Audi senkt Jahresprognose – schwaches China-Geschäft und US-Zölle drücken auf die Bilanz
Ingolstadt, 27. Juli 2026
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Kurzfassung
Audi hat seine Umsatzprognose für 2026 deutlich gesenkt und rechnet nun mit 58 bis 63 Milliarden Euro statt 63 bis 68 Milliarden Euro. Grund sind das eingebrochene China-Geschäft, US-Zölle unter Präsident Donald Trump sowie die Eskalation im Nahen Osten.
Der Autobauer Audi hat am Montag seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr 2026 deutlich gekappt und nennt dafür vor allem die schwache Nachfrage in China, die US-Zölle unter Präsident Donald Trump und die Eskalation im Nahen Osten.
Hintergrund: Audi in der Krise
Audi rechnet 2026 nun nur noch mit einem Konzernumsatz von 58 bis 63 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Zuvor hatte der Hersteller nach dem ersten Quartal 63 bis 68 Milliarden Euro in Aussicht gestellt – die neue Spanne liegt damit rund fünf Milliarden Euro unter dem bisherigen Ziel.
Als weitere Kennzahl wurde die operative Umsatzrendite auf 5 bis 7 Prozent gesenkt; zuvor waren 6 bis 8 Prozent erwartet worden. Das Netto-Cashflow-Ziel von 3 bis 4 Milliarden Euro für 2026 behält Audi dagegen bei.
Der Gewinn im zweiten Quartal fiel nach Steuern mit rund 563 Millionen Euro um etwa 21 Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor. Der Konzernumsatz sank in der ersten Jahreshälfte von 32,573 Milliarden Euro auf 29,177 Milliarden Euro.
Schwaches Chinageschäft als Hauptgrund
„Wir müssen in dem Umfeld, in dem wir uns bewegen, wettbewerbsfähiger und effizienter werden, an den Kostenstrukturen arbeiten und Entscheidungsprozesse schneller hinbekommen“, sagte Finanzvorstand Jürgen Rittersberger. Der Konzern habe bereits Mut zur Erneuerung bewiesen, ergänzte Vorstandschef Gernot Döllner: „Audi ist ein zentraler Baustein des Konzerns - und Teil der Lösung.“
Den größten Strich durch die Rechnung macht den Ingolstädtern das Chinageschäft. Dort brach der in den Finanzzahlen ausgewiesene Geschäftsbeitrag aus den Gemeinschaftsunternehmen in der ersten Jahreshälfte auf nur noch 73 Millionen Euro ein – nach 279 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum; das entspricht einem Minus von rund 74 Prozent. Damit lag das China-Geschäft im ersten Halbjahr 2026 nur bei etwa einem Viertel des Werts der Vorjahresperiode.
Die Auslieferungen in China einschließlich Hongkong fielen nach Konzernangaben um rund 19 Prozent auf 232.227 Fahrzeuge. Audi sprach von starkem Preiswettbewerb im chinesischen Markt. „Ohne China lagen die weltweiten Auslieferungen nahezu auf Vorjahresniveau“, erklärte das Unternehmen.
Auch in Nordamerika schrumpften die Verkäufe deutlich: Die Auslieferungen gingen um knapp 17 Prozent auf 82.187 Fahrzeuge zurück, wofür das Unternehmen die US-Zölle unter Präsident Donald Trump als besondere Belastung nannte. Als dritten Belastungsfaktor führte Audi die Eskalation im Nahen Osten an.
Auslieferungen: Verluste in China und USA, Zuwächse in Europa
Weltweit lieferte Audi in den ersten sechs Monaten 727.245 Fahrzeuge aus – rund 7,2 Prozent weniger als die 783.531 Fahrzeuge im Vorjahreszeitraum. Damit meldete der Hersteller nach eigenen Angaben das schwächste erste Halbjahr seit 2021.
In Europa ohne Deutschland legten die Auslieferungen hingegen um knapp 6 Prozent zu, wobei Spanien 21 Prozent, Italien 17 Prozent und Großbritannien 10 Prozent Wachstum verzeichneten. In Deutschland stiegen die Verkäufe um etwas mehr als 4 Prozent auf rund 108.000 Fahrzeuge. Besonders stark wuchs in Deutschland die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen mit einem Plus von 23 Prozent auf mehr als 25.000 Einheiten sowie nach Plug-in-Hybriden mit einem Plus von 147 Prozent.
Sparmaßnahmen und Stellenabbau
Die geringeren Restrukturierungslasten und niedrigere Rückstellungen für die CO2-Regulierung sowie ein striktes Kostendisziplin sorgten laut Audi dafür, dass das operative Ergebnis im ersten Halbjahr leicht von 1,087 Milliarden Euro auf 1,122 Milliarden Euro stieg. Die operative Umsatzrendite verbesserte sich von 3,3 auf 3,8 Prozent.
„Auch wenn die ersten Sparmaßnahmen bereits Wirkung zeigen, so sind wohl noch mehr nötig“, sagte Rittersberger. Der Finanzvorstand bestätigte zudem Berichte über die Abschaffung der Nachtschicht am Standort Neckarsulm ab November. Davon sind rund 1.200 Beschäftigte betroffen.
Standort Neckarsulm unter Druck
Im März des Vorjahres hatte Audi den Abbau von bis zu 7.500 Stellen bis 2029 angekündigt. Nun erwägt der Konzern laut dem Bericht, konzernweit weitere zehntausende Jobs zu streichen; vier Werke stehen demnach auf dem Prüfstand – darunter auch das Werk Neckarsulm im Landkreis Heilbronn, das ausschließlich Verbrennerfahrzeuge produziert.
Die Zeitung Handelsblatt hatte unter Berufung auf Insider berichtet, dass die maximale Produktionskapazität in Neckarsulm gesenkt und durch Zusammenlegung von Personal und Buchhaltung in Ingolstadt und Neckarsulm bis zu 1.000 Arbeitsplätze eingespart werden könnten. „Würden diese Bereiche zusammengelegt, könnten bis zu 1.000 Arbeitsplätze eingespart werden“, zitiert das Blatt einen Insider.
Die derzeitige maximale Jahreskapazität in Neckarsulm liegt nach Konzernangaben bei rund 225.000 Fahrzeugen, das sind etwa 75.000 weniger als in früheren Jahren. Im vergangenen Jahr wurden dort rund 181.000 Fahrzeuge produziert. In Medienberichten heißt es, die Kapazität könnte künftig auf bis zu 150.000 Fahrzeuge sinken.
Die neuen Modelle Q9, ein auf den US-Markt zugeschnittenes Full-Size-SUV, und der batterieelektrische A2 e-tron sollen im vierten Quartal 2026 in Nordamerika und Europa beziehungsweise im Herbst 2026 vorgestellt werden. Sie laufen allerdings nicht in Neckarsulm vom Band: „Die Modelle rollen woanders vom Band“, bestätigte Audi.
Rittersberger betonte, es werde „kein Gegeneinander der beiden deutschen Standorte“ geben. „Wir haben Möglichkeiten, an beiden Standorten die Effizienz zu steigern“, sagte er. „Wenn alle mithelfen, können wir eine Zukunft für Neckarsulm organisieren.“ Audi wies gegenüber dem SWR zudem darauf hin, dass „konkrete Auswirkungen auf Produktionskapazitäten und Beschäftigung […] Gegenstand der künftigen Gespräche mit der Arbeitnehmerseite und noch nicht final entschieden“ seien.
Tarifkonflikt und Beschäftigungsgarantie
Der Ingolstädter Betriebsrat erklärte sich mit Neckarsulm solidarisch: „Neckarsulm ist Teil der Audi-DNA – darüber wird nicht verhandelt.“ Zuletzt hatten sich nach Gewerkschaftsangaben in Neckarsulm rund 3.200 Beschäftigte versammelt, etwa 800 IG-Metall-Vertreter protestierten gegen mögliche Sparpläne.
Neckarsulm positioniert sich unter anderem als künftiges Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz und Digitalisierung. Gleichzeitig verlängerte Audi parallel zum Stellenabbau eine Beschäftigungsgarantie, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2033 ausschließt.
Druck auch auf den Volkswagen-Konzern
Der Mutterkonzern Volkswagen steht ebenfalls unter Druck: Dessen Quartalsgewinn brach im zweiten Quartal um rund ein Drittel ein. Konzernchef Oliver Blume will sein Sparpaket bis Jahresende unter Dach und Fach bringen. In einem internen Interview erklärte Blume, in Europa bestehe eine Überkapazität von 500.000 Fahrzeugen, die abgebaut werden müsse. „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen. Das ist immer die letzte Option“, sagte Blume.
Die Volkswagen-Aktie stieg im XETRA-Handel zeitweise um 1,62 Prozent auf 72,62 Euro. Konzern-Finanzvorstand Arno Antlitz hatte die gesenkte Audi-Prognose bereits vor dem Wochenende angedeutet.
Döllner und Rittersberger zeigten sich dennoch zuversichtlich, dass Audi die Wende noch in diesem Jahr schaffen kann. „Unser gemeinsames Ziel ist ein langfristiger, tragfähiger Fahrplan für die Zukunft“, sagte Döllner. Rittersberger verwies auf das zweite Halbjahr, das traditionell stärker ausfalle, sowie auf Impulse durch neue Modelle und geringere Kosten.
Fragen & Antworten
Warum hat Audi seine Jahresprognose 2026 gesenkt?
Audi führt vor allem das eingebrochene Chinageschäft, die US-Zölle unter Präsident Donald Trump sowie die Eskalation im Nahen Osten als Gründe an; der in den Finanzzahlen ausgewiesene Chinabeitrag fiel im ersten Halbjahr von 279 auf 73 Millionen Euro.
Wie wirkt sich die Krise auf den Standort Neckarsulm aus?
Die Nachtschicht in Neckarsulm wird ab November gestrichen, wovon rund 1.200 Beschäftigte betroffen sind; zudem steht das Werk auf einer Liste von vier Standorten, die im Rahmen eines konzernweiten Sparprogramms überprüft werden, wobei Audi betont, dass eine Schließung nicht entschieden ist.
Welche neuen Modelle sollen Audi aus der Krise helfen?
Audi setzt auf den Full-Size-SUV Q9, der im vierten Quartal 2026 in Nordamerika und Europa starten soll, sowie auf das batterieelektrische Einstiegsmodell A2 e-tron, dessen Vorstellung für Herbst 2026 geplant ist; beide werden allerdings nicht in Neckarsulm produziert.
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