Paketabgabe in Österreich kostet ab Oktober bis zu 2,40 Euro pro Sendung
Wien, 10. Juli 2026
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Kurzfassung
Die umstrittene österreichische Paketabgabe wird ab Oktober inklusive 20 Prozent Mehrwertsteuer bis zu 2,40 Euro pro Paket kosten. Das Finanzministerium rechnet mit Einnahmen von 280 Millionen Euro pro Jahr, die unter anderem eine Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel finanzieren sollen.
Die österreichische Paketabgabe wird ab Oktober inklusive 20 Prozent Mehrwertsteuer bis zu 2,40 Euro pro Sendung kosten und trifft laut Handelsverband 16 große Online-Händler und Marktplätze wie Amazon, Otto und Temu.
Die umstrittene österreichische Paketabgabe ist nun amtlich beziffert: Ab Oktober wird die Abgabe inklusive 20 Prozent Mehrwertsteuer insgesamt bis zu 2,40 Euro pro Paket betragen. Das berichtete zuerst die "Kronen Zeitung". Damit wird die ursprünglich mit zwei Euro kommunizierte Belastung für Verbraucherinnen und Verbraucher durch die Steuer höher ausfallen als zunächst angenommen.
Höhe und Berechnung der Abgabe
Das Finanzministerium begründet die Höhe der Abgabe mit EU-rechtlichen Vorgaben. "Das ist eine EU-rechtliche Vorgabe und kein Spezifikum der Paketsteuer", hieß es aus dem Ministerium zur "Krone". "Für die Paketabgabe gelten die Regeln des Umsatzsteuerrechts." Die Abgabe wird daher wie eine reguläre Steuer behandelt und unterliegt dem vollen Mehrwertsteuersatz.
Die Paketabgabe gilt künftig für große Online-Händler mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Laut Handelsverband werden insgesamt 16 Online-Händler und -Marktplätze direkt betroffen sein, darunter Amazon, Otto und Temu. Indirekt von der Abgabe wären auch rund 4.000 österreichische Händler betroffen, die ihre Waren über Online-Marktplätze verkaufen.
Betroffene Unternehmen und Händler
Für Bücher gilt in Österreich weiterhin ein ermäßigter Umsatzsteuersatz von 10 Prozent. In diesem Fall wird die Paketabgabe inklusive Mehrwertsteuer "nur" 2,20 Euro betragen. Damit fällt die Zusatzbelastung bei Buchbestellungen geringer aus als bei anderen Waren.
Das Finanzministerium geht von einem jährlichen Aufkommen aus der Paketsteuer von 280 Millionen Euro aus. Diese Einnahmen sollen unter anderem eine geplante Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel ab dem 1. Jänner 2027 finanzieren. Damit soll die Belastung der Konsumentinnen und Konsumenten beim täglichen Einkauf gemildert werden.
Verwendung der Einnahmen
Die NEOS haben der Abgabe nach eigenen Angaben "aus Koalitionsräson" im Nationalrat zugestimmt. Gleichzeitig übt die Regierungspartei weiterhin Kritik an der Ausgestaltung der Steuer. NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos sagte der "Krone": "Wir appellieren aber weiterhin an die SPÖ, die laute Kritik und die Bedenken der Branche ernst zu nehmen und den Wunsch nach einer Paketsteuer noch einmal zu überdenken."
Die SPÖ, die die Paketabgabe maßgeblich vorangetrieben hat, sieht sich damit aus dem eigenen Regierungslager mit Kritik konfrontiert. Die NEOS fordern die Sozialdemokraten auf, die Bedenken der Handelsbranche stärker zu berücksichtigen und die Steuer gegebenenfalls zu überarbeiten.
Kritik aus der Wirtschaft
Im parlamentarischen Begutachtungsverfahren zur Paketabgabe fiel der Großteil der Stellungnahmen kritisch aus. Die Wirtschaftskammer, der Handelsverband und zahlreiche Logistikunternehmen hatten Bedenken gegen die geplante Abgabe geäußert. Sie befürchten Wettbewerbsnachteile für heimische Händler und steigende Preise für Endkundinnen und Endkunden.
Otto-Österreich-Chef Harald Gutschi, der als scharfer Kritiker der Paketsteuer gilt, hatte bereits im Juni darauf hingewiesen, dass die Paketabgabe inklusive Mehrwertsteuer bis zu 2,40 Euro ausmachen werde. Er sieht darin eine erhebliche Belastung für den Online-Handel in Österreich und warnt vor einer Abwanderung von Käuferinnen und Käufern zu ausländischen Anbietern.
Auswirkungen auf Verbraucher
Die Kritiker argumentieren, dass die Paketabgabe letztlich von den Konsumentinnen und Konsumenten getragen werde, da die Händler die Zusatzkosten in ihre Preise einpreisen dürften. Befürworter hingegen sehen in der Abgabe ein wirksames Instrument, um die Wettbewerbsbedingungen zwischen heimischem Handel und internationalen Online-Riesen anzugleichen.
Mit der Paketabgabe verfolgt die Regierung das Ziel, faire Wettbewerbsbedingungen im Handel zu schaffen und gleichzeitig zusätzliche Einnahmen für die Budgetkonsolidierung zu generieren. Die Einnahmen von 280 Millionen Euro pro Jahr sind ein wesentlicher Bestandteil der finanziellen Planung der Regierung.
Die Einführung der Paketabgabe ab Oktober 2026 gibt den betroffenen Unternehmen nur wenige Monate Zeit, ihre Systeme und Preisgestaltung anzupassen. Branchenvertreter fordern eine längere Vorbereitungszeit und klare Durchführungsbestimmungen, um Rechtsunsicherheiten zu vermeiden.
Offene Fragen zur Umsetzung
Unklar ist bisher, wie die Abgabe administrativ erhoben werden soll. Offene Fragen betreffen die Meldepflichten der Händler, die Abwicklung über die Finanzbehörden und mögliche Übergangsregelungen für bestehende Verträge zwischen Marktplätzen und Händlern.
Die endgültige Ausgestaltung der Paketabgabe wird in den kommenden Wochen erwartet. Die NEOS haben angekündigt, das Thema weiterhin kritisch zu begleiten und sich für Nachbesserungen einzusetzen. Ob es zu Änderungen an der Steuer kommen wird, bleibt abzuwarten.
Fest steht, dass die Paketabgabe ab Oktober 2026 in Kraft treten wird. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet dies, dass Bestellungen bei großen internationalen Online-Händlern spürbar teurer werden können. Die tatsächlichen Auswirkungen auf das Bestellverhalten und den heimischen Handel werden sich erst nach Inkrafttreten zeigen.
Die Diskussion um die Paketabgabe ist Teil einer breiteren Debatte über die Besteuerung der digitalen Wirtschaft. Österreich folgt mit dieser Maßnahme einem internationalen Trend, wonach große Online-Plattformen stärker zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben herangezogen werden sollen.
Fragen & Antworten
Wie hoch ist die Paketabgabe in Österreich ab Oktober 2026?
Die Paketabgabe wird ab Oktober 2026 inklusive 20 Prozent Mehrwertsteuer bis zu 2,40 Euro pro Sendung betragen. Für Bücher mit ermäßigtem Mehrwertsteuersatz von 10 Prozent fällt die Abgabe mit 2,20 Euro etwas geringer aus.
Welche Unternehmen sind von der Paketabgabe betroffen?
Betroffen sind große Online-Händler mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro. Laut Handelsverband trifft die Abgabe direkt 16 Online-Händler und Marktplätze wie Amazon, Otto und Temu sowie indirekt rund 4.000 österreichische Händler.
Wofür sollen die Einnahmen aus der Paketsteuer verwendet werden?
Das Finanzministerium rechnet mit jährlichen Einnahmen von 280 Millionen Euro. Diese sollen unter anderem eine geplante Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel ab dem 1. Jänner 2027 finanzieren.
Paketabgabe Österreich: Bis zu 2,40 Euro ab Oktober | finanz360