Eine vom Justizministerium eingesetzte Expertenkommission hat am Montag in Wien ihren 180 Seiten umfassenden Untersuchungsbericht vorgelegt, der systemische Mängel im österreichischen Strafvollzug aufzeigt und 78 Empfehlungen zur Reform enthält.

Auslöser: Tod eines psychisch kranken Häftlings in Hirtenberg

Anna Sporrer hatte die fünfköpfige Kommission im Februar dieses Jahres eingesetzt, nachdem ein psychisch kranker Häftling der Justizanstalt Hirtenberg am 3. Dezember 2025 an den Folgen von Verletzungen gestorben war, die ihm im Vorfeld eines geplanten Häftlingstransports zugefügt worden waren. Der Leiter der Kommission, Wolfgang Gratz, präsentierte den Bericht am Montag im Justizministerium und sprach von einem „erheblichen Reformbedarf“.

Bezogen auf den konkreten Anlassfall wäre der Tod des Häftlings „mit erheblicher Wahrscheinlichkeit“ zu verhindern gewesen, wären Empfehlungen der internen Revision und der Volksanwaltschaft in der Vergangenheit aufgegriffen und früher umgesetzt worden, bemerkte Gratz. Er habe festgestellt, „dass sich die Situation in den Justizanstalten rasch verbessert – für die Inhaftierten, aber vor allem für das Personal, das bereits am Limit ist“, sagte der Kommissionsleiter weiter.