Waldbrand Bordeaux: 20.000 Evakuierte – Feuerwehr im Einsatz | finanz360
Waldbrand bei Bordeaux: Rund 20.000 Menschen in Sicherheit gebracht
Bordeaux, 23. Juli 2026
Paebi / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Ein großer Waldbrand hat an der französischen Atlantikküste nahe Bordeaux mehrere Tausend Touristen und Anwohner zur Flucht gezwungen. Rund 500 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen, die sich bereits über 2.000 Hektar Kiefernwald ausgebreitet haben.
Ein Waldbrand an der französischen Atlantikküste nahe Bordeaux hat am Mittwoch rund 20.000 Menschen, darunter 10.000 Touristen, zur Evakuierung gezwungen; etwa 500 Feuerwehrleute sind im Einsatz gegen die Flammen.
Ausbruch und Ausbreitung des Feuers
Am Mittwochmittag brach das Feuer in der Ortschaft Saumos in der beliebten Urlaubsregion aus und sich erst auf den Ort Le Porge und dann auf Lège Cap-Ferret zubewegt. Das Flammenmeer entwickelte sich inmitten der Hochsaison an der Atlantikküste in der Nähe von Arcachon südwestlich von Bordeaux und breitete sich rasch in den ausgedehnten Kiefernwäldern aus.
Die Präfektur des Departements Gironde teilte am Donnerstagfrüh mit, dass insgesamt rund 20.000 Menschen vorsorglich in Sicherheit gebracht wurden. Betroffen seien Urlauber von acht Ferienzentren und drei Campingplätzen, teilte die Präfektur des Departements Gironde am Morgen mit.
Ausmaß der Evakuierungen
Am Mittwoch wurden rund 12.000 Menschen in Sicherheit gebracht. 12.000 Touristen und Bewohner wurden aus Campingplätzen und anderen Ferienunterkünften in evakuiert, später folgten weitere 8.800 Menschen von Campingplätzen, so die Nachrichtenagentur AFP. Am Donnerstag dann gab es einen weiteren Evakuierungsbefehl, der rund 8800 Menschen betraf.
Aus Sicherheitsgründen ordnete die Präfektin des Departements Gironde am Nachmittag umfangreiche Evakuierungen an. In neun Orten der Region seien 2.500 der Evakuierten vorübergehend aufgefangen worden. Evakuierte Bewohner und Betroffene wurden zum nahegelegenen Urlaubsort Lacanau dirigiert, Hunderte Touristen vom Campingplatz des Ortes Le Porge etwa mussten ein Notquartier in einer Halle im unweit gelegenen Lège-Cap-Ferret beziehen.
Einsatzkräfte und Maßnahmen
Bei dem sehr heftigen Brand seien weiterhin 500 Feuerwehrleute im Einsatz, die sich Schritt für Schritt darum bemühen, ihn einzudämmen. Um Saumos, im Becken von Arcachon, sind 700 Feuerwehrleute im Einsatz. Die Feuerwehr war damit beschäftigt, für ihren Nachschub wichtige Strassen befahrbar zu halten.
Am Mittwochabend waren bereits vier Löschflugzeuge und 150 Einsatzfahrzeuge gegen die Flammen im Einsatz. Am Morgen sollten zusätzliche Löschflugzeuge in die Region verlegt werden. Auch Militärkräfte sind in der Region im Einsatz. Löschflugzeuge sollen die Flammen eindämmen.
Die Gendarmerie habe die Evakuierungen begleitet und sichere die betroffenen Ferieneinrichtungen ab. Die Evakuierungsmaßnahmen und Straßensperrungen wurden von rund 90 Beamten der Gendarmerie koordiniert. Auf der Halbinsel, wo der Campingplatz geräumt wurde, schlossen die Einheimischen ihre Läden, der Strand war verwaist, wie die Zeitung Sud-Ouest berichtete.
Der jüngste Brand war gestern in der Nähe der Bucht von Arcachon ausgebrochen. hat sich bereits auf einer Fläche von 2.000 Hektar ausgedehnt. Auf 2400 Hektar Fläche hat sich der Brand bis zum Donnerstagmittag ausgedehnt. Le Monde berichtete unter Berufung auf die Feuerwehr, dass bisher rund 2.400 Hektar Land verbrannten.
Rekordwerte und Wetterlage
Seit Mittwoch wüten Waldbrände an der französischen Westküste bei Bordeaux. Insgesamt brannten bereits 44.000 Hektar ab. Damit wurde der bisherige Höchststand von 2022 übertroffen. Frankreich verzeichnet einen neuen Höchststand an verbrannter Fläche. Allein zwischen Jänner und Mitte Juli wurden bereits über 42.000 Hektar Land durch Brände zerstört.
Für die weitere Bekämpfung des Brandes bleiben die Wetterbedingungen unterdessen laut Präfektin Brocas angesichts der im Laufe des Tages erwarteten «unberechenbaren Winde» und der starken Hitze «ungünstig». Starker Wind erschwere die Löscharbeiten. Die Lage sei weiterhin ungünstig, betonte die Präfektur. Die Bevölkerung wurde zu größter Vorsicht gemahnt.
In der Region wird laut Wetterdienst Météo Media Temperaturen mit bis zu 34 Grad gerechnet. Angesichts einer Hitzewelle mit Temperaturen von teils deutlich über 40 Grad kämpft die Feuerwehr auch in Italien mit zahlreichen Waldbränden in Regionen wie Kalabrien, Apulien, der Toskana und Sardinien. Verschärft wurde die Situation durch den starken Schirokko-Wind.
Innenminister Nuñez erklärte, in Frankreich seien seit Jahresbeginn mehr als 12.500 Waldbrände registriert worden. Das Innenministerium hat seit Beginn des Jahres 12.500 Brände verzeichnet. In Süd- und Westeuropa sind derzeit mehrere tausend Kräfte gegen das Feuer im Einsatz.
Ursachen und Personenschaden
Am Dienstag erst waren bei einem anderen Naturbrand am Flughafen von Bordeaux zwei Feuerwehrmänner ums Leben gekommen, die in ihrem Fahrzeug von den Flammen eingeschlossen wurden. Ein Feuerwehrmann starb während eines Löscheinsatzes vermutlich infolge eines medizinischen Notfalls. Bislang sei niemand verletzt worden, betonte die Präfektur.
Nach Angaben des Bürgermeisters von Le Porge, Martial Zaninetti, wurde das Feuer von einem Gerät zum Roden ausgelöst. Die Einsatzkräfte gingen von einem unbeabsichtigten Vorfall aus. Das müsse aber noch bestätigt werden. Ein abgelegenes Haus soll zerstört worden sein.
Militärische Unterstützung
Bis Ende Juli soll eine großer Militär-Airbus vom Typ A400M zu einem Löschflugzeug umgerüstet werden, kündigte die Regierung am Donnerstag an. Damit sollen während eines einzigen Einsatzes 20 Tonnen Wasser abgeworfen werden können. Es können auch Chemikalien versprüht werden, die die Ausbreitung eines Brandes verlangsamen.
Es ist eine Katastrophe mitten in der Hochsaison: An der französischen Atlantikküste in der Nähe von Arcachon südwestlich von Bordeaux breiten sich die Feuer in den Kieferwäldern weiterhin rasant aus. In der Region machen traditionell auch viele Deutsche Urlaub.
Lage in Spanien
Die Situation ist dramatisch, so der ARD-Korrespondent Michael Strempel. Wegen der regenreichen Zeit zu Jahresbeginn seien die Gräser hoch gewachsen und in der Hitzewelle schließlich schnell ausgetrocknet. So konnten sich die Feuer nun schnell ausbreiten. Zudem seien viele Weinberge stillgelegt worden und nun als natürlicher Brandstopper verschwunden. Auf den überwucherten Flächen kommt das Feuer nun schnell voran.
Auch in Spanien wüten Brände: Das Feuer in der Sierra Norte, das seit dem 16. Juli mehr als 32.000 Hektar zerstört hat und zu den größten Bränden der jüngeren Geschichte des Landes zählt, hat sich nach Behördenangaben in der Nacht weiter stabilisiert. Insgesamt verbrannten heuer in Spanien schon fast 125.000 Hektar, knapp dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez rief bei einem Besuch des Brandgebiets am Mittwoch zu einem "Staatspakt gegen den Klimanotstand" auf.
Fragen & Antworten
Wie viele Menschen wurden wegen des Waldbrands bei Bordeaux evakuiert?
Insgesamt wurden rund 20.000 Menschen vorsorglich in Sicherheit gebracht, darunter etwa 10.000 Touristen aus acht Ferienzentren und drei Campingplätzen. Am Mittwoch waren es zunächst rund 12.000 Personen, am Donnerstag folgten weitere 8.800.
Wie ist die aktuelle Lage an der französischen Atlantikküste?
Das Feuer hat sich bis Donnerstagmittag auf etwa 2.400 Hektar ausgebreitet, 500 bis 700 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge sind im Einsatz. Die Präfektin Brocas bezeichnete die Wetterbedingungen mit unberechenbaren Winden und großer Hitze als weiterhin ungünstig.
Welche Ursache hat der Waldbrand bei Le Porge?
Nach Angaben des Bürgermeisters von Le Porge, Martial Zaninetti, wurde das Feuer von einem Rodungsgerät ausgelöst. Die Einsatzkräfte gingen bislang von einem unbeabsichtigten Vorfall aus, eine Bestätigung steht noch aus.