Schufa unter Druck: Kritik an zweiter Datenbank mit jahrealten Verbraucherinformationen
Wiesbaden, 15. Juli 2026
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Kurzfassung
Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung zeigen, dass die Schufa in Wiesbaden neben ihrer offiziellen Datenbank eine zweite Sammlung 'historischer' Zahlungsdaten unterhält. Verbraucherschützer und Datenschutzexperten sehen darin einen möglichen Verstoß gegen Löschfristen und das Datensparsamkeitsprinzip der DSGVO.
Die Wirtschaftsauskunftei Schufa hält nach Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung neben ihrer offiziellen Datenbank eine zweite Sammlung 'historischer' Zahlungsdaten von Millionen Menschen vor, die teils bis zu zehn Jahre alt sind – und sieht sich dafür wachsender Kritik von Verbraucherschützern, Datenschützern und einem laufenden Verfahren des Hessischen Landesdatenschutzbeauftragten ausgesetzt.
Recherche deckt zweite Datensammlung auf
Im Zentrum der Debatte steht eine zweite, bislang kaum bekannte Datensammlung der Schufa in Wiesbaden. Nach den Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung werden dort 'historische' Zahlungsdaten von Verbraucherinnen und Verbrauchern gespeichert – teils bis zu zehn Jahre alt –, obwohl die meisten Betroffenen davon ausgegangen waren, dass diese Informationen längst gelöscht wurden.
Wie das Unternehmen auf Anfrage bestätigte, werden diese zusätzlichen Daten benötigt, um neue Verfahren zur Risikoberechnung abzusichern und zu überprüfen. Die Schufa argumentiert, dass die Speicherung ausschließlich Test- und Kontrollzwecken diene und die Daten deshalb aufbewahrt werden müssten.
Datenumfang und Betroffene
Die Schattendatenbank betrifft nach Einschätzung des Unternehmens nahezu jeden Konsumenten, zu dem schon einmal eine Auskunft eingeholt wurde. Insgesamt speichert Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei Daten von mehr als 68 Millionen Menschen, wie Recherchen ergaben.
Aus den hinterlegten Daten berechnet die Schufa unter anderem sogenannte Test-Scores, die sie an Firmenkunden weitergibt – darunter auch an Nicht-Banken wie Energieversorger und Telekommunikationsanbieter. Wie der Wert zustande kommt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, ist nach Angaben von Experten ein gut gehütetes Geschäftsgeheimnis der Auskunfteien.
Kritik von Verbraucherschützern und Datenschützern
Claudio Zeitz-Brandmeyer vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) äußerte Zweifel an der Darstellung des Unternehmens: 'weil es für die Unternehmen, die diese Daten bekommen, sehr verlockend ist, diese Daten nicht nur für Testzwecke zu verwenden, sondern sie auch tatsächlich beispielsweise für Kreditentscheidungen heranzuziehen'.
Mehrere Experten erinnern an gesetzliche Löschfristen und den in der DSGVO verankerten Grundsatz der Datensparsamkeit. Sie kritisieren, dass die Kunden bisher gar nicht wissen, dass diese älteren Daten über sie gespeichert werden, und sehen darin ein strukturelles Transparenzproblem.
Schufa und beauftragter Experte weisen Vorwürfe zurück
Die Schufa vertritt die Ansicht, dass sie die historischen Daten zu den genannten Zwecken verwenden darf, und beruft sich auf gesetzliche Vorschriften. Auch Tim Wybitul, ein von der Schufa beauftragter Datenschutzexperte, wies die Vorwürfe zurück: 'Die Vorwürfe gegen die Schufa treffen nicht zu. Daten sind zu löschen, wenn sie für die Zwecke ihrer Verarbeitung nicht mehr benötigt werden. Allerdings dienen die Tests der Überprüfung der Richtigkeit der Scores. Das ist ein wichtiger und legitimer Zweck.'
Der Konzern erklärte zudem, die Berechnung eines Scores für einen in der Vergangenheit liegenden Zeitpunkt – die sogenannte Score-Anreicherung – erfolge ausschließlich in der Umgebung der Schufa. Unternehmen hätten keinen eigenständigen Zugriff auf Schufa-Daten, die Vergleichstests fänden ausschließlich bei der Bankenaufsicht BaFin statt, sodass Datendetails nicht an Kunden weitergegeben werden könnten.
Inhalt der gespeicherten Altinformationen
Inhaltlich geht es um Daten wie vermutete alte Kredite und Kreditkarten, Pfändungen und Privatinsolvenzen sowie Schulden, die die Betroffenen oft schon vor Jahren beglichen haben. Verbraucherinnen und Verbraucher erfahren nach Darstellung der Kritiker nichts davon, dass diese sensiblen Altinformationen weiterhin im Hintergrund gehalten und für die Berechnung von Test-Scores herangezogen werden.
Verbraucher können ihren Schufa-Score kostenfrei einsehen. In der Vergangenheit hatte es allerdings immer wieder Kritik am Schufa-Score gegeben: Verbraucher beschwerten sich über schlechte Bewertungen, die sie sich nicht erklären konnten oder die auf falschen Daten beruhten.
Im März des laufenden Jahres hatte die Schufa zudem eine neue Berechnungsmethode eingeführt, die auf zwölf Kriterien basiert. Zu den Faktoren zählen unter anderem das Alter des ältesten Bankkontos und der ältesten Kreditkarte, das Vorliegen von Zahlungsstörungen sowie der Status von Krediten.
Behördliche Prüfung und laufende Verfahren
Mittlerweile befasst sich auch der Hessische Landesdatenschutzbeauftragte mit der Sache. Er klärt gerade in einem Hinweisverfahren, ob die Schufa Verbraucher über die Speicherung informieren muss. Die Behörde lehnte eine Stellungnahme ab und verwies auf das laufende Verfahren.
Unabhängig davon sind vor dem Bundesgerichtshof weiterhin Gerichtsverfahren gegen ältere Schufa-Scoring-Methoden anhängig. Beobachter werten die aktuelle Debatte als weiteren Beleg dafür, dass die Praxis der Auskunfteien auf den Prüfstand gehört.
Bedeutung für Verbraucherinnen und Verbraucher
Peter Hornung, der über die Hintergründe der Schufa-Datenspeicherung berichtet, bringt die Kritik auf den Punkt: Die Speicherung 'teilweise auch überholter' Daten werfe die grundsätzliche Frage auf, ob die Schattendatenbank mit geltendem Recht vereinbar ist. Verbraucherschützer fordern, dass die Auskunftei die Betroffenen umgehend über die zusätzliche Speicherung informiert und nicht mehr benötigte Altdaten löscht.
Die Schufa-Scores haben unmittelbare Auswirkungen auf den Alltag vieler Menschen: Sie entscheiden darüber, ob jemand einen Handyvertrag erhält, einen Mietvertrag abschließen kann oder einen Kredit bekommt. Angesichts der Tragweite dieser Bewertungen halten Kritiker eine breite gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit historischen Finanzdaten für überfällig.
Fragen & Antworten
Was genau ist die Schattendatenbank der Schufa?
Nach Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung unterhält die Schufa in Wiesbaden neben ihrer offiziellen Datenbank eine zweite Sammlung 'historischer' Zahlungsdaten von Millionen Menschen, deren Einträge teils bis zu zehn Jahre alt sind.
Wer kritisiert die Praxis der Schufa?
Claudio Zeitz-Brandmeyer vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sowie weitere Datenschutzexperten äußern Zweifel und verweisen auf gesetzliche Löschfristen und den Grundsatz der Datensparsamkeit in der DSGVO.
Welche Konsequenzen drohen der Schufa?
Der Hessische Landesdatenschutzbeauftragte prüft in einem Hinweisverfahren, ob die Schufa Verbraucher über die Speicherung informieren muss; parallel sind vor dem Bundesgerichtshof Verfahren gegen frühere Schufa-Scoring-Methoden anhängig.
Schufa Schattendatenbank: Kritik an alter Datenbank 2026 | finanz360