Zum zehnten Jahrestag des Putschversuchs vom 15. Juli 2016 hat ein Experte der Europäischen Union vorgeworfen, die Demokratisierung der Türkei sei ihr "ziemlich egal".

Der gescheiterte Putschversuch jährt sich am 15. Juli 2026 zum zehnten Mal. Für Recep Tayyip Erdoğan, der den Putsch der Gülen-Bewegung zuschrieb und ihn als "Geschenk Gottes" bezeichnete, war er ein politischer Wendepunkt. In den Jahren danach hat sich die Türkei immer stärker auf den Staatschef zugespitzt, dessen AKP-Partei seit mehr als 20 Jahren regiert. "Die Türkei ist mehr als Erdoğan", sagte nun ein Experte, der die Folgen des Putsches für das Land bilanzierte.

Die innenpolitische Lage gilt als zugespitzt. Ekrem İmamoğlu, der ehemalige Bürgermeister Istanbels und stärkste Herausforderer des Staatschefs, befindet sich seit März 2025 in Haft. Im Mai 2026 setzte ein Gericht zudem die gesamte Führung der oppositionellen CHP um Özgür Özel ab. Im Vorfeld der Urteile wurden laut Berichten mehr als 200 Regimekritiker verhaftet. Die CHP ist eine der ältesten Parteien des Landes und gilt als wichtigste Kraft im politischen Lager der Opposition.