USA fliegen massive Angriffe auf iranische Ziele in der Straße von Hormus und kündigen Ende der Waffenruhe an
Washington/Teheran, 08 Juli 2026
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Kurzfassung
Die USA haben in der Nacht auf Mittwoch nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran angegriffen, darunter Luftabwehrsysteme, Radaranlagen und über 60 Boote der Revolutionsgarden. US-Präsident Donald Trump erklärte am Rande des NATO-Gipfels in Ankara die Waffenruhe mit dem Iran für beendet. Der Iran kündigte Vergeltung an und griff nach eigenen Angaben US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain an.
Washington/Teheran, 08 Juli 2026
Die US-Streitkräfte haben in der Nacht auf Mittwoch nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran angegriffen, darunter Luftabwehrsysteme, Radaranlagen und über 60 Boote der Revolutionsgarden, während US-Präsident Donald Trump am Rande des NATO-Gipfels in Ankara erklärte, die Waffenruhe mit dem Iran sei für ihn beendet.
Ausmaß der Angriffe
Die Angriffe richteten sich nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom gegen Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungsanlagen, Drohnenstellungen und mehr als 60 Boote der iranischen Revolutionsgarden in oder in der Nähe der Straße von Hormus. Wie ein US-Regierungsvertreter gegenüber dem Portal Axios erklärte, seien die Schläge vier- bis fünfmal stärker gewesen als die Angriffe rund eineinhalb Wochen zuvor. Das US-Militär sprach von "massiven Angriffen", die eigenen Angaben zufolge am frühen Mittwochmorgen (MESZ) beendet wurden.
Berichte über Explosionen gab es aus der Hafenstadt Sirik, von der Insel Keschm und aus der Umgebung der Großstadt Bandar Abbas. Der regierungstreue iranische Sender Press TV meldete mehrere Verletzte. Zunächst lagen keine gesicherten Angaben zu Opfern und Schäden vor. Auch war zunächst unklar, ob einige der gemeldeten Vorfälle dasselbe Ereignis betrafen und wer hinter den Angriffen stand.
Auslöser und Vorgeschichte
Auslöser der US-Angriffe war nach Darstellung Washingtons ein vorheriger Beschuss dreier Handelsschiffe in der Straße von Hormus, für den die USA die Führung in Teheran verantwortlich machen. Betroffen waren nach Centcom-Angaben Schiffe unter den Flaggen der Marshallinseln, Liberias und Saudi-Arabiens. Der britische Seeverkehrs-Meldedienst UKMTO meldete, ein Tanker sei von einer Drohne leicht beschädigt worden. Der katarische Flüssiggastanker "Al Rekayyat" erlitt nach Angaben der Besatzung durch ein "unbekanntes Geschoss" besonders schwere Schäden.
Trumps Worte in Ankara
US-Präsident Donald Trump erklärte am Rande des NATO-Gipfels in Ankara die Waffenruhe mit dem Iran für beendet. "Was mich betrifft, ist sie vorbei", sagte Trump. Er bezeichnete die iranische Führung als "Abschaum" und "kranke Leute" und sagte: "Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum." Trump fügte hinzu, Unterhändler "können reden, aber ich glaube, sie verschwenden ihre Zeit". Gleichzeitig rief er zum Teilen harter Worte an die Verbündeten und kritisierte, die NATO-Partner – namentlich auch Deutschland – hätten die USA "nicht gut behandelt".
Der Iran kündigte umgehend Vergeltung an. Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi schrieb auf der Plattform X, der Iran werde "entschlossene Maßnahmen ergreifen, um seine nationalen Interessen und seine Sicherheit zu wahren". Die Revolutionsgarden warnten, jede "Fehlkalkulation" werde "mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden". Gharibabadi verurteilte das US-Vorgehen als "schwerwiegenden Verstoß" gegen das Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges. Auch Außenminister Abbas Araghchi erklärte, solange Drohungen andauerten, würden keine Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen beginnen.
Irans Vergeltung
Die iranische Gegenreaktion folgte nach Angaben des staatlichen Fernsehens noch in derselben Nacht. Revolutionsgarden erklärten, "85 wichtige US-Armeeanlagen" in Kuwait und Bahrain angegriffen zu haben. Nach iranischen Angaben handelte es sich um einen kombinierten Einsatz von Marine und Luftwaffe. Ziel seien das Gebiet der US-Fünften Flotte vor Bahrain und der Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem in Kuwait gewesen. Die USA und Katar machen Teheran für die Angriffe verantwortlich.
In Kuwait schlug die Luftabwehr in der Nacht nach offiziellen Angaben "feindliche Raketen- und Drohnenangriffe" ab. In Bahrain lösten in den frühen Morgenstunden Luftalarme aus. Das Innenministerium in Manama rief die Bevölkerung auf X auf, "Ruhe zu bewahren und sich an den nächstgelegenen sicheren Ort zu begeben", ohne den Grund der Alarmierung zu nennen.
Parallel zu den militärischen Schlägen verschärften die USA den wirtschaftlichen Druck: Das US-Finanzministerium setzte eine rund zwei Wochen zuvor gewährte Ausnahmeregelung bei den Ölsanktionen gegen den Iran erneut außer Kraft. Transaktionen mit iranischem Rohöl, Petrochemie und Erdölprodukten sind damit wieder verboten. Washington hatte die Ausnahme zuvor im Rahmen der Waffenruhe-Vereinbarung erteilt, die Teheran erlaubt hatte, bis mindestens zum 21. August Öl zu produzieren, zu verkaufen und zu liefern.
Auswirkungen auf den Ölmarkt
Der Brent-Ölpreis für die August-Lieferung stieg nach Trumps Äußerungen auf 78,50 Dollar pro Barrel (159 Liter), ein Plus von 5,85 Prozent. Am Dienstag hatte der Preis bereits um drei Prozent zugelegt, nachdem Tanker in der Straße von Hormus unter Beschuss geraten waren. Hintergrund: Zu Beginn des Iran-Krieges Ende Februar war ein Barrel Brent zeitweise auf etwas mehr als 126 Dollar gestiegen, hatte sich dann aber bis Anfang Juli auf 70 Dollar ermäßigt – den niedrigsten Stand seit Kriegsbeginn. Diese Hoffnung auf eine Beilegung des Konflikts steht nun infrage.
Reaktionen von NATO und Verbündeten
NATO-Generalsekretär Mark Rutte bezeichnete die US-Angriffe als "absolut notwendig" und sagte, Iran habe die bestehende Waffenruhe "im Grunde genommen verletzt". Es sei "absolut entscheidend, dass die USA entschlossen reagieren". Bundesaußenminister Johann Wadephul äußerte sich laut Reuters in ähnlicher Weise. Der designierte Vermittler Katar forderte beide Seiten zur Deeskalation auf und verurteilte die iranischen Angriffe auf Kuwait und Bahrain als "unberechtigte Angriffe". Das katarische Außenministerium schrieb auf X, man werde "den Weg des Dialogs und der Diplomatie weiterverfolgen".
Hintergrund: Trauer und Verhandlungslage
Die neue Eskalation fällt in laufende Trauerfeiern für den getöteten iranischen Staatschef Ayatollah Ali Khamenei. Für Mittwoch sind Zeremonien im Nachbarland Irak geplant, bevor Khamenei am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden soll. Iran hatte zuletzt wiederholt erklärt, nur eine eigens ausgewiesene Route durch die Straße von Hormus sei sicher, und gedroht, Schiffe außerhalb dieses Korridors zu beschießen. Teheran beharrt nach Angaben aus den Verhandlungen zudem darauf, dass es keine Rückkehr zur Vorkriegssituation mit freier Durchfahrt der Meerenge geben werde.
Hintergrund des Konflikts ist ein im Vormonat unterzeichnetes Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran, nach dem der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wiederaufgenommen worden war. Zuvor hatten die USA und Israel den Krieg gegen den Iran begonnen; die USA blockierten iranische Häfen, Teheran schloss de facto die Meerenge und beschoss Schiffe. Ein vorläufiges Abkommen sollte intensive Verhandlungen zur Beendigung des Krieges ermöglichen. Streitpunkte sind unter anderem die von Teheran geforderte Aufhebung von Wirtschaftssanktionen sowie von Washington verlangte Beschränkungen des iranischen Atomprogramms. Der genaue Status der Meerenge ist einer der umstrittenen Punkte.
Zum Hintergrund der US-Strategie hieß es aus Washington, US-Präsident Trump habe den Angriffsplan während des laufenden NATO-Gipfels in der Türkei gebilligt, wie der Journalist Barak Ravid unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter auf X berichtete. Centcom teilte mit, die Angriffe beeinträchtigten die Fähigkeit des Iran, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören. Ein US-Offizieller sprach gegenüber CNN von "Bestrafung" und kündigte an, die Angriffe würden noch einige Zeit andauern. Centcom-Kommandeur Brad Cooper erklärte: "Die iranische Aggression war ungerechtfertigt und gefährlich und stellte einen eklatanten Verstoß gegen die Waffenruhe dar." Ein Centcom-Sprecher warnte, der Iran werde "einen hohen Preis zahlen".
Ausblick: Deeskalation oder neue Eskalation?
Der Wissenschaftler Thomas Juneau von der Universität Ottawa schrieb auf X, sowohl Iran als auch die USA wollten derzeit eine Wiederaufnahme des Krieges vermeiden, die Waffenruhe-Bedingungen seien aber extrem vage. Beide Seiten dürften nach gegenseitigen Vergeltungsschlägen bald wieder deeskalieren. Für diesen Hoffnungsschimmer sprach auch, dass Trump sagte, falls seine Unterhändler mit dem Iran reden wollten, lasse er sie gewähren. Die Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen sind inzwischen allerdings blockiert: Solange Iran Vergeltung androhe und die USA die Waffenruhe für beendet erklärten, deutet wenig auf eine rasche diplomatische Lösung hin.
In den kommenden Tagen dürften vor allem zwei Fragen entscheidend werden: Gelingt es Katar oder anderen Vermittlern, beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückzubringen, bevor weitere Eskalationsschritte folgen? Und können die energiepolitischen Folgen – steigende Ölpreise, unterbrochene Lieferketten in der Meerenge – begrenzt werden? Deutsche Seestreitkräfte werden nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium als Option geprüft, um die Straße von Hormus im Rahmen des US-Iran-Abkommens zur Wiedereröffnung der Wasserstraße abzusichern.
Die Botschaft der US-Regierung an Teheran formulierte ein US-Vertreter gegenüber CNN unmissverständlich: wirtschaftliche Erleichterungen werde es nur geben, wenn der Iran seinen Pflichten nachkomme. Das Verhalten Teherans in der Straße von Hormus sei "völlig inakzeptabel". Solange Teheran Vergeltung androht und Washington eine "Bestrafung" ankündigt, bleibt die berühmte Frage aus dem Frühjahr unbeantwortet – ob der Krieg im Nahen Osten nach den jüngsten Bombardements endet oder in eine neue, unerbittliche Runde geht.
Berichte über Opfer oder Schäden lagen zunächst nicht vor. Diese seien unter anderem in den Hafenstädten Sirik und Bandar Abbas sowie auf der Insel Keschm zu hören gewesen. Zeitgleich berichten iranische Medien über mehrere Explosionen im Süden des Landes. Diese drohte mit Vergeltung für die neuen US-Angriffe.
Fragen & Antworten
Welche Ziele haben die USA im Iran angegriffen?
Nach Angaben von US-Central Command wurden Luftabwehrsysteme, Radaranlagen, Küstenüberwachungsanlagen, Drohnenstellungen und mehr als 60 Boote der iranischen Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormus getroffen, insgesamt mehr als 80 Ziele.
Warum hat Trump die Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärt?
Trump erklärte am Rande des NATO-Gipfels in Ankara, die Waffenruhe sei "was mich betrifft" beendet. Zuvor hatten die USA nach eigenen Angaben drei Handelsschiffe in der Straße von Hormus auf das Konto Teherans zurückgeführt und Vergeltungsschläge als "absolut notwendig" bezeichnet.
Wie hat der Iran reagiert?
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, "85 wichtige US-Armeeanlagen" in Kuwait und Bahrain mit Raketen und Drohnen angegriffen zu haben. Vizeaußenminister Gharibabadi sprach von "entschlossenen Maßnahmen" zum Schutz nationaler Interessen und verurteilte die US-Angriffe als "schwerwiegenden Verstoß" gegen das Rahmenabkommen.
USA bombardieren Iran – Trump erklärt Waffenruhe für beendet | finanz360