) zuschreibt. Die britische Seeverkehrsaufsicht UKMTO bestätigte, dass drei Handelsschiffe von Projektilen getroffen worden seien. Die IRGC wies die Vorwürfe zurück und erklärte nach iranischen Medienberichten, sie habe Anfang Juni Schiffe angegriffen, die sich nicht an die von Teheran vorgegebene Routenführung hielten.
US-Präsident Donald Trump hatte die Waffenruhe bereits am Mittwochnachmittag bei einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Ankara aus seiner Sicht für beendet erklärt. „Ich denke, es ist vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum", sagte Trump am Rande des Gipfels. Auf seinem Online-Netzwerk Truth Social schrieb er: „Dies ist eine Vergeltungsmaßnahme für die gestrigen iranischen Schiffsangriffe. Sollte es erneut passieren, wird es noch viel schlimmer werden!"
Trump erklärt Waffenruhe für beendet
Zugleich behauptete Trump, der Iran wolle weiter verhandeln. „Sie haben vor kurzem angerufen, sie wollen unbedingt ein Abkommen abschließen", sagte er auf dem Rückflug vom NATO-Gipfel nach Washington. Er werde mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über die Verhandlungen mit Teheran sprechen, ließ er offen, schloss Verhandlungen aber nicht aus.
In Ankara hatte Trump zudem angekündigt, die Angriffe könnten sich auch gegen zivile Ziele und die für die iranische Ölindustrie wichtige Insel Charg richten. „Wir werden sie heute Nacht richtig hart treffen", sagte er. Auf Nachfrage, ob der Krieg weitergehen werde, antwortete er: „Das glaube ich nicht." Mit Blick auf das iranische Atomprogramm und das Schiffsabkommen erklärte er es für „reine Zeitverschwendung", sich weiter mit Teheran abzugeben.
Angriffe auf Irans Küste und Inseln
Die iranische Staatsagentur Irna berichtete in der Nacht, bei den Angriffen seien Gebäude am Flughafen der Stadt Iranshahr beschädigt worden. Auch aus der Hafenstadt Buschehr, der Insel Abu Musa im Persischen Golf sowie aus den Orten Konarak, Tschahbahar, Sirik und Bandar-e-Jask wurden Explosionen gemeldet. Irans Luftabwehr habe nach Angaben der Agentur Mehr feindliche Ziele nahe der Stadt Bandar Abbas bekämpft.
Die iranische Revolutionsgarde ihrerseits kündigte Vergeltung an. Sie habe zwei US-Militärbasen in Kuwait und zwei US-Militärbasen in Bahrain mit Drohnen und Raketen angegriffen, hieß es in einer über den staatlichen Sender IRIB verbreiteten Erklärung. In Bahrain und Kuwait heulten in der zweiten Nacht in Folge die Sirenen. Das kuwaitische Militär teilte mit, die Luftabwehr wehre „feindliche Raketen- und Drohnenbedrohungen" ab. Bahrains Innenministerium forderte die Bevölkerung auf, sich in Sicherheit zu bringen.
Vergeltung aus Teheran gegen US-Basen
Nach iranischen Regierungsangaben wurden bei den Angriffen mindestens 14 Menschen getötet, darunter acht Angehörige der iranischen Streitkräfte und ein Feuerwehrmann im Flughafen von Iranshahr. Staatliche iranische Sender berichteten zudem, eine Eisenbahnbrücke in der nordöstlichen Provinz Golestan und eine Brücke bei Aqqala seien getroffen worden.
Die neue Gewalt fällt in die Trauerphase um Irans obersten Führer Ayatollah Ali Khamenei. Dieser war am 28. Februar, dem ersten Tag der Luftangriffe der USA und Israels auf den Iran, durch einen gezielten Luftschlag getötet worden. Die für Donnerstag geplante Beerdigung in seiner Heimatstadt Maschhad nahe dem Imam-Resa-Schrein, den jährlich Millionen Gläubige besuchen, wurde wegen des andauernden Krieges verschoben. Trauerfeiern hatten zuvor bereits in der Hauptstadt sowie in Ghom, Nadschaf und Kerbala stattgefunden.
Hintergrund: Straße von Hormus als Streitpunkt
Hintergrund des Konflikts ist die strategisch bedeutsame Straße von Hormus, durch die ein Großteil des globalen Öl-, Gas- und Düngemittelhandels fließt. Teheran verlangt, dass Schiffe ausschließlich eine Route vor der iranischen Küste nutzen, und hat künftige Passagengebühren nicht ausgeschlossen. Das US-Finanzministerium hatte bereits am Dienstag Sanktionen gegen iranisches Öl wieder in Kraft gesetzt.
Washington und Teheran hatten Mitte Juni ein Rahmenabkommen geschlossen, das die Wiedereröffnung der Meerenge als zentrales Element vorsah. Es enthielt eine 60-tägige Frist für die Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen, in dem es unter anderem um die Zukunft des iranischen Atomprogramms geht. Der Pakistan als Vermittlerstaat rief beide Seiten zur Zurückhaltung auf und forderte sie auf, ihre Verpflichtungen aus dem sogenannten Islamabad-Memorandum of Understanding einzuhalten. UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich „sehr besorgt" und forderte die Rückkehr an den Verhandlungstisch.
Internationale Reaktionen und diplomatische Bemühungen
Irans Chefverhandler Mohammed Bagher Ghalibaf schrieb auf X, Amerika habe „noch immer nicht begriffen, dass Einschüchterung und Wortbruch nicht mehr folgenlos bleiben". „Wenn ihr zuschlagt, werdet ihr selbst getroffen", drohte er. Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte, es werde keine Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen zur Beendigung des Krieges geben, solange die Drohungen andauerten. Der Iran reagierte auf Einschüchterung nicht mit Einschüchterung, sondern mit Taten: „furchtlos und mit großem Mut".
Die Revolutionsgarde kündigte an, ihre Vergeltung auf weitere US-Basen in der Region auszuweiten, sollten die USA erneut angreifen. Der staatliche Sender Press TV teilte mit, Teheran habe den UN-Sicherheitsrat zu sofortigem Handeln aufgerufen. Das Nachrichtenportal Axios berichtete unter Berufung auf US-Regierungskreise, das Weiße Haus bereite sich auf eine mögliche mehrtägige oder gar mehrwöchige militärische Konfrontation mit dem Iran in der Meerenge vor.
Das Institute for the Study of War (ISW) schrieb in einer Lageanalyse, der Iran sei bereit, sich notfalls auf einen umfassenden Konflikt mit den USA einzulassen, um seine Kontrolle über die Straße von Hormus zu sichern. Die russische Regierung warf den NATO-Mitgliedstaaten nach AFP-Angaben „verantwortungslose Entscheidungen vor, die in eine Katastrophe münden könnten" und warnte, europäische NATO-Staaten bereiteten sich „auf einen bewaffneten Konflikt mit Russland" vor.
Die Eskalation trieb die Ölpreise am Donnerstag auf den höchsten Stand seit Wochen. Nach Angaben der UN-Schifffahrtsorganisation könnte die Passage durch die Meerenge weiterhin gefährdet sein. Der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran dauerte nach der Tötung Khameneis mehr als fünf Wochen, bis im April eine Waffenruhe vereinbart worden war – die Trump nun als beendet ansieht.
Trump hatte bei der Pressekonferenz in Ankara zudem mit sprachlichen Aussetzern auf sich aufmerksam gemacht: Aus dem Iran wurde Japan, aus Präsident Selenskyj wurde Präsident Putin. Auf Truth Social veröffentlichte er Fotos und kurze Videos, die angeblich Zerstörungen in iranischen Städten zeigten, nach Recherchen des Netzwerks Open Source Intel aber offenbar kein aktuelles Material darstellten. Trump hatte zudem angekündigt, Syrien von der Liste der staatlichen Terrorunterstützer streichen zu wollen.
Fragen & Antworten
Warum hat US-Präsident Trump die Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärt?
Trump begründete den Schritt am Rande des NATO-Gipfels in Ankara mit iranischen Angriffen auf mindestens drei Tanker in der Straße von Hormus. Diese seien ein eklatanter Verstoß gegen die Waffenruhe, erklärte auch das US-Zentralkommando Centcom.
Welche Ziele wurden bei den US-Angriffen getroffen?
Nach Angaben von Centcom flogen die USA Angriffe auf rund 90 Ziele entlang der iranischen Küste, darunter Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungsanlagen, Raketen- und Drohnendepots, Marineeinrichtungen und militärische Logistik. Irans Staatsmedien berichteten zudem von Schäden an Flughafen, Hafen und Brücken.
Wie hat der Iran auf die neuen Angriffe reagiert?
Die iranische Revolutionsgarde griff nach eigenen Angaben mit Drohnen und Raketen zwei US-Basen in Kuwait und zwei in Bahrain an. Die iranische Führung rief zugleich den UN-Sicherheitsrat an und drohte weitere Vergeltung an, falls die USA erneut zuschlagen.
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