Eine von Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) eingesetzte Expertenkommission hat am Montag in Wien einen 180-seitigen Bericht zum Tod eines psychisch kranken Häftlings in der Justizanstalt Hirtenberg vorgelegt und dabei schwere strukturelle Mängel im österreichischen Strafvollzug dokumentiert.

Hergang des Vorfalls

Der Mann war am 3. Dezember 2025 abends im Krankenhaus Eisenstadt an den Folgen schwerer Verletzungen gestorben, die er kurz vor einem geplanten Gefangenentransport erlitten hatte. Wie die fünfköpfige Kommission unter der Leitung von Wolfgang Gratz am Montag im Justizministerium darlegte, hätte der Tod "mit erheblicher Wahrscheinlichkeit" vermieden werden können, wären frühere Empfehlungen der internen Revision sowie der Volksanwaltschaft umgesetzt worden. Volksanwältin Gaby Schwarz (ÖVP) sagte wörtlich: "Bedauerlich ist, dass erst der Tod eines Menschen zu einem Umdenken im Justizministerium geführt hat." Sie erwarte eine rasche Umsetzung erster Maßnahmen.

Nach Einschätzung der Kommission war der psychisch kranke Häftling in Hirtenberg "fehlplatziert" und hätte idealerweise in einer psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses untergebracht werden müssen. Ein Psychiater habe den Mann als "akut psychotisch, desorganisiert und nicht in der Lage, Gefahren für sich und andere einzuschätzen" beschrieben, berichtet das Magazin Falter. Eine Verlegung in ein Krankenhaus unterblieb jedoch, weil kein Bett verfügbar war – obwohl am Vortag ein Facharzt eine klare Indikation dafür festgestellt hatte.