Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, ist am Samstag mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten, nachdem die Debatte um die Geburt seines Kindes durch eine Leihmutter in den USA die Union in eine schwere Glaubwürdigkeitskrise gestürzt hatte.

Rücktrittserklärung und Begründung

In einem am Samstag an die Mitglieder der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gerichteten Schreiben, das mehreren Nachrichtenagenturen vorlag, erklärte Spahn seinen Rücktritt. Er habe die Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, zuvor über seinen Schritt informiert. Spahn begründete die Entscheidung mit dem wachsenden Spagat zwischen seiner privaten Lebenssituation und den an ihn als Fraktionsvorsitzenden gerichteten Erwartungen. Wörtlich schrieb er: „Denn der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion ist größer geworden, als ich es erwartet hatte."

Bereits am Mittwoch war öffentlich geworden, dass Spahn und sein Ehemann Daniel Funke mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Eltern eines Kindes namens Georg geworden waren. Die Nachricht hatte in der Union eine Welle der Kritik ausgelöst, da die CDU Leihmutterschaft klar ablehnt und auf ihrem Bundesparteitag im Februar erneut ein Verbot bekräftigt hatte. Spahn selbst hatte sich als Gesundheitspolitiker und später als Bundesgesundheitsminister wiederholt gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft ausgesprochen. In einer GQ-Umfrage aus dem Jahr 2015 hatte er als damaliger gesundheitspolitischer Sprecher der Unionsfraktion erklärt: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden."