Trauerfeiern für Ali Khamenei: Millionen strömen nach Teheran – Nachfolger bleibt fern
Teheran, 5. Juli 2026
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Kurzfassung
In Teheran haben am zweiten Tag der offiziellen Trauerfeiern für den getöteten iranischen Machthaber Ayatollah Ali Khamenei zehntausende Menschen am Mosalla-Komplex Abschied genommen. Während Präsident Pezeshkian und hochrangige Geistliche anwesend waren, fehlte der designierte Nachfolger Mojtaba Khamenei.
In Teheran haben am Sonntag, dem zweiten Tag der offiziellen Trauerfeiern, zehntausende Menschen am Mosalla-Komplex Abschied von dem getöteten Ayatollah Ali Khamenei genommen, während sein designierter Nachfolger und Sohn Mojtaba Khamenei weiterhin nicht öffentlich auftrat.
Ayatollah Ali Khamenei stand seit 1989 an der Spitze des klerikalen Systems im Iran. Am 28. Februar wurde er am ersten Tag eines US-israelischen Angriffs bei einem Angriff auf seine Residenz in Teheran getötet. Der Sonntag wurde im Iran zum öffentlichen Feiertag erklärt. In der Teheraner Großmoschee Mosalla versammelten sich Trauernde, um an den Gebeten teilzunehmen. Der Mosalla-Komplex und die umliegenden Straßen waren am Sonntag voller Trauernder.
Die iranische Regierung plant umfangreiche Trauerzeremonien über mehrere Tage hinweg. Laut dem iranischen Regime wird es das «grösste Begräbnis der Welt». Insgesamt rechnen die Behörden in Teheran mit mehr als zehn Millionen Teilnehmern an den Trauerzeremonien. Die Trauerfeierlichkeiten für Khamenei sind auf insgesamt sechs Tage angelegt.
Größte Trauerfeier in der Geschichte?
Die Teheraner Metro-Gesellschaft registrierte nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim im Zusammenhang mit der Trauerfeier seit dem Vortag mehr als sieben Millionen Fahrten. Es blieb zunächst unklar, ob in dieser Zahl auch Rückfahrten enthalten waren. Offizielle Teilnehmerzahlen wurden zunächst nicht bekannt gegeben.
Wegen der erwarteten hohen Temperaturen von mehr als 35 Grad wurden den Trauernden auf ihrem Weg zur Moschee Erfrischungen gereicht. Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur IRNA mussten am Sonntag rund 4000 Menschen am Rande der Zeremonien medizinisch versorgt werden.
Massenandrang bei großer Hitze
Vor der Moschee wurde der mächtige Revolutionsgardenchef Ahmad Wahidi auf dem Weg zur Moschee gesehen, der öffentlich so gut wie nie in Erscheinung tritt. Der iranische Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Baqer Qalibaf und Al-Quds-Befehlshaber Esmail Qaani gehörten ebenfalls zu den Anwesenden.
Anwesend in der Moschee war am Sonntag zudem der iranische Präsident Masoud Pezeshkian. Auch Khameneis drei Söhne Masoud, Mostafa und Mejsam nahmen an den Gebeten teil, sein Sohn und Nachfolger Mojtaba fehlte dagegen.
Prominente Trauergäste
Am heutigen zweiten Tag der öffentlichen Trauerfeiern trat der 97-jährige Großayatollah Jafar Sobhani dabei als Vorbeter auf. Das Staatsfernsehen übertrug die Zeremonie. Sobhani gilt laut Staatsmedien als einer der einflussreichsten Kleriker der Islamischen Republik.
Vor der Moschee wurde der mächtige Revolutionsgardenchef Ahmad Wahidi auf dem Weg zur Moschee gesehen, der öffentlich so gut wie nie in Erscheinung tritt. Anwesend waren auch Al-Quds-Befehlshaber Esmail Qaani und Parlamentspräsident Mohammad Baqer Qalibaf. Damit trat die politische und militärische Führung des Landes geschlossen auf.
Khameneis Leichnam bleibt noch bis Montag in Teherans Mosalla-Komplex aufgebahrt sowie in schiitische Heiligtümer im Nachbarland Irak gebracht werden. Am Dienstag soll der Sarg in die schiitische Gelehrtenstadt Qom gebracht werden, 150 Kilometer südlich der Hauptstadt.
Stationen der Trauer
Der Sarg soll am Dienstag auch zu den Städten Kerbala und Najaf im Irak gebracht werden. Karbala ist der Ort, an dem der schiitische Imam Hussein im Jahr 680 n. Chr. in einer Schlacht gegen den umayyadischen Kalifen Yazid den Märtyrertod fand. Die Stationen verweisen auf die schiitische Identität der Trauerfeiern.
Sein Sarg ist noch bis morgen in der Teheraner Großmoschee Mosalla aufgebahrt. Dann ist ein Trauerzug durch die Hauptstadt geplant. Die Beisetzung ist für Donnerstag in Khameneis Heimatstadt Maschhad im Nordosten Irans vorgesehen.
Khamenei wird in Maschhad zusammen mit seinen getöteten Familienangehörigen beigesetzt. Bei dem Angriff waren mehrere Verwandte Khameneis und weitere ranghohe Vertreter der iranischen Führung getötet worden. Mit dem 86-Jährigen zusammen wurden mehrere seiner Angehörigen und weitere ranghohe Vertreter der iranischen Führung getötet.
Fünf flaggenbedeckte Särge waren auf einem Podium der Großmoschee aufgestellt: Khamenei selbst, sein Schwiegersohn, seine älteste Tochter, Mojtabas Ehefrau und seine 14 Monate alte Enkelin. Khameneis Unterschriften-Turban, der schwarze Turban, wurde auf seinen Sarg gelegt. Auf roten Transparenten war "Rache" oder "Tötet Trump" zu lesen.
Rufe nach Vergeltung
Auf roten Transparenten war "Rache" oder "Tötet Trump" zu lesen. Anhänger der Islamischen Republik skandierten Parolen wie «tötet Trump» oder «Tod für Amerika» und forderten auf Plakaten Vergeltung. Vor der Trauerfeier hatten die iranischen Streitkräfte ihre Feinde gewarnt.
Sein Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei war nicht dabei. Modschtaba Chamenei ist seit dem Tod seines Vaters bei US-israelischen Angriffen am 28. Februar nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Laut iranischen Medien ist für Modschtaba kein öffentlicher Auftritt bei den Trauerfeierlichkeiten geplant.
Mojtaba Khamenei bleibt verschwunden
Er wurde vermutlich bei dem Angriff am 28. Februar verletzt. Aus dem Umfeld Mojtaba Khameneis hieß es, sein Gesicht sei entstellt und er habe schwere Verletzungen an einem oder beiden Beinen davongetragen. Gerüchte über seinen Gesundheitszustand halten sich seit seinem Verschwinden aus der Öffentlichkeit.
Khameneis anschließend zum Nachfolger ernannter Sohn Mojtaba trat bisher nicht öffentlich in Erscheinung. In einer Botschaft zum Jahrestag der Vollendung des «Shahname» erklärte er, die Geschichte des Nationalepos sei die Realität des Lebens der iranischen Nation. Es wird vermutet, dass er im Februar bei dem US-israelischen Luftangriff auf seinen Vater verletzt wurde.
Die Tötung Khameneis nach mehr als dreieinhalb Jahrzehnten an der Macht leitet eine von Unsicherheit geprägte neue Ära in der Islamischen Republik ein. Nach der gewaltsamen Niederschlagung der Massenproteste im Jänner mit tausenden Toten gelten die Trauerfeierlichkeiten für Khamenei als Test, wie stark die Unterstützung für die Führung ist.
Symbolik und Propaganda
Schätzungen zufolge unterstützen höchstens 20 Prozent der rund 93 Millionen Einwohner Irans das Regime. Studien weisen darauf hin, dass sich im Iran wohl nur gerade etwa 30 Prozent der Bevölkerung als schiitische Muslime sehen. Der Slogan, der dieser Tage auf Plakaten steht und über TV-Bildschirme flimmert, lautet «Märtyrerführer Irans» und nicht etwa Führer der islamischen Welt.
Laut dem Nachrichtenportal Axios haben die USA die nach einer vorläufigen Vereinbarung angesetzten Friedensgespräche mit Teheran für eine Woche ausgesetzt. US-Präsident Donald Trump soll erklärt haben, Washington könne alle anwesenden iranischen Führungskräfte mit einem Schlag ausschalten, wolle dies aber nicht tun, weil es dann niemanden mehr gebe, mit dem man verhandeln könne. Frankreich und Großbritannien wollen mit dem Oman zusammenarbeiten, um eine sichere Schifffahrt in der Straße von Hormus zu gewährleisten.
«Durch die Betonung nationaler und nationalistischer Symbole will das Regime die Gelegenheit nutzen, um mehr Anhänger zu gewinnen», sagte die anonym bleibende Politikwissenschaftlerin Fatemeh. Mohammad Khani, Sprecher der Teheraner Stadtverwaltung, erklärte, die Betonung der persischen Tradition solle ausländischen Amtsträgern verdeutlichen, dass die Macht Irans eine historische Tiefe habe. «Die Ideologie wird modernisiert», sagt Reinhard Schulze, der führende Schweizer Islamexperte und emeritierte Professor der Universität Bern.
Die Stadtverwaltung von Teheran will zudem die Nachbildung eines berühmten historischen Reliefs an einem der Eingänge Teherans aufstellen, das Flachrelief von Shapur I., dem Begründer des Neupersischen Reichs. In der heutigen Propagandaversion ist es jedoch der israelische Regierungschef Benjamin Netanyahu, der vor dem persischen König kniet. Am Enghelab-Platz im Zentrum Teherans hing mehrere Wochen ein riesiges Bild von Rostam, dem bedeutendsten Sagenhelden der persischen Mythologie.
Fragen & Antworten
Wer war Ayatollah Ali Khamenei und wie kam er ums Leben?
Khamenei stand seit 1989 an der Spitze des klerikalen Systems im Iran. Er wurde am 28. Februar, am ersten Tag des US-israelischen Angriffs, bei einem Angriff auf seine Residenz in Teheran getötet.
Warum fehlt Mojtaba Khamenei bei den Trauerfeiern?
Mojtaba Khamenei, der Sohn und designierte Nachfolger Ali Khameneis, ist seit dem 28. Februar nicht öffentlich aufgetreten. Laut seinem Umfeld wurde er bei dem Angriff schwer verletzt, sein Gesicht sei entstellt und er habe schwere Verletzungen an einem oder beiden Beinen davongetragen.
Wie geht es nach den Trauerfeiern politisch weiter?
Die Trauerfeiern dauern sechs Tage und gelten als Test für die Unterstützung des Regimes. Nach einer vorläufigen Vereinbarung haben die USA die Friedensgespräche mit Teheran laut Axios für eine Woche ausgesetzt.
Trauerfeier Khamenei: Millionen in Teheran, Nachfolger fehlt | finanz360