Bayer sichert 3 Mrd. Euro mit Apollo-Deal für LARC-Sparte
Leverkusen, 10. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat sich durch eine Partnerschaft mit der US-Beteiligungsgesellschaft Apollo drei Milliarden Euro Eigenkapital gesichert. Apollo erhält eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva einbringt.
Bayer hat am Freitag eine Vereinbarung mit der US-Beteiligungsgesellschaft Apollo unterzeichnet und sichert sich dadurch drei Milliarden Euro Eigenkapital zur Verbesserung seiner Kapitalstruktur.
Mit der Transaktion reagiert der Konzern auf einen in diesem Jahr erhöhten Liquiditätsbedarf. Wie das Unternehmen mitteilte, steigert es durch den Deal seine finanzielle Flexibilität „angesichts des in diesem Jahr erhöhten Liquiditätsbedarfs durch Anleihefälligkeiten und Rechtsstreitigkeiten“. Die eingeworbenen Mittel sind Eigenkapital und sollen die Bilanz des Leverkusener Konzerns stärken.
Eckpunkte der Transaktion
Im Kern bringt Bayer sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva, sogenannte LARC-Produkte, in eine neu gegründete Gesellschaft ein. „Demnach erhalten von Apollo verwaltete Fonds und Tochtergesellschaften eine Minderheitsbeteiligung an einer neuen Gesellschaft, in die Bayer sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva (LARC) einbringt“, heißt es in der Ad-hoc-Mitteilung. Apollo erhält damit keinen Mehrheitsanteil, sondern eine Beteiligung im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich, wie aus den Angaben hervorgeht.
Bayer selbst behält die Anteilsmehrheit an der neuen Gesellschaft. „Das Unternehmen unterzeichnete am Freitag eine entsprechende Vereinbarung mit Apollo, einem weltweit tätigen Vermögensverwalter“, teilte der Konzern mit. Zudem behält Bayer „die vollständige operative Kontrolle über das LARC-Geschäft“ sowie den vollständigen Konsolidierungseffekt im Konzernabschluss: „und wird weiterhin vollständig im Konzernabschluss konsolidiert.“
Strategisch bleibt das LARC-Geschäft Teil des Kerngeschäfts der Pharmasparte. „Das Investment hat keine Auswirkungen auf die Strategie oder die Aktivitäten des LARC-Geschäfts – dieses bleibt ein Teil des Kerngeschäfts der Division Pharmaceuticals von Bayer“, so das Unternehmen. Bayer will mit dem frischen Eigenkapital seine Kapitalstruktur verbessern und sich Handlungsspielraum im laufenden Jahr verschaffen.
Operative Kontrolle bleibt bei Bayer
Der Abschluss der Transaktion wird – vorbehaltlich der Zustimmung durch die zuständigen Wettbewerbsbehörden und der üblichen Abschlussbedingungen – für das dritte Quartal 2026 erwartet. Damit liegt der Vollzug des Deals innerhalb der kommenden Monate. Erst nach dem Closing fließt das Eigenkapital vollständig.
Der Deal steht in einem größeren Kontext der finanziellen Belastungen, mit denen sich der Konzern seit Jahren auseinandersetzt. In den Vereinigten Staaten sieht sich Bayer einer Welle von Klagen im Volumen mehrerer Milliarden Dollar ausgesetzt, in denen Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter – darunter das Produkt Roundup – geltend gemacht werden.
Einen wichtigen Etappensieg hatte Bayer kürzlich vor dem Obersten Gerichtshof der USA erzielt. Demnach kann der Konzern für fehlende Krebswarnhinweise auf Verpackungen der Herbizide nicht mehr belangt werden. Diese Entscheidung könnte nach Einschätzung von Beobachtern die rechtliche Grundlage für zahlreiche der noch anhängigen Verfahren schwächen.
Hintergrund: Glyphosat-Klagen in den USA
Bereits im Februar hatte Bayer zudem einen Vergleich im Sammelklageverfahren über 7,25 Milliarden US-Dollar (rund 6,4 Milliarden Euro) erzielt, um einen Großteil der Rechtsstreitigkeiten beizulegen. Dieser Vergleich ist eigenen Angaben zufolge „bereits vorläufig genehmigt“ worden. Die mündliche Verhandlung zur endgültigen Bestätigung des Vergleichs ist laut Bayer für den 19. August terminiert.
Trotz dieser Fortschritte weist Bayer weiterhin Vorwürfe zu Roundup zurück. Der Konzern bestreitet, dass die glyphosathaltigen Produkte ein Krebsrisiko bergen. Mit dem Apollo-Deal schafft das Unternehmen nun unabhängig vom Ausgang der weiteren Verfahren zusätzlichen finanziellen Puffer.
An den Kapitalmärkten stuften mehrere große Häuser die Bayer-Aktie nach der Bekanntgabe positiv ein. Goldman Sachs bestätigte am 6. Juli 2026 das Rating „Buy“, JP Morgan Chase & Co. stufte die Aktie am 8. Juli 2026 mit „Overweight“ ein. Die Deutsche Bank AG hatte bereits am 2. Juli 2026 „Buy“ vergeben, die DZ BANK am 26. Juni 2026 „Kaufen“. Auch Berenberg Bank und Joh. Berenberg, Gossler & Co. KG äußerten sich zuletzt mit „Hold“.
Einschätzungen der Analysten
Die Bayer Aktiengesellschaft ist im DAX, im EURO STOXX 50 sowie im Stoxx 50 gelistet. Die Aktien werden an den regulierten Märkten in Düsseldorf, Frankfurt (Prime Standard), Hamburg, Hannover, München, Stuttgart und Tradegate BSX gehandelt. Die ISIN lautet DE000BAY0017, die WKN BAY001. Sitz des Unternehmens ist die Kaiser-Wilhelm-Allee 1 in 51373 Leverkusen.
Apollo wird in der Mitteilung als „weltweit tätiger Vermögensverwalter“ und „US-Beteiligungsgesellschaft“ beschrieben. Durch die Konstruktion – Einbringung der LARC-Sparte in eine neue Gesellschaft plus Minderheitsbeteiligung – erhält Apollo zwar keinen direkten Zugriff auf das operative Geschäft, partizipiert aber künftig an dessen Ergebnis.
Die eingeworbenen drei Milliarden Euro Eigenkapital sind nach Angaben des Unternehmens ausdrücklich nicht für eine konkrete Akquisition oder einen Schuldenabbau vorgesehen, sondern dienen der generellen Stärkung der Finanzbasis. Damit verschaffe sich der Konzern „mehr Spielraum für künftige Maßnahmen“, wie aus Finanzkreisen verlautete.
Ausblick auf das dritte Quartal 2026
Für Anleger ist zudem die Kontaktadresse für Investor Relations relevant. Ansprechpartnerin ist Denise Jahn, Bayer AG, Investor Relations, erreichbar unter Telefon 0214-30-72704 sowie per E-Mail an denise.jahn@bayer.com. Die Ad-hoc-Mitteilung wurde am 10. Juli 2026 in Leverkusen veröffentlicht.
Mit dem Abschluss im dritten Quartal 2026 würde Bayer einen weiteren Schritt zur finanziellen Konsolidierung vollziehen. Der Konzern steht in den kommenden Monaten zugleich vor der endgültigen gerichtlichen Bestätigung des milliardenschweren US-Vergleichs. Beide Vorgänge zusammen gelten als wichtige Weichenstellungen für die weitere Geschäftsentwicklung.
Insgesamt bewerten Beobachter den Apollo-Deal als pragmatische Lösung: Bayer gewinnt dringend benötigtes Eigenkapital, ohne die operative Kontrolle über eine strategisch wichtige Pharmasparte abzugeben. Apollo wiederum erhält Zugang zu einem etablierten, margenstarken Geschäftsfeld mit stabilen Cashflows.
Sollte der Abschluss wie geplant im dritten Quartal 2026 erfolgen, fließt das Eigenkapital noch vor dem ursprünglich erwarteten Anstieg des Finanzierungsbedarfs aus den genannten Anleihefälligkeiten und Rechtsstreitigkeiten. Damit würde das Unternehmen rechtzeitig in das Jahr 2027 mit einer gestärkten Bilanz starten.
Fragen & Antworten
Was ist der Kern des Deals zwischen Bayer und Apollo?
Bayer bringt sein Geschäft mit reversiblen Langzeit-Kontrazeptiva (LARC) in eine neue Gesellschaft ein; Apollo erhält daran eine Minderheitsbeteiligung, und Bayer erhält im Gegenzug drei Milliarden Euro Eigenkapital.
Welche Rolle spielen die Glyphosat-Klagen für den Finanzbedarf von Bayer?
Bayer sieht sich in den USA einer Welle von Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Herbizide gegenüber; ein US-Vergleich über 7,25 Milliarden Dollar erhielt bereits die vorläufige Genehmigung, die Endgültige ist für den 19. August angesetzt.
Bis wann soll die Transaktion mit Apollo abgeschlossen sein?
Der Abschluss wird – vorbehaltlich wettbewerbsrechtlicher Zustimmungen und üblicher Bedingungen – für das dritte Quartal 2026 erwartet.
Bayer sichert 3 Mrd. Euro mit Apollo-Deal für LARC-Sparte | finanz360