Rostock, 15 Juni 2026

Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian hat am Dienstag ein 58-jähriger Nachbar der Angeklagten vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Rostock ausgesagt, er sei in der Nacht mit Gina H. an einem Tümpel bei Klein Upahl gewesen.

Aussage am zwölften Verhandlungstag

Die 30-jährige Deutsche muss sich seit April vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Rostock verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Jungen am 10. Oktober 2025 aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt, in der Nähe von Klein Upahl mit sechs Messerstichen getötet und den Leichnam anschließend angezündet zu haben. Den Vorwurf hat sie bislang nicht kommentiert. Sie sitzt seit dem 7. November 2025 in Untersuchungshaft. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Am zwölften Verhandlungstag berichtete der Nachbar, Gina H. habe ihn am Abend des 13. Oktober 2025 angerufen und gebeten, mit ihr zu dem Tümpel bei Klein Upahl zu fahren. Nach seiner Darstellung habe er den Jungen im Dunkeln am Wasser liegen sehen. „Dann habe ich den Jungen da halt liegen sehen“, sagte der Zeuge laut der dpa. Er habe den Leichnam mit einer Taschenlampe angeleuchtet, woraufhin Gina H. geäußert habe, es sei Fabian.

Sprachnachricht und Alibi-Vorwurf

Auf die Reaktion der Angeklagten angesprochen, antwortete der 58-Jährige: „Nichts.“ Auch die Frage der vorsitzenden Richterin „Weinen, schreien, Bestürzung?“ verneinte er damit. Später in derselben Nacht habe Gina H. gelacht, wie der Zeuge weiter schilderte. Sie habe ihr Lachen damit erklärt, dass sie so viel geweint habe, dass sie nicht mehr weinen könne, berichtete er.

Im Prozess wurde zudem eine Sprachnachricht vorgespielt, in der Gina H. nach Darstellung der Anklage mit einer anderen Bekannten ein Alibi für den 10. Oktober absprechen wollte. Nach Aussage des Nachbarn sei der andere Bekannte unsicher gewesen, ob sie Fabian tatsächlich gefunden hätten, weshalb Gina H. ihn an den Tümpel gefahren habe.

Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage unter anderem auf die These, dass Gina H. vermutete, der Junge stehe einer Versöhnung mit Fabians Vater im Weg. Fabians Vater hatte sich im August 2025 von Gina H. getrennt; die beiden waren zuvor vier Jahre ein Paar gewesen.

Hintergrund des Falls

Bereits in der Vorwoche hatte ein anderer Zeuge vor der Schwurgerichtskammer angegeben, er sei ebenfalls am 13. Oktober mit der Angeklagten an dem Tümpel gewesen. Der Leichnam des Jungen wurde nach offiziellen Angaben einen Tag nach der vom Zeugen geschilderten Nacht am Tümpel bei Klein Upahl gefunden. Die Angeklagte selbst hatte die Polizei am 14. Oktober informiert und angegeben, den Leichnam des Kindes zufällig beim Spazierengehen mit dem Hund entdeckt zu haben.

Die Verteidigung hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Das Verfahren soll bis September dauern. Die Befragung des Nachbarn sollte am Dienstagnachmittag fortgesetzt werden. Wie das Gericht auf Anfrage mitteilte, ist bis zum Abschluss der Beweisaufnahme mit weiteren Zeugenaussagen zu rechnen.

Der Fall hatte bundesweit Aufmerksamkeit erregt, auch wegen des jungen Alters des Opfers und der Umstände des Todes. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Junge am 10. Oktober ums Leben kam. „Laut Staatsanwaltschaft starb der Junge am 10. Oktober“, hieß es in der Mitteilung der Behörde.