Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) hat in einer Analyse dargelegt, dass die Schließung der geschlechtsspezifischen Lohnlücke nicht nur ein Gleichstellungs-, sondern auch ein fiskalisches Anliegen ist und Milliarden an Steuern sowie Sozialversicherungsbeiträgen freisetzen könnte.
Zwei Szenarien, zwei Summen
Die am Wochenende veröffentlichte ÖGB-Untersuchung arbeitet mit zwei Szenarien, die den Effekt einer Schließung des Gender-Pay-Gap auf den öffentlichen Haushalt simulieren. Im ersten Szenario wird der unbereinigte Lohnunterschied pro Arbeitsstunde vollständig geschlossen, im zweiten Szenario werden ausschließlich jene Lohndifferenzen berücksichtigt, die sich nicht durch Branchen, Berufe, Arbeitszeiten, Alter oder andere Merkmale erklären lassen.
Im ersten Szenario wurde der unbereinigte Gender-Pay-Gap von 16 Prozent vollständig auf die Frauenlöhne addiert. Die Berechnungen ergeben, dass Staat und Sozialversicherung in diesem Fall um neun Milliarden Euro zusätzlich gefüllt würden. Die Differenz zu Männern wurde dabei nicht um eine statistisch höhere Teilzeitquote von Frauen bereinigt.
Im zweiten Szenario, das nur den nicht erklärbaren Teil der Lohnlücke abbildet, würden Frauen im Durchschnitt 10,2 Prozent mehr verdienen, was netto rund 221 Euro pro Monat entspricht. Für den öffentlichen Haushalt bedeutet dieses Szenario Mehreinnahmen von 5,4 Milliarden Euro pro Jahr.
