ÖFB gegen Argentinien: Oesen-Plan ohne Messi-Sitzung | finanz360
ÖFB-Assistent Oesen lehnt eigene "Messi-Sitzung" ab und setzt auf kollektive Defensive
Dallas, 20 Juni 2026
AI-generated image (flux-2/pro-text-to-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Österreichs Teamchef-Assistent Stefan Oesen hat eine eigene Trainingssitzung nur zu Lionel Messi vor dem WM-Duell mit Argentinien ausgeschlossen. Statt Manndeckung soll die Defensive in Mehrkampfsituationen und Überzahl den Weltmeister gemeinsam stoppen. Nach dem 3:1 gegen Jordanien reist das ÖFB-Team mit drei Punkten im Rücken nach Dallas.
Dallas, 20 Juni 2026
Vor dem WM-Gruppenspiel gegen Argentinien am Montag (19:00 MESZ) in Dallas hat Österreichs Teamchef-Assistent Stefan Oesen eine eigene taktische Sitzung zu Lionel Messi ausgeschlossen und stattdessen einen kollektiven Defensivansatz mit Mehrkampfsituationen angekündigt.
Österreichs Fußball-Nationalteam geht mit Rückenwind in das zweite Gruppenspiel der Weltmeisterschaft. Nach dem 3:1-Auftaktsieg gegen Jordanien steht das ÖFB-Team vor einer deutlich höheren Hürde: Am Montag wartet Titelverteidiger Argentinien, der sein erstes Match gegen Algerien mit 3:0 gewann. Drei Tore davon erzielte Lionel Messi, der damit im Ranking der WM-Rekordtorschützen zu Miroslav Klose aufschloss.
Teamchef-Assistent Stefan Oesen, zuständig für Standardsituationen im Betreuerstab von Ralf Rangnick, erläuterte am Freitag die Vorbereitung auf den Weltmeister. Eine eigene "Messi-Sitzung" werde es nicht geben, sagte der 41-jährige Sportwissenschafter: "Es wird keine Sitzung über Lionel Messi geben." Statt den Fokus auf den argentinischen Kapitän zu verengen, bereite sich die Mannschaft auf die gesamte argentinische Mannschaft als Kollektiv vor.
Kollektiv statt Spezialsitzung
Dabei ist Oesen die besondere Gefahr, die von dem bald 39-Jährigen ausgeht, durchaus bewusst. "Wenn er einen freien Fuß hat 25 Meter aufwärts, ist es fast wie ein Elfer", warnte Oesen. Die "rote Zone" vor dem eigenen Tor müsse gegen Messi abgesichert werden, freie Schüsse seien zu verhindern. "Die eine oder andere Situation wird er kriegen. Da müssen wir versuchen, eng am Mann zu sein und den freien Schuss zu verhindern."
Gänzlich ausschalten lässt sich Messi aus Sicht des Assistenzcoaches ohnehin nicht. Manndeckung habe gegen ihn "überhaupt keinen Sinn, weil er überall auf dem Feld ist. Er überlagert im Zentrum, dann lässt er sich fallen". Stattdessen plädierte Oesen für ein anderes Prinzip: "Mehrkämpfe herstellen, damit du als Einzelner mehr Risiko im Duell nehmen kannst, weil du weißt, es kommt noch ein Zweiter dazu."
Mehrkämpfe als Schlüssel
Hinter diesem Ansatz steht die Beobachtung, dass sich Messis Spielstil verändert hat. "Ich finde, dass er nicht mehr so wie in seiner ersten Barcelona-Zeit extrem viel ins Dribbling geht, sondern 'give and go' macht und sich in der Roten Zone so positioniert, dass er zu seinen Abschlüssen kommt", analysierte Oesen. Der argentinische Superstar sei demnach weniger Einzelkünstler als Taktgeber, der über Kombinationen in Abschlusspositionen kommt.
Eine zusätzliche Gefahr sieht Oesen in Messis Verhalten gegen den Ball. Der argentinische Stürmerstar beteilige sich kaum an Defensivarbeit, was ihn im Moment des Ballverlusts zur Konterwaffe mache. "Dadurch ist er extrem gefährlich, weil er in dem Moment, in dem du den Ball verlierst, eine perfekte Umschaltposition einnimmt. Er bildet fast so etwas wie den Restangriff." Wer den Ball habe, müsse daher stets im Hinterkopf behalten, dass Messi bei eigenem Ballverlust "in einer extrem guten Position" lauere.
Umschaltspiel als Trumpf
Diese Eigenschaft passe allerdings grundsätzlich in das, was Österreich auszeichne, betonte Oesen. Das Team von Rangnick definiere sich über Räume und Umschaltmomente, wie die Auftritte bei der EM 2024 gegen Frankreich und die Niederlande gezeigt hätten. "Man hat schon bei der EM gegen Frankreich und die Niederlande gesehen, dass es uns liegt, wenn es Räume und Umschaltsituationen gibt. Darüber definieren wir uns ja auch", sagte Oesen. Auch die jüngste Vorgabe, in den jeweiligen Zonen nah am gegnerischen Spielmacher zu stehen, mit dem Rücken zum Tor und "wenn möglich in Überzahl", passe in dieses Bild.
Im argentinischen Auftaktspiel gegen Algerien sei deutlich geworden, wie stark der Weltmeister das Zentrum bespiele und mit Pässen in die Tiefe überrumpele. Gelingt es den Österreichern, Argentinien vom Ballbesitz abzuhalten, ergeben sich Räume für eigene Umschaltangriffe. Anders als Jordanien, das im ersten Match vor allem über die Flügel agierte, suche Argentinien aktiv die Spielkontrolle, was dem ÖFB-Team zusätzliche Gelegenheiten für Konter eröffne. "Ein weiterer Vorteil sind die drei Punkte auf dem Konto und die Tatsache, dass Österreich diesmal im Gegensatz zum Jordanien-Spiel (3:1) als krasser Außenseiter gilt."
Argentinisches Mittelfeld im Fokus
Mit Blick auf die Defensive deutete Oesen zudem einen Systemwechsel an. "Diesmal trifft Österreich auf eine Vierer-Abwehr und nicht auf eine Fünfer-Kette." Welche Formation in der eigenen Hälfte genau aufgeboten werde, ließ er dabei offen. Auch auf die argentinische Kette passt sich die ÖFB-Taktik offenbar an: Das argentinische Mittelfeldtrio mit Rodrigo De Paul, Alexis Mac Allister und Enzo Fernandez sei herausragend und könne das Tempo diktieren. "Sie können extrem gut Takt geben. Wichtig ist, dass du permanent auf Spannung bist und Druck auf den Ball ausübst", sagte Oesen.
Ungeklärt ist vor dem Spieltag zudem die Rolle von Konrad Laimer. Im Auftaktspiel gegen Jordanien war der Münchner in der Zehnerrolle aufgelaufen, ehe er in der zweiten Hälfte auf die Außenverteidigerposition wechselte. Oesen zeigte sich mit dem Auftritt zufrieden: "Ich finde, dass er es perfekt gemacht hat, und die Umstellung in der zweiten Hälfte, wo er mehr Wiese vor sich hatte, hat gut gepasst. Insgesamt finde ich, dass es ein sehr runder Auftritt von ihm war." Die geringere Zahl an Aktionen im Zehnerraum sei nicht auf Laimer zurückzuführen, sondern darauf, dass "wir den Raum nicht perfekt bespielt haben in der ersten Hälfte".
Standards und Trainingssteuerung
In der Trainingssteuerung setzt Oesen unterdessen auf Kontinuität. Die Phasen im März-Lehrgang und bis zum Tunesien-Match habe man "gut für Standards-Training genützt". Dass ihm Teamchef Ralf Rangnick dabei stets Trainingszeit einräume, hob Oesen ausdrücklich hervor: "Wenn ich Trainingszeit für Standardsituationen einfordere, hat er noch nie nein gesagt." Der 2:1-Siegtreffer gegen Jordanien nach einer Ecke unterstreiche die Bedeutung der Standards.
Rangnick selbst wurde von Oesen als diskussionsfreudiger Chef charakterisiert. "Es gibt kein Denkverbot. Über Meinungen wird nie drübergefahren." Die interne Debatte im Betreuerstab laufe "überraschend harmonisch". Auch wenn der Teamchef "zwar der Chef" sei, stehe er stets für inhaltliche Auseinandersetzungen bereit. Die Marschroute vor dem Duell mit dem Weltmeister ist damit klar: defensiv verschieben, kollektiv verdichten, in Überzahl klären.
Ausgangslage und Termin
Dabei sieht Oesen die Ausgangslage positiver, als die reine Kräfteverteilung vermuten lässt. "Wir sind in einer komfortablen Situation. Wir spielen gegen den Weltmeister, der im ersten Spiel überzeugt hat", sagte er. Es gebe "viel zu gewinnen". Nach dem Auftaktsieg heißt es für das ÖFB-Team vor allem Regeneration, bevor am Freitag die intensive Vorbereitung auf das Argentinien-Spiel begann.
Die Partie wird am Montag um 19:00 Uhr (MESZ) in Dallas angepfiffen und ist live auf ServusTV zu sehen. Mit dem Selbstvertrauen aus dem 3:1 gegen Jordanien und dem Wissen um die eigenen Stärken bei Kontern geht Österreich als klarer Außenseiter in die Partie, hofft auf einen Überraschungscoup gegen den Titelverteidiger und einen prominenten Mitspieler im Rennen um das Achtelfinale.
Fragen & Antworten
Wer ist Stefan Oesen und welche Rolle hat er im ÖFB-Team?
Stefan Oesen ist 41 Jahre alt, Sportwissenschafter und Teamchef-Assistent von Ralf Rangnick bei Österreichs Fußball-Nationalteam. Er ist im Betreuerstab unter anderem für Standardsituationen zuständig.
Warum lehnt Österreich eine eigene "Messi-Sitzung" im Training ab?
Nach den Worten von Oesen würde eine isolierte Messi-Sitzung dem kollektiven Ansatz widersprechen, da Messi überall auf dem Feld auftauche und sich nur im Kollektiv stoppen lasse. Stattdessen bereite sich die Mannschaft auf die gesamte argentinische Mannschaft als Einheit vor.
Wie will Österreich Lionel Messi verteidigen?
Manndeckung lehnt Oesen ab, weil Messi das gesamte Feld bespiele. Stattdessen soll die Defensive Mehrkampfsituationen herstellen, in Unterzahlsituationen Überzahl schaffen und in der "roten Zone" vor dem eigenen Tor freie Schüsse verhindern.