Das Land Steiermark hat erstmals seit der Reform des Jagd- und Naturschutzgesetzes einen Wolf zum Abschuss freigegeben, nachdem das Tier zuvor als sogenannter Schadwolf gemäß der steirischen Wolfsverordnung eingestuft worden war.
Das betroffene Tier war nach Angaben des Landes Steiermark für eine Reihe von Rissen in einer Herde verantwortlich. Die zuständigen Sachverständigen der Abteilung für Land- und Forstwirtschaft kamen zum Ergebnis, dass der Wolf als sogenannter Schadwolf gemäß steirischer Wolfsverordnung einzustufen ist. Das Land Steiermark teilte mit: "Herdenschutzmaßnahmen, die der Viehhalter umgesetzt hat, haben zu keiner Besserung der Situation geführt."
Die Abschussfreigabe gilt laut den vorliegenden Informationen für vier Wochen, bis zum 28. [Datum]. Während dieses Zeitraums darf das Tier entnommen werden. Es handelt sich nach Angaben des Landes um die erste Freigabe dieser Art seit Inkrafttreten der aktuellen Regelung.
Einordnung als Schadwolf
Nach den vorliegenden Fakten ereigneten sich die Risse im Raum Gumpeneck in der Gemeinde Sölk im Bezirk Liezen. Ein betroffener Viehhalter war nach Darstellung des Landes über Wochen hinweg wiederholt mit Übergriffen auf seine Herde und gerissenen Schafen konfrontiert.
Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer sieht in der Entscheidung einen wichtigen Schritt für den Umgang mit dem Wolf in der Steiermark. Sie sagte: "Dass jetzt der erste Wolf in der Steiermark zum Abschuss freigegeben wurde, unterstreicht, dass unsere vielen Schritte hin zu einem praxistauglicheren Prädatorenmanagement im Sinne der heimischen Alm- und Weidewirtschaft Wirkung zeigen." Die Landesrätin gehört der ÖVP an.
Reaktion der Agrarlandesrätin
Mit Blick auf den betroffenen Landwirt ergänzte Schmiedtbauer: "Ich bin froh, dass der betroffene Viehhalter jetzt nicht mehr hilflos zusehen muss, wie seine Herde wiederholt überfallen und Schafe gerissen werden." Das Land verwies zugleich darauf, dass die Einstufung als Schadwolf auf einer Begutachtung durch die Sachverständigen der Abteilung beruht.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der die Steiermark den rechtlichen Rahmen für den Umgang mit Wölfen neu ordnet. Erst kürzlich waren das Jagdgesetz und das Naturschutzgesetz reformiert worden; die Zuständigkeit liegt nun bei der Abteilung für Land- und Forstwirtschaft.
Trotz der nun erfolgten Freigabe kündigte die Landesrätin weitere Anpassungen an. Schmiedtbauer sagte: "Dass jetzt erstmals eine Abschussfreigabe vorliegt ändert aber nichts an unseren Plänen, eine neue, noch bessere Wolfsverordnung auf den Weg zu bringen." Sie verwies darauf, dass es mehr als zwei Jahre gedauert habe, bis nach Inkrafttreten der aktuellen Regelung erstmals eine Entnahmefreigabe umgesetzt werden konnte.
Ausblick auf neue Wolfsverordnung
Aus den vorliegenden Informationen geht nicht hervor, wie viele Tiere insgesamt in dem betroffenen Betrieb gerissen wurden. Auch zur Zahl der dokumentierten Wolfsübergriffe in der Region Sölk in den vergangenen Monaten enthalten die Fakten keine näheren Angaben. Die Abschussfreigabe gilt ausschließlich für das namentlich nicht näher bezeichnete Einzeltier.
Offen bleibt zunächst, ob die neue Wolfsverordnung bereits vor Ablauf der vierwöchigen Frist in Kraft treten soll. Schmiedtbauer sprach lediglich davon, die Verordnung "auf den Weg bringen" zu wollen, ohne einen konkreten Zeitpunkt zu nennen.
In der Steiermark war der Wolf zuletzt Gegenstand intensiver politischer Debatten. Vertreterinnen und Vertreter der Alm- und Weidewirtschaft hatten wiederholt gefordert, den Schutzstatus des Raubtiers zu lockern und schnellere Eingriffsmöglichkeiten zu schaffen. Umweltorganisationen äußerten in der überregionalen Debatte hingegen Bedenken gegen Abschüsse und verwiesen auf den europäischen Schutzstatus.
Die Abschussfreigabe gilt nach den vorliegenden Angaben ausdrücklich nur für das eine als Schadwolf eingestufte Tier. Weitere Wölfe in der Region sind von der Freigabe nicht erfasst, wie aus den Fakten hervorgeht.
