Waldbrände Madrid: Zehntausende kehren zurück, neue | finanz360
Zehntausende kehren nach Waldbränden um Madrid in ihre Häuser zurück – neue Hitzewelle bedroht Fortschritte
Madrid, 29. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach knapp einer Woche können rund 50.000 Menschen in die vom Waldbrand betroffenen Gebiete um Madrid zurückkehren, während gleichzeitig eine neue Hitzewelle die Fortschritte der Feuerwehr bedroht. Für etwa 40.000 weitere Anwohner gelten die Evakuierungen und Ausgangssperren vorerst weiter.
Nach nahezu einer Woche kehren rund 50.000 Menschen in die von den schwersten Waldbränden der jüngeren Geschichte betroffenen Gebiete um Madrid in ihre Häuser zurück, während eine neue Hitzewelle und erwarteter starker Wind die Fortschritte der Einsatzkräfte gefährden.
Die Behörden hoben Evakuierungen und Ausgangssperren für 19 Ortschaften auf, wie das spanische Innenministerium mitteilte. Nach Angaben der Behörden durften die Bewohner von 15 Ortschaften in ihre Häuser zurückkehren, zudem wurden für sechs weitere Ortschaften die Ausgangssperren aufgehoben. Insgesamt profitieren laut dem Präfekten der Region Madrid, Francisco Martin Aguirre, rund 24.000 Menschen von der Rückkehr, weitere 20.000 sind nicht mehr an Ausgangssperren gebunden.
Die Lage habe sich stabilisiert, hieß es aus Madrid. In der Nacht habe sich das Feuer rund um die spanische Hauptstadt aufgrund günstigerer Wetterbedingungen nicht weiter ausgebreitet. Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte am Dienstag, die Flammen seien nicht weiter vorgerückt. Er äußerte die Hoffnung, dass die Einsatzkräfte am Mittwoch mit dem Ablöschen verbliebener Glutnester und der Sicherung der Brandflächen beginnen könnten – trotz der vorhergesagten hohen Temperaturen.
Rückkehr für Tausende bei gleichzeitiger Warnung
Ministerpräsident Pedro Sánchez sprach nach einer Sitzung des Krisenstabs in Madrid von einer vorsichtigen Hoffnung. Man könne bereits „Licht am Ende des Tunnels“ sehen, sagte Sánchez. Das spanische Innenministerium betonte zugleich, die Lage sei noch nicht endgültig unter Kontrolle. Die spanischen Behörden warnen weiterhin vor verfrühter Entwarnung.
Die Brände treffen vor allem die Provinz Ávila westlich von Madrid sowie die benachbarten Regionen Madrid und Toledo. Nach vorläufigen amtlichen Schätzungen wurden allein in der Provinz Ávila rund 50.000 Hektar Wald- und Buschland zerstört – eine Fläche, die rund 500 Quadratkilometern entspricht, etwa der Größe des Bodensees. Damit ist das Feuer in Ávila das größte in der jüngeren Geschichte Spaniens seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1968. Insgesamt verwüsteten die Flammen in Spanien bisher knapp 80.000 Hektar, davon knapp 50.000 Hektar allein in Ávila.
Avila: Größtes Feuer in Spaniens Aufzeichnungen
Vergleichbare Brände in Spanien hatten im Vorjahr über 300.000 Hektar Fläche vernichtet. Die Dimension der aktuellen Brände verdeutlicht den anhaltenden Druck auf die Einsatzkräfte, die seit fast einer Woche gegen die Flammen kämpfen. Spaniens Wetterdienst AEMET kündigte für Mittwoch den Beginn der vierten Hitzewelle des Sommers an, die mindestens bis Sonntag andauern soll. In der Region Madrid werden tagsüber Temperaturen bis zu 37 Grad Celsius erwartet.
Parallel wachsen die Sorgen wegen des erwarteten Winds. In der betroffenen Region sind starke Böen vorhergesagt, die die Flammen wieder anfachen könnten. Große Trockenheit und Wind lassen nach Einschätzung der Einsatzkräfte befürchten, dass der Brand mit dem Start der neuen Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 42 Grad wieder unkontrolliert auflodern könnte.
Unterdessen bleibt ein weiteres großes Feuer in der Provinz Castellón im Osten Spaniens außer Kontrolle. Rund 10.000 Hektar Wald und Buschland wurden dort nach bisherigen Angaben vernichtet. Im Großraum Vall d'Uixó waren am Wochenende rund 16.000 Menschen evakuiert worden; ein Teil von ihnen konnte inzwischen ebenfalls zurückkehren. Rund 40.000 Menschen in den spanischen Brandgebieten sind weiterhin von Evakuierungen oder Ausgangssperren betroffen.
Bordeaux: Rekordflächen und eigene Gewitter über den Bränden
Auch in Frankreich dauern die Brände an. An der Atlantikküste nahe Bordeaux sind zahlreiche Waldbrände weiterhin nicht unter Kontrolle. Frankreich erreicht dieses Jahr mit über 40.000 Hektar verbrannter Fläche allein westlich von Bordeaux und über 80.000 Hektar landesweit einen neuen Rekord, das zeigen Satellitendaten. Seit Beginn des Großbrands vor einer Woche waren im Département Gironde mehr als 220.000 Menschen aufgerufen worden, sich in Sicherheit zu bringen.
Die Präfektin des Départements, Sophie Brocas, erklärte, das Feuer sei weiterhin aktiv – allerdings stabilisiert. Die Nacht in Gironde sei „ruhig“ gewesen. Insgesamt seien 2.750 Feuerwehrleute, 23 Löschflugzeuge und über 1.400 Polizeikräfte im Einsatz, so Brocas. 110 Feuerwehrleute seien inzwischen im Einsatz verletzt worden.
Schneisen mit einer Gesamtlänge von 120 Kilometern wurden bereits angelegt. Am Vorabend durften 57.000 Anwohner von drei Gemeinden nahe Bordeaux nach einem Evakuierungsaufruf in ihre Häuser zurückkehren. In der Nacht seien allerdings erneut Feuer im Brandgebiet nahe Bordeaux aufgeflackert. An 14 Stellen habe es Neuausbrüche gegeben – mit Rauchsäulen, die kilometerweit zu sehen waren. Der Himmel leuchte gelb, es regne Asche: Die Bilder aus den Waldbrandgebieten in Frankreich und Spanien wirken apokalyptisch.
Der Wetterdienst Météo France warnte vor einem Anstieg des Waldbrandrisikos. Für Gironde und das benachbarte Département Les Landes wird die zweithöchste Hitzewarnstufe erwartet. Im Landesinneren Gironde werden Temperaturen bis zu 41 Grad Celsius vorausgesagt. Die Feuerwehr warnte vor einem „äußerst hohen Risiko erneuter Brandausbrüche“. Für morgen werden Gewitter in Gironde erwartet.
Auch Portugal, Italien und Griechenland betroffen
Die Brände bei Bordeaux sind so heiß, dass über ihnen eigene Gewitterwolken mit Blitzen und Extremwinden entstehen. Was gerade westlich von Bordeaux passiert, ist historisch gesehen tatsächlich eine Ausnahme, erklärte Thomas Hickler. Das liege auch daran, dass dort eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Westeuropas stehe, vor allem mit Seekiefern, die gut brennen. Die Brandfläche habe sich innerhalb der vergangenen zwei Tage insgesamt nicht nennenswert ausgedehnt, das Feuer sei jedoch nicht unter Kontrolle. In einigen Orten Gironde seien Flammen erneut aufgeflammt, konnten aber rasch gelöscht werden.
Auch aus Portugal wurden in den vergangenen Tagen Brände gemeldet. In Italien kämpft die Feuerwehr ebenfalls gegen zahlreiche Brände. Allerdings haben die Feuer längst nicht das Ausmaß wie in Frankreich und Spanien. Betroffen sind insbesondere Regionen auf dem Festland im Süden sowie Italiens größte Inseln Sizilien und Sardinien.
Derweil ist auch auf der griechischen Insel Paros ein großer Waldbrand ausgebrochen. Die Feuerwehr auf der Kykladen-Insel ist laut der Zeitung Proto Thema seit dem Vortag mit Dutzenden Kräften im Dauereinsatz und forderte Unterstützung von umliegenden Inseln wie Naxos und Syros sowie vom Festland an. Erschwert würden die Löscharbeiten durch kräftigen Wind, der Meteorologen zufolge am Mittwoch noch stärker werden dürfte. Flüge mit Löschflugzeugen und Helikoptern wurden demnach über Nacht unterbrochen.
Offene Fragen bei anhaltender Hitzewelle
Mehrere Ortschaften wurden wegen der vorrückenden Flammenfront evakuiert, Bewohner sollten laut Medienberichten auf Geheiß der Rettungskräfte an die Strände flüchten. Insbesondere die Ortschaft Agkairia sei von den Flammen bedroht, heißt es. Bisher war Griechenland in diesem Jahr weitgehend von Hitzewellen verschont geblieben. Größere Tourismus-Hotspots sind von den Bränden bislang nicht betroffen.
Die Behörden in den betroffenen Ländern beobachten die Wetterentwicklung mit Sorge. Die kommenden Tage gelten als entscheidend dafür, ob die bisher erzielten Fortschritte bei der Eindämmung der Brände Bestand haben oder die Feuer durch die neue Hitzewelle erneut aufflammen.
Insgesamt verdeutlichen die Brände in Spanien, Frankreich, Portugal, Italien und Griechenland die wachsende Belastung durch Extremwetterereignisse in Südeuropa. In Spanien dauert der Einsatz gegen das Großfeuer in Ávila an, parallel laufen die Löscharbeiten in der Region Madrid und in Toledo. Auch in Castellón östlich von Madrid kämpfen die Einsatzkräfte weiter gegen ein Feuer, das bislang nicht unter Kontrolle gebracht werden konnte.
Fragen & Antworten
Wer hat die Rückkehr der Evakuierten um Madrid angeordnet?
Das spanische Innenministerium sowie der Präfekt der Region Madrid, Francisco Martin Aguirre, kündigten die Lockerung der Schutzmaßnahmen an; Innenminister Fernando Grande-Marlaska äußerte die Hoffnung, dass am Mittwoch mit dem Ablöschen verbliebener Glutnester begonnen werden kann.
Wie groß ist die zerstörte Fläche in Spanien?
Nach vorläufigen amtlichen Schätzungen wurden in Spanien insgesamt rund 80.000 Hektar Wald- und Buschland zerstört, davon allein knapp 50.000 Hektar in der Provinz Ávila – das entspricht etwa 500 Quadratkilometern und ist die größte Brandfläche seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1968.
Warum besteht trotz der Rückkehr weiter Grund zur Sorge?
Der spanische Wetterdienst AEMET kündigte den Beginn der vierten Hitzewelle des Sommers mit Temperaturen bis zu 42 Grad und starkem Wind an, wodurch die Brände nach Einschätzung der Einsatzkräfte wieder aufflammen könnten.