Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat am Dienstagabend in der Abgeordnetenkammer in Rom eine namentliche Schlappe bei einer Reform des Wahlrechts erlitten, als ein Änderungsantrag zu Vorzugsstimmen in geheimer Abstimmung mit 188 zu 187 Stimmen abgelehnt wurde.
Eine Abstimmung, die das Machtverhältnis entlarvt
Gegen den Entwurf von Giorgia Melonis Regierungspartei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) stimmten 188 Abgeordnete, 187 votierten dafür. Die eigentlich komfortable Mehrheit der rechten Koalition im Parlament zerbrach an dem Votum, weil nach Informationen aus dem Parlament rund 30 bis 40 Abgeordnete aus den eigenen Reihen – insbesondere von Lega und Forza Italia – gegen die Linie der Regierung stimmten. Diese hatten ihre Unterstützung zuvor ausdrücklich zugesichert.
Bei dem gescheiterten Änderungsantrag ging es um die Einführung sogenannter Vorzugsstimmen, mit denen Wählerinnen und Wähler künftig einzelne Kandidaten auf der Liste ihrer Partei nach vorn wählen können sollten. Die Wählerinnen und Wähler sollen in Zukunft nicht mehr unveränderbare Wahllisten fürs Parlament erhalten, sondern solche, auf denen sie zwischen verschiedenen Kandidaten auswählen können. Die Reform sieht zudem vor, dass die Partei, die die meisten Stimmen bekommt, bei der Verteilung der Sitze einen Mehrheitsbonus bekommen soll, und dass der Regierungschef künftig direkt gewählt werden soll.
