Jens Spahn (CDU) ist am Samstag, dem 19. Juli 2026, nach massivem Druck aus den eigenen Reihen und auf Drängen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) als Vorsitzender der Unionsfraktion zurückgetreten, nachdem seine private Entscheidung zu einer Vaterschaft durch Leihmutterschaft öffentlich geworden war.

Rücktritt nach 14 Monaten im Amt

Jens Spahn (46) erklärte seinen Rücktritt am Samstagnachmittag mit einem Schreiben, in dem er den Schritt als "richtig und unvermeidlich" bezeichnete. Er habe erkannt, dass "der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion größer geworden" sei, als er erwartet habe. Zugleich kritisierte Spahn eine "zunehmende Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung" und appellierte daran, "bei aller Klarheit und Entschiedenheit in der Sache immer auch menschlich im Ton" zu bleiben.

Spahn war im Mai 2025 mit einem Ergebnis von 91,3 Prozent zum Fraktionsvorsitzenden gewählt worden, galt aber spätestens seit dem Sommer wieder als angeschlagen. Ihm war vorgeworfen worden, die Fraktion in einer Reihe von Krisen nicht ausreichend geführt zu haben – von der gescheiterten ersten Wahl von Friedrich Merz zum Kanzler über die gescheiterte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Bundesverfassungsrichterin bis zum Aufstand der Jungen Union in der Pensionspolitik.

Der Auslösung des endgültigen Sturzes ging ein Interview voraus, das Spahn dem "Bild"-Reporter Paul Ronzheimer gegeben hatte. Darin hatte er offen über die Vaterschaft durch eine Leihmutterschaft gesprochen und gesagt: "Ich habe lange mit mir gerungen, auch was das Thema Leihmutterschaft angeht. Aber eben über dieses Ringen und sich mit dem Thema beschäftigen, haben wir uns für diesen Weg entschieden." Mit der Empörung in der eigenen Partei habe er "nicht in diesem Umfang" gerechnet, räumte er ein.