Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) rechnet nicht mit einem Rückzug des Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck und hat Vorwürfe der Freunderlwirtschaft bei der Besetzung der Wirtschaftsagentur Wien zurückgewiesen.
Hintergrund: Leaks und Rücktrittsforderungen
In einem Interview mit der APA am Dienstag stellte sich Ludwig demonstrativ vor Ruck, der zuletzt durch ein an die Medien durchgesickertes Protokoll aus einem kleinen, vertraulichen Kreis unter Druck geraten war. „Charakterstärke zeigt sich immer bei Gegenwind“, sagte Ludwig wörtlich. Der Bürgermeister betonte zudem, er habe laufend Kontakt zu Ruck, schon allein wegen einer Reihe gemeinsamer Projekte in der Herbstarbeit – von einer gemeinsamen HTL bis zur Umsetzung der Zukunftsvereinbarung zwischen Wirtschaftskammer Wien und Stadt Wien.
Inhaltlich geht es um ein Protokoll, das laut den Magazinen profil und Krone aus einem vertraulichen Treffen stammen soll. Darin wird Ruck unter anderem die Äußerung zugeschrieben, Industriellenvertreter seien „degenerierte Oberösterreicher“. Außerdem soll er sich abfällig über Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) geäußert haben: Hattmannsdorfer müsse aus seiner Rolle als „Obersachbearbeiter dieser Regierung“ rauskommen. Ruck selbst hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht öffentlich geäußert.
Hattmannsdorfer reagierte am Dienstag mit einer schriftlichen Stellungnahme an die APA auf die zugeschriebenen Aussagen. „Mit dem Vorwurf, ein hohes Arbeitstempo zu haben und inhaltlich gut vorbereitet zu sein, kann ich gut leben“, schrieb der Minister. Auch IV-Generalsekretär Christoph Neumayer erklärte, das Vertrauen in Ruck sei „zutiefst erschüttert“, und stimmte damit implizit dem Rücktritts-Appell von WKÖ-Präsidentin Martha Schultz vom Montag zu.
