Sechs Tage Staatstrauer: Iran bereitet Begräbnis für Ayatollah Khamenei vor
Teheran, 03. Juli 2026
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Kurzfassung
Mit einer sechstägigen Staatstrauer will die iranische Führung am Samstag in Teheran den getöteten Ayatollah Ali Khamenei verabschieden. Die Beisetzung des Obersten Führers ist für Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad geplant.
Die iranische Führung beginnt am Samstag mit einer sechstägigen Staatstrauer für den Ende Februar getöteten Ayatollah Ali Khamenei, dessen Leichnam am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden soll.
Ablauf der Trauerfeierlichkeiten
Die offiziellen Trauerfeierlichkeiten für Ayatollah Ali Khamenei starten am Samstag in Teheran, wie das iranische Staatsfernsehen berichtete. Bereits am Freitag war der Leichnam des Staatsoberhaupts in die Großmoschee Mosalla nahe der Stadt Abbas Abad gebracht worden. Fotos zeigten am Freitag Trauernde, die Chameneis mit der iranischen Flagge bedeckten Sarg in den für große Feierlichkeiten konzipierten Komplex in der Hauptstadt trugen. Auf Gerüsten im Inneren werkeln Arbeiter an einer Metallkonstruktion, wie von den Staatsmedien verbreitete Bilder zeigen.
Khamenei war Ende Februar durch israelische Luftangriffe getötet worden. Er war seit 1989 Oberster Führer und führte fast 37 Jahre die Islamische Republik Iran an. Auf ihn folgte sein Sohn Modschtaba Chamenei. Medien berichten, dass er bei der gezielten Tötung seines Vaters verletzt wurde. Sein Sohn und Nachfolger gilt als schwer verletzt und trat bisher nicht in Erscheinung. Mojtaba Khamenei expressed reservations about the framework agreement with the US but ultimately gave his approval, wie aus Verhandlungskreisen verlautete.
Kurz zuvor waren in Teheran zahlreiche Staatsgäste zu den Trauerfeierlichkeiten empfangen worden. Das iranische Staatsfernsehen zeigte unter anderem, wie Regierungsvertreter aus China, Belarus, dem Irak und Turkmenistan in der Hauptstadt landeten. Russland, China, Indien und Pakistan werden ebenfalls offiziell vertreten sein. Auch Gesandte aus Afghanistan, Armenien und Venezuela sollen an dem Begräbnis teilnehmen. Der pakistanische Ministerpräsident Sharif kündigte ebenfalls seinen Besuch an.
Internationale Gäste und ausgeschlossene Staaten
Europäische Staaten, die USA und Israel wurden nach iranischen Angaben ausdrücklich nicht eingeladen, weil sie sich aus Sicht Teherans «auf der falschen Seite der Geschichte» positioniert hätten. Dies bestätigte auch Außenministeriumssprecher Ismail Baghaei. Insgesamt werden Vertreter aus rund dreißig Ländern zu einer ersten Trauerfeier erwartet, wie der Organisations-Verantwortliche Ali-Akbar Purjamshidian mitteilte.
Bei den Feiern werden mehrere Millionen Menschen erwartet, darunter hochrangige Vertreter der iranischen Regierung und des Militärs. Laut dem Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf erwartet das Regime allein in Teheran zwischen 10 und 20 Millionen Trauernde. Andere Behördenangaben gehen von 15 bis 20 Millionen Menschen in der Hauptstadt aus. Insgesamt werden zu den landesweiten Feierlichkeiten mehrere Millionen Besucher erwartet.
Die Behörden haben umfangreiche logistische Vorbereitungen getroffen. Um die Gäste aus dem In- und Ausland zu beherbergen, wurden in den vergangenen Tagen Teherans Autobahnen in provisorische Parkplätze umgewandelt. Moscheen, Schulen, Sporthallen und Universitäten wurden zu Unterkünften umfunktioniert. Es wird erhebliche Verkehrsbeschränkungen geben; ein riesiger Bereich der Innenstadt wird für Autos gesperrt. Die Vorbereitungen führen schon jetzt zu Staus, da bestimmte Straßen für Lieferfahrzeuge gesperrt wurden.
Von Samstag an sind in der iranischen Hauptstadt drei Tage des Gedenkens vorgesehen. In dieser Zeit wird die Hauptstadt «vollständig geschlossen sein und arbeitsfrei», wie die Behörden angeordnet haben. Aus Sicherheitsgründen will der Iran für mehrere Tage seinen Luftraum sperren. Hunderttausende Einsatzkräfte sollen im Einsatz sein. Zehntausende Sicherheitskräfte wurden in den Großstädten zusammengezogen.
Militärische Drohungen und Sicherheitsvorkehrungen
Die Revolutionswächter sind für die Kontrolle der Menschenmengen in den wichtigsten Städten verantwortlich. Die iranischen Streitkräfte warnten am Freitag vor Angriffen auf den Iran. «Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden. Einer Antwort, die für immer in ihrer Geschichte der Schande verzeichnet bleiben wird», hiess es in einer Erklärung der Revolutionsgarde, die iranische Medien verbreiteten.
Der Sarg Chameneis wurde bereits in der Großmoschee Mosalla nahe der Stadt Abbas Abad aufgebahrt. Riesige Porträts von Ali Khamenei bedecken die Fassade der Mosalla, deren Architektur dem Hauptgebäude einer Moschee entspricht. In der Mosalla werden die großen Freitagsgebete, offizielle Gedenkfeiern und religiöse Versammlungen abgehalten. Der Leichnam Chameneis, der die Islamische Republik Iran fast 37 Jahre lang führte, wird ab Samstag in der Mosalla von Teheran öffentlich aufgebahrt.
In insgesamt fünf Städten sind Trauerzeremonien geplant. Die Zeremonien, die ursprünglich für Anfang März geplant waren, waren wegen des Krieges zunächst verschoben worden. Die Zeremonien dauern bis Montag an. Khameneis Leichnam soll dann in die Pilgerstadt Ghom und in den Irak gebracht werden. Ein Trauerzug wird am 8. Juli durch den Irak und die den Schiiten heiligen Städte Najaf und Kerbala ziehen. Zwei Tage zuvor wird ein Trauerzug durch die heilige Stadt Ghom ziehen.
Beisetzung in Maschhad
Beigesetzt wird Ali Khamenei schließlich am 9. Juli in der heiligen Stadt Maschhad im Nordosten des Iran, seiner Heimatstadt. Offiziell hat das Regime diese Entscheidung mit Sicherheitsrisiken, der Gefahr weiterer Angriffe und logistischen Herausforderungen begründet. Eine Verzögerung von mehreren Monaten ist höchst ungewöhnlich und weicht von der normalen religiösen Tradition ab, erklärt die Iran-Expertin Negar Mortazavi, Senior Fellow am Center for International Policy in Washington. Sie warten schon seit Monaten auf die Möglichkeit, ihn beizusetzen.
Gut vier Monate nach Beginn des Iran-Kriegs und Khameneis Tod inszeniert die politische Führung in Teheran sein Begräbnis als ihren grössten Triumph. Das Regime inszeniert den Trauerakt als Zeichen der Einheit. Ghalibaf rief am Donnerstag zu einer regen Teilnahme an den Trauerfeiern auf, um den Tod Chameneis auf diese Weise zu «rächen». Er lade «das gesamte iranische Volk ein (...), durch eure Anwesenheit ein ruhmreiches Kapitel in der Geschichte des islamischen Iran zu schreiben».
Die Führung will nach innen ebenso wie nach außen Einigkeit und Unterstützung für die Islamische Republik demonstrieren. Ein Ziel der Trauerfeierlichkeiten besteht nach den Worten Purjamshidians darin, «den nationalen Zusammenhalt und die Einheit zwischen den verschiedenen politischen, sozialen und religiösen Komponenten des Landes rund um die zentrale Rolle des Führers zu stärken». Der iranische Vizepräsident Mohammed Reza Aref, der das Begräbnis organisiert, hat es Ende Juni als «das wichtigste Ereignis des 21. Jahrhunderts» bezeichnet.
Inszenierung als Machtdemonstration
Das Exil-Medium «Iran International» berichtet von staatlichen Versuchen, die Bevölkerung zur Teilnahme zu bewegen. Dazu gehören Angebote wie kostenlose Mahlzeiten, Übernachtungsmöglichkeiten und Anreisen per Bus aus ländlichen Gebieten. Gleichzeitig haben sie auch noch Milizen und Anhänger dieses Regimes aus dem Irak nach Teheran geholt - und sie werden die Straßen füllen, wie Natalie Amiri berichtet, die viele Jahre das ARD-Studio in Teheran geleitet hat.
Natalie Amiri zeichnet ein zwiespältiges Bild der Stimmung. Die Menschen im Iran sind sehr verzweifelt. Sie sind in den letzten Monaten wirklich durch die Hölle gegangen. Als sich die Nachricht von seinem Tod verbreitete, kam es in Iran zu spontanen – und riskanten – Jubelfeiern. Viele Iranerinnen und Iraner befinden sich in einem Dilemma: Sie wollen das Regime nicht, aber auch keine weiteren Bomben, berichten Beobachter.
Amiri beschreibt zudem, dass die Menschen Teheran bereits in Richtung Norden verlassen haben: dass die Menschen schon in Richtung Norden losgefahren seien. Die nächsten Tage werden vor allem in Teheran in Bezug auf die Iraner, die dort leben, sehr leer sein. Zehn bis 15 Prozent der Iraner stehen hinter diesem Regime. Das sind nun mal ein paar Millionen, so Amiri weiter. Das wird das Bild sein, das über die Medien rausgeht. Sie werden Einheit suggerieren, sie werden weiter diesen Siegestaumel zeigen, in dem sie sich befinden, weil sie gewonnen haben - weil sie nicht gestürzt wurden.
Stimmung in der Bevölkerung
Gleichzeitig wirft die Inszenierung Fragen zur Machtverteilung auf. «Ayatollah Khamenei war nicht nur Irans oberster Führer, sondern auch eine der einflussreichsten religiösen und politischen Figuren in der schiitischen Welt, mit Anhängern und Verbündeten im gesamten Nahen Osten», erklärt die Iran-Expertin Mortazavi. «International ist das Begräbnis eine Gelegenheit, zu demonstrieren, dass der Staat nach einer beispiellosen militärischen Konfrontation funktionsfähig und in der Lage bleibt, ein nationales Grossereignis zu organisieren», meint Mortazavi.
Auch innenpolitische Machtfragen stehen im Raum. Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf sprach von «einem der prägendsten Momente der Geschichte» des Landes. Er führte die iranische Verhandlungsdelegation bei Gesprächen mit den USA, zunächst in Pakistan, später in der Schweiz. Aussenminister Abbas Araghchi, der einen Doktortitel in Politischer Philosophie aus England erwarb und über Erfahrungen bei den Revolutionsgarden verfügt, unterzeichnete gemeinsam mit Massud Peseschkian das Rahmenabkommen mit Washington zur Beendigung des Krieges.
Machtverhältnisse und Nachfolgefrage
Die Zeremonien sind aber auch eine Gelegenheit, seinen Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei in die Öffentlichkeit einzuführen. Modschtaba Chamenei ist schwächer als sein Vater, heisst es in Analysen. Er war zwar bereits nachgerückt, ist aber seit seiner Ernennung bisher nicht öffentlich aufgetreten. Israel-Iran-Experte Beni Sabti sagte der Nachrichtenagentur AFP: Niemand sollte sich von seinem Auftreten täuschen lassen - er weiß, wie man mit dem Westen redet.
Derzeit gilt eine brüchige Waffenruhe, Washington und Teheran haben sich auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges geeinigt. Mehr als fünf Wochen führten die USA und Israel daraufhin Krieg gegen den Iran, bis sich Vertreter aus Washington und Teheran Anfang April auf eine Waffenruhe einigten. Auch Dutzende iranische Generäle und einflussreiche Politiker wurden getötet. Das Staatsfernsehen widmete große Teile seines Programms in den vergangenen Tagen der Ausstrahlung von Dokumentationen über Khamenei sowie von Warnhinweisen, da die Trauerfeiern bei glutheißen Temperaturen stattfinden werden.
Die Trauerfeierlichkeiten für Ali Khamenei finden sechs Monate nach Massenprotesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten im Iran und gegen die Regierung statt - und vier Monate nach der Tötung des 86-Jährigen bei einem gezielten israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran am 28. Februar. Das Begräbnis gilt als regionales Grossereignis, das Kontinuität, Legitimität und Einfluss darstellen soll. Mit dem Begräbnis von Ayatollah Ruhollah Khomeini, das geschätzt zehn Millionen Teilnehmer anzog, gilt jenes als das grösste Begräbnis in der modernen Geschichte.
Diese Nachricht wurde am 03.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Wer war Ayatollah Ali Khamenei und wie lange stand er dem Iran vor?
Ali Khamenei war seit 1989 Oberster Führer der Islamischen Republik Iran und führte das Land damit fast 37 Jahre lang. Er wurde Ende Februar durch israelische Luftangriffe getötet.
Welche Länder sind zum Begräbnis eingeladen und welche nicht?
Zu den Trauerfeierlichkeiten werden Vertreter aus rund dreißig Ländern erwartet, darunter China, Russland, Indien, Pakistan, Belarus, Irak, Turkmenistan, Afghanistan, Armenien und Venezuela. Europäische Staaten, die USA und Israel wurden nach iranischen Angaben ausdrücklich nicht eingeladen.
Wann und wo soll Khamenei beigesetzt werden?
Die offiziellen Trauerfeierlichkeiten beginnen am Samstag in Teheran und dauern sechs Tage. Nach einer Prozession durch Teheran, Ghom und die irakischen Städte Najaf und Kerbala wird Khamenei am 9. Juli in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt.
Khamenei-Begräbnis: Sechs Tage Trauer im Iran ab Samstag | finanz360