Am siebten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian hat eine Textilsachverständige vor dem Landgericht Rostock über Faserspuren ausgesagt, die eine Verbindung zur angeklagten 30-Jährigen nahelegen.
Die Expertin berichtete, dass unter dem rechten Daumennagel des Kindes eine lilablau gefärbte Baumwollfaser gefunden wurde. Diese Faser weise Übereinstimmungen mit einem Pullover der Angeklagten auf.
Zudem wurde an einer textilen Ärmelstulpe des Opfers eine grau-grünliche Polyesterfaser entdeckt. Diese könnte nach Angaben der Sachverständigen von einer Reithose der Beschuldigten stammen.
Faserspuren unter dem Daumennagel
Die Gutachterin schränkte jedoch ein, dass die Bewertung der Faserbefunde sehr schwierig und kaum möglich sei. Es lasse sich nicht sagen, wie eine Spurenübertragung stattgefunden habe.
Vor der Vorführung von Lichtbildern des Leichnams warnte der Vorsitzende Richter die Zuschauer im Saal 2.002. Die Aufnahmen seien schwer zu ertragen; wer sie nicht aushalten könne, habe die Möglichkeit, den Saal zu verlassen.
Fabians Mutter, die als Nebenklägerin persönlich am Prozess teilnimmt, erschien aus diesem Grund nicht zur Sitzung. Der Leichnam des Jungen war nach der Tat angezündet worden und wies schwere Brandverletzungen auf.
Mutter verlässt den Saal
Laut Anklage soll die 30-jährige Beschuldigte Fabian am 10. Oktober 2025 mit ihrem Auto abgeholt und später an einem Tümpel bei Klein Upahl im Landkreis Rostock getötet haben. Dem Kind sollen mindestens sechs Messerstiche zugefügt worden sein.
Bereits zuvor hatten Zeugen ausgesagt. Ein Landwirt berichtete, er habe am 10. Oktober einen verdächtigen Pick-up in Tatortnähe gesehen. Einer der beiden Männer sei erst bei einer Verkehrskontrolle im November auf der Landstraße bei Klein Upahl von der Polizei entdeckt worden.
Eine Anwohnerin schilderte ihre Reaktion, als sie von der Polizei befragt wurde: „Sagt bitte nicht, dass es das Kind war!“ habe sie erschrocken zur Polizistin gesagt.
Chatnachrichten und Sprachnachrichten
Im Gerichtssaal wurden zudem zahlreiche Sprachnachrichten und Chatverläufe der Angeklagten verlesen. Immer wieder teilte sie Fabians Vater mit: „Ich will doch einfach nur für dich da sein.“
Als der Vater ihr schrieb, er habe die Hoffnung fast aufgegeben, Fabian noch lebend zu finden, ging sie auf diese Befürchtungen nicht ein. Die Angeklagte soll zudem versucht haben, ein Treffen mit einem der Männer am Tattag zu verheimlichen, um nicht in die Ermittlungen hineingezogen zu werden.
Der Vater hatte sich im August 2025 nach vierjähriger Beziehung von der heute 30-Jährigen getrennt. Für den späteren Verhandlungstag war noch die Anhörung eines technischen Sachverständigen zu den digitalen Aufzeichnungen aus dem Auto der Angeklagten erwartet worden.
