Trump-Aussage über Meloni: Absage in Washington und wachsender Streit zwischen Rom und den USA
Rom, 20 Juni 2026
The White House / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
Italiens Außenminister Antonio Tajani hat eine geplante Reise in die USA nach Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über Regierungschefin Giorgia Meloni abgesagt. Trump hatte in einem Interview behauptet, Meloni habe ihn beim G7-Gipfel in Évian um ein gemeinsames Foto «angebettelt» – was die Ministerpräsidentin als «frei erfunden» zurückwies.
Rom, 20 Juni 2026
Nach Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni hat der italienische Außenminister Antonio Tajani eine geplante Reise in die Vereinigten Staaten abgesagt, während in Rom von einem beispiellosen Zerwürfnis mit Washington die Rede ist.
Trumps Vorwurf und Melonis Antwort
Im Zentrum des Streits steht ein Telefoninterview, das Trump dem italienischen Privatsender La7 für die Sendung «L'aria che tira» gegeben hatte. Darin behauptete der US-Präsident, die italienische Ministerpräsidentin habe ihn beim G7-Gipfel in der französischen Stadt Évian «angebettelt», ein gemeinsames Foto mit ihm machen zu dürfen. Trump sagte wörtlich: «She begged me for a picture! She wanted a picture with me so badly. I would haven't done it, but I felt sorry for her!» Er habe dem Fotowunsch nur aus «Mitleid» zugestimmt und fügte hinzu, Meloni solle sich glücklich schätzen, dass er überhaupt mit ihr gesprochen habe.
Meloni wies die Darstellung umgehend und in scharfem Ton zurück. Auf der Online-Plattform X schrieb sie, die Äußerungen seien «frei erfunden». In einem kurzen Video erklärte sie: «Ich und Italien betteln nie.» Auf Instagram bezeichnete sie die «ständigen, unprovozierten Angriffe» als «sinnnlos» und fügte hinzu, sie bedaure, dass Trump nicht dieselbe Entschlossenheit gegenüber «Feinden des Westens, Feinden der Vereinigten Staaten und gegenüber Führungen zeigt, mit denen er sich stattdessen viel nachgiebiger verhält». Sie sei «fassungslos» – «es ist schließlich nicht das erste Mal, dass so etwas passiert».
Hintergrund: Streit um Iran, Stützpunkte und Papst
Die italienische Regierung wies die Darstellung des Präsidenten ebenfalls zurück und veröffentlichte ein Foto vom G7-Gipfel, das Trump und Meloni zeigt, wie sie nebeneinander auf einer Couch sitzen und sich unterhalten. In diplomatischen Kreisen Italiens hieß es, es habe am Rande des Gipfels ein «klärendes Gespräch» gegeben, bei dem beide die «Einheit des Westens» bekräftigt hätten. Am Ende des G7-Treffens hatte Meloni selbst das Klima als «sehr positiv» bezeichnet und gesagt, es habe «keine Reibung» mit Trump gegeben.
Der Konflikt zwischen den beiden rechten Politikern hatte sich in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich zugespitzt. Hintergrund ist unter anderem der Krieg der USA und Israels gegen den Iran, an dem sich Italien nicht beteiligte. Rom hatte im April einem Geschwader von US-Bombern auf dem Weg nach Iran die Zwischenlandung auf Sizilien verweigert; auch die Nutzung der Luftwaffenbasis Sigonella wurde untersagt. Die italienische Regierung veröffentlichte außerdem die Weigerung, iranische Ziele von italienischem Boden aus anzugreifen. Trump warf Meloni daraufhin vor, Washington im Stich gelassen zu haben.
Diplomatische Folgen: Tajani sagt Miami-Reise ab
Zusätzlich belastet wurde das Verhältnis, als Meloni im April Papst Leo XIV. gegen Angriffe Trumps verteidigte und den US-Präsidenten dafür kritisierte. Trump wiederum hatte zuvor den britischen Premierminister Keir Starmer als «nicht Churchill», Frankreichs Präsident Emmanuel Macron als «immer falsch liegend» und Bundeskanzler Friedrich Merz als jemanden, der «nicht weiß, wovon er spricht», öffentlich attackiert. Beobachter in Rom schätzen, dass die Beziehungen zwischen Italien und den USA «seit Jahren, vielleicht seit Jahrzehnten, nicht mehr derart gespannt» gewesen seien.
Italiens Außenminister Antonio Tajani sagte seine Teilnahme an einem für Samstag in Miami geplanten bilateralen Wirtschaftsforum in Absprache mit Meloni umgehend ab. An dem Treffen hätte auch US-Außenminister Marco Rubio teilnehmen sollen. Auf X schrieb Tajani, Trumps «schwerwiegende und beleidigende Kommentare» seien eine Ohrfeige «für das ganze Land» gewesen. Der ehemalige italienische Ministerpräsident Matteo Renzi kommentierte die Vorgänge mit einem sarkastischen «Gutes Aufwachen!».
Trump setzt Angriffe auf Truth Social fort
Auch Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella schaltete sich ein und telefonierte mit Meloni, um seine Solidarität zum Ausdruck zu bringen. Staatssekretär Giovanbattista Fazzolari sprach von einem «Delirium Trumps» und stellte öffentlich die Frage, ob der US-Präsident die Beziehung zwischen Washington und Europa «mit Absicht oder aus Unfähigkeit» zerstöre. Als beschlossene Sache gilt in Rom mittlerweile auch der Boykott des traditionellen Empfangs in der Residenz der US-Botschaft in Rom zum US-Nationalfeiertag am 4. Juli.
Trump setzte den Schlagabtausch unterdessen auf seiner Plattform Truth Social fort. In einem Beitrag schrieb er, Meloni wolle sich nach einem US-Militärerfolg über den Iran wieder mit Washington anfreunden, «um ihre Umfragewerte zu verbessern – Nein danke!!!». Erneut wiederholte er, Meloni habe ihn «angebettelt», mit ihm fotografiert zu werden. In einem weiteren NBC-Interview erklärte Trump: «Meloni war ein großer Fan von mir. Aber ich will sie nicht als Fan haben, denn weder sie noch die Nato waren da, als es um die Straße von Hormus ging.» In einem ersten Truth-Social-Beitrag hatte er Melonis Vornamen zunächst als «Gigiorgia» falsch geschrieben.
Innenpolitische Dimension und Blick auf die Wahl 2027
In Rom wird die Annäherung Trumps an Meloni auch innenpolitisch aufmerksam beobachtet. Beobachter werten die öffentlichen Angriffe als mögliche Schädigung von Melonis Beliebtheit im eigenen Land, zumal die nächsten Parlamentswahlen in Italien für 2027 anstehen. Noch am 23. Januar dieses Jahres hatte Meloni an der Seite von Bundeskanzler Friedrich Merz in Rom gehofft, Trump könnte eines Tages den Friedensnobelpreis erhalten, falls er einen «gerechten Frieden» zwischen der Ukraine und Russland stifte. In konservativen Kreisen war Meloni zeitweise als «Trump-Flüsterin» gehandelt worden; sie war zudem die einzige europäische Regierungschefin, die zu Trumps Amtseinfennung im Januar 2025 eingeladen war.
Im Januar hatte Meloni sich allerdings bereits vorsichtig von Trump distanziert, nachdem dieser im Zuge des Grönland-Konflikts Strafzölle gegen mehrere EU-Staaten angekündigt hatte. In der Folge versuchte sie, zwischen Washington und den übrigen Europäern zu vermitteln – eine Rolle, die nun zunehmend an ihre Grenzen stößt. Trump bekräftigte in seinen Beiträgen zudem, die USA würden «Hunderte Milliarden Dollar» im Jahr für die Verteidigung Italiens und anderer NATO-Verbündeter ausgeben und Italien sei nur deshalb «geliebt und geschützt».
Meloni blieb in ihrer Antwort kühl und bissig. Sie schrieb auf Instagram: «Italien bleibt eine souveräne Nation. Jedenfalls geht Sie meine Popularität nichts an. Ich schlage vor, Sie konzentrieren sich auf Ihre eigene.» Außerdem merkte sie an, es habe ihrer Beliebtheit «sicherlich nicht geholfen», seine «Freundin» zu sein. Damit wandte sie sich direkt an Trump, ohne ihn beim Namen zu nennen.
Blick auf die transatlantischen Beziehungen
Die Vorgänge werfen ein Schlaglicht auf den Zustand der transatlantischen Beziehungen. Noch im Mai hatten Beobachter gemutmaßt, Meloni könne eine Schlüsselrolle dabei spielen, die Differenzen zwischen dem Weißen Haus und den europäischen Hauptstädten zu überbrücken. Dieser Vermittleranspruch ist durch die jüngsten Angriffe Trumps schwer beschädigt. In Rom wächst die Sorge, dass die USA unter Trump dauerhaft auf Konfrontationskurs gegenüber Italien gehen könnten – ausgerechnet gegenüber einem Land, das in den vergangenen Jahren als eines der wenigen in Europa einen verlässlich pro-amerikanischen Kurs verfolgt hatte.
Der Streit fällt in eine Phase, in der Italien zunehmend um seine außenpolitische Position zwischen den USA, der EU und dem Nahen Osten ringt. Die Weigerung Roms, US-Militärstützpunkte für Angriffe auf den Iran freizugeben, hatte in Washington Verstimmung ausgelöst; in Italien wurde sie hingegen als Ausdruck souveräner Außenpolitik verteidigt. Meloni steht damit innen wie außen unter Druck, in einer Zeit, in der die kommende Wahlperiode näher rückt.
Wie es weitergeht, ist derzeit offen. Ein US-Statement zur Verschiebung des Miami-Forums lag bis Redaktionsschluss nicht vor. Beobachter gehen davon aus, dass Rom zumindest bis zu den Parlamentswahlen im nächsten Jahr an seinem Boykott-Kurs festhalten wird. In italienischen Medien wird der Vorfall als historischer Tiefpunkt in den Beziehungen zu Washington bewertet – und als persönliche Brüskierung einer Ministerpräsidentin, die sich bis zuletzt als verlässliche Partnerin des Weißen Hauses verstanden hatte.
Fragen & Antworten
Was genau hat Trump über Giorgia Meloni gesagt?
Trump sagte im Telefoninterview mit dem italienischen Sender La7, Meloni habe ihn beim G7-Gipfel in Évian um ein gemeinsames Foto «angebettelt» und er habe nur aus «Mitleid» zugestimmt. Er bezeichnete es als Glück für Meloni, dass er überhaupt mit ihr gesprochen habe.
Wie hat die italienische Regierung reagiert?
Ministerpräsidentin Meloni wies die Darstellung als «frei erfunden» und als «ständige, unprovozierte Angriffe» zurück, Außenminister Antonio Tajani sagte seine Reise zu einem Wirtschaftsforum in Miami ab, und Staatspräsident Sergio Mattarella telefonierte mit Meloni, um seine Solidarität zu bekunden.
Warum ist das Verhältnis zwischen Rom und Washington so belastet?
Auslöser sind unter anderem die Weigerung Italiens, US-Bomber auf dem Weg in den Iran auf Sizilien zwischenlanden zu lassen, sowie Melonis Verteidigung von Papst Leo XIV. gegen Angriffe Trumps. Beobachter sehen darin den bislang tiefsten Bruch zwischen beiden Hauptstädten seit Jahren.
Trump gegen Meloni: Rom sagt USA-Besuch nach Beleidigung ab | finanz360