Deutz kauft Rüstungshersteller FFG für 1,6 Milliarden Euro
Köln, 09. Juli 2026
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Kurzfassung
Der Kölner Motorenbauer Deutz will den Flensburger Militärfahrzeughersteller FFG für rund 1,6 Milliarden Euro übernehmen. Mit dem Zukauf, der noch unter dem Vorbehalt von Kartellbehörden und Hauptversammlung steht, würde Deutz zur zweitgrößten Rüstungsfirma in Nordrhein-Westfalen aufsteigen.
Der Kölner Motorenbauer Deutz AG hat den Kauf des Flensburger Militärfahrzeugherstellers FFG Flensburger Fahrzeugbau GmbH für rund 1,6 Milliarden Euro vereinbart.
Größter Zukauf in der Firmengeschichte
Mit der Übernahme will Deutz sein bisher noch kleines Rüstungsgeschäft deutlich ausbauen. FFG produziert, wartet und modernisiert Schützenpanzer, Mannschaftstransporter und weitere Militärfahrzeuge. Zu den Kunden des Unternehmens gehört unter anderem die Bundeswehr, ebenso wie 14 weitere NATO-Staaten.
Der Deal wäre der größte Zukauf in der rund 160-jährigen Unternehmensgeschichte von Deutz. Der Motorenbauer war ursprünglich auf Verbrennungsmotoren für schwere Geräte spezialisiert, etwa für Kräne, Hebebühnen und Landmaschinen, und stellt auch Generatoren und Notstromanlagen her. Mit dem Zukauf der FFG will das Kölner Unternehmen den Angaben zufolge zu einem führenden nationalen Systemanbieter für militärische Fahrzeuge, Antriebe und Energielösungen werden.
Preis und Finanzierung des Deals
Der vereinbarte Kaufpreis liegt bei rund 1,6 Milliarden Euro. Ein Teil davon soll in neu ausgegebenen Deutz-Aktien beglichen werden, die Eigenkapitalkomponente hat derzeit ein Volumen von etwa 600 Millionen Euro. Im Gegenzug würde die bisherige Eigentümerfamilie der FFG künftig 29,9 Prozent der Deutz-Anteile halten.
Durch die Übernahme würde Deutz nach eigenen Worten zum zweitgrößten Rüstungsproduzenten in Nordrhein-Westfalen werden, hinter dem Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern. Deutz-CEO Sebastian Schulte sagte, FFG werde der Anker des Defence-Geschäfts und solle als eigenständige Einheit weiter operieren. Er bezeichnete FFG als eines der attraktivsten und profitabelsten verfügbaren Rüstungsunternehmen in Europa.
FFG als Anker des neuen Rüstungsgeschäfts
FFG hatte im Jahr 2025 den Konzernangaben zufolge einen Umsatz von 760 Millionen Euro erzielt und ist profitabel. Der Auftragsbestand der Firma, der sogenannte Backlog, liegt nach Unternehmensangaben bei 1,9 Milliarden Euro. Durch den Zusammenschluss mit Deutz solle ein deutscher wehrtechnischer Industrieverbund entstehen, der die Stärken beider Unternehmen bündele und ihre gemeinsame Entwicklung langfristig vorantreibe, sagte Norbert Erichsen, Sprecher des FFG-Gesellschafterkreises.
Für Deutz wäre die Übernahme auch ein wichtiger Schritt zur Erreichung seiner Wachstumsziele. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro erzielt, 13 Prozent mehr als 2024. Für das laufende Geschäftsjahr hatte Deutz im Mai einen Umsatz von 2,3 bis 2,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Ursprünglich hatte der Konzern ein Umsatzziel von vier Milliarden Euro bis 2030 ausgegeben, dieses Ziel soll durch den FFG-Zukauf nun schon früher erreicht werden.
Bisheriges Rüstungsgeschäft von Deutz
Die Rüstungssparte von Deutz ist bisher vergleichsweise klein. Das Kölner Unternehmen stellt bereits Motoren für einen polnischen Truppentransporter sowie Hilfsmotoren für Panzer her. Durch die Übernahme der FFG könnte das Unternehmen künftig eigene Militärfahrzeuge mit Motoren aus eigener Produktion ausstatten.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Deutz einen Zulieferer für Drohnentechnologie übernommen. Dessen Elektroantriebe und Steuerantriebe sind in Drohnen verbaut, die von der ukrainischen Armee genutzt werden. Mit dem FFG-Zukauf setzt das Unternehmen den angekündigten Ausbau seines Rüstungsgeschäfts fort.
Belegschaft und Standorte
Deutz beschäftigt nach eigenen Angaben aktuell rund 6.000 Mitarbeiter weltweit, Ende März waren es 6.014 Beschäftigte, rund 500 mehr als ein Jahr zuvor. Durch die Übernahme der FFG würden rund 1.100 weitere Beschäftigte hinzukommen. Damit wäre die Belegschaft des Motorenbauers, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1864 zurückreichen und der nach eigener Darstellung der älteste Motorenbauer der Welt ist, künftig deutlich größer.
Deutz gilt als einer der Profiteure der geplanten milliardenschweren Investitionen der Bundesregierung in die Infrastruktur, da der Konzern Antriebe für Baumaschinen herstellt. Mit dem deutlich vergrößerten Rüstungsgeschäft würde das Unternehmen nun zusätzlich von steigenden Verteidigungsausgaben profitieren.
An der Börse wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Die Deutz-Aktien legten bis zum Mittag um gut drei Prozent auf 9,03 Euro zu und bauten damit ihre Kursgewinne für das Jahr 2026 auf rund sechs Prozent aus.
Noch ausstehende Genehmigungen
Der Zusammenschluss steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Deutz-Hauptversammlung sowie der Kartellbehörden. Die Aktionäre müssen dem Deal in einer ordentlichen Hauptversammlung zustimmen. Mit einem Abschluss des Verfahrens rechnet das Unternehmen erst Ende 2026 oder Anfang 2027.
Beide Firmen blicken auf eine lange Tradition zurück. Während Deutz als Kölner Konzern Motoren für vielfältige industrielle Anwendungen herstellt, ist FFG auf die Produktion, Wartung und Modernisierung militärischer Fahrzeuge spezialisiert. Beide Unternehmen sehen in dem Zusammenschluss die Möglichkeit, ihre jeweiligen Stärken zu bündeln und gemeinsam weiter zu wachsen.
Der Deal reiht sich ein in eine Serie von Übernahmen durch Deutz in den vergangenen Monaten. Mit dem Zukauf der FFG würde das Unternehmen seine Position als bedeutender Akteur im deutschen Rüstungsmarkt deutlich stärken. Der Kölner Konzern hatte erst im Vorjahr angekündigt, sein Rüstungsgeschäft massiv ausbauen zu wollen.
Reaktion der Börse
Warburg Research hatte am 23. Juni 2026 eine Kaufempfehlung („Buy“) für die Deutz-Aktie ausgesprochen. Der nun angekündigte Großdeal dürfte die Attraktivität des Papiers aus Sicht von Investoren weiter erhöhen, zumal die FFG als profitables Unternehmen mit einem soliden Auftragsbestand gilt.
Insgesamt unterstreicht der geplante Zusammenschluss den Trend zur Konsolidierung in der europäischen Rüstungsindustrie. Mit der Verbindung aus Motorenkompetenz und Fahrzeugbau entstehe nach Darstellung der Beteiligten ein integrierter Anbieter, der in der Lage sei, militärische Fahrzeuge künftig aus einer Hand mit Antrieben zu versorgen und die Wertschöpfungskette im eigenen Haus abzubilden.
Fragen & Antworten
Welche Hindernisse muss der Zusammenschluss noch überwinden?
Der Deal steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Deutz-Hauptversammlung sowie der Kartellbehörden. Mit einem Abschluss des Verfahrens wird erst Ende 2026 oder Anfang 2027 gerechnet.
Deutz übernimmt FFG: Milliarden-Deal im Rüstungssektor | finanz360