Zahl der Toten nach Doppelerdbeben in Venezuela steigt auf mehr als 3.300
Caracas, 05 Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem Doppelerdbeben in Venezuela ist die Zahl der geborgenen Toten auf 3.342 gestiegen. Die Regierung um Interimspräsidentin Delcy Rodríguez sieht sich wachsender Kritik wegen einer als zögerlich empfundenen Katastrophenhilfe ausgesetzt.
Caracas, 05 Juli 2026
Nach dem schweren Doppelerdbeben in Venezuela ist die offizielle Zahl der Todesopfer nach Regierungsangaben auf 3.342 gestiegen, während internationale Helfer, Überlebende und Hilfsorganisationen der Regierung eine verspätete und unzureichende Reaktion vorwerfen.
Die beiden Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 hatten das südamerikanische Land am 24. Juni kurz hintereinander erschüttert. Knapp zwei Wochen später dauern die Such- und Bergungsarbeiten in mehreren betroffenen Regionen an, wie das Informationsministerium in Caracas am Sonntag mitteilte.
Demnach seien bisher 3.342 Todesopfer geborgen worden, teilte die Regierung gestern mit. Zudem gebe es 16.470 Verletzte, hieß es aus dem Ministerium. Damit erhöhte sich die amtliche Bilanz im Vergleich zu den zuletzt genannten rund 2.900 Toten nochmals deutlich.
Mehr als 17.300 Menschen verloren den Angaben zufolge ihr Zuhause. Nach offiziellen Angaben stürzten durch die Beben 190 Gebäude ein, weitere 856 Häuser und Gebäude wurden schwer beschädigt. Seit der Katastrophe registrierten die Behörden zudem 942 Nachbeben.
Erhöhte Opferzahlen und großes Ausmaß der Zerstörung
Am schwersten betroffen war der nördlich der Hauptstadt Caracas gelegene Bundesstaat La Guaira. Auch die Küstenstadt Maiquetía und der Ort Catia La Mar gehören zu den am stärksten verwüsteten Gebieten entlang der Karibikküste.
Die US-Erdbebenwarte USGS schätzt, dass bei der Naturkatastrophe bis zu 10.000 Menschen ums Leben gekommen sein könnten. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnte die Zahl der Vermissten aber bei bis zu 50.000 liegen. Zur Zahl der noch Vermissten machte die Regierung keine Angaben.
Parallel wächst die Frustration über eine von einigen als verspätet und unzureichend bezeichnete Reaktion auf die Katastrophe. Überlebende und Hilfsorganisationen werfen den Behörden Schwerfälligkeit und Ineffizienz vor.
Vorwürfe gegen die Regierung
Interimspräsidentin Delcy Rodriguez verteidigte das Vorgehen der Regierung in einer Rede anlässlich des 215. Jahrestags der Unabhängigkeit Venezuelas. „Die Regierung habe unmittelbar nach der Katastrophe gehandelt“, erklärte sie. Zugleich kündigte sie die Schaffung einer neuen Militäreinheit an, die bei Notfällen und Katastrophen helfen soll.
Parlamentspräsident Jorge Rodríguez zufolge wurden 30.000 staatliche Einsatzkräfte mobilisiert. Zusätzlich seien mehr als 3.000 internationale Helfer im Einsatz. Übergangspräsidentin Rodriguez wies Kritik an den Rettungsarbeiten zurück und erklärte, sie habe unverzüglich Sicherheitskräfte entsandt sowie eine Notfalleinheit beim Militär aktiviert.
Rolle von Militär und internationalen Helfern
Unter anderem fehle schweres Gerät zur Trümmerbeseitigung, weshalb die Rettungsarbeiten maßgeblich von Zivilisten und ausländischen Helfern getragen würden. Vor allem fehle es an schwerem Gerät, um Trümmer zu beseitigen und nach Verschütteten zu suchen, berichteten Hilfsorganisationen.
Acht Tage nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben wurde Hernán Gil am Donnerstag lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes gerettet. Der 43-jährige Wachmann war bei den Erdbeben im besonders schwer betroffenen Ort Catia La Mar unter den Trümmern eines eingestürzten mehrstöckigen Gebäudes begraben worden.
Rettung nach acht Tagen: der Fall Hernán Gil
Gil verlor das Zeitgefühl, doch am dritten Tag hörte er Schritte, „allerdings sehr weit entfernt“, wie er berichtete. Er begann um Hilfe zu rufen und schließlich hörte er eine Antwort. Rettungskräfte hatten über Tage hinweg Kontakt zu dem Verschütteten gehalten und ihn mit Wasser versorgt.
Zwei Retter aus Chile und den USA erreichten ihn nach einem mehr als dreitägigen Einsatz. An der Rettung waren Einsatzkräfte aus sieben Ländern beteiligt. In der Küstenstadt Maiquetía wurde zudem ein Mann lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Einkaufszentrums geborgen.
Der Wachmann schilderte der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag die Stunden unter den Trümmern: „Das zweite Beben war unglaublich stark. Als das Gebäude zusammenbrach, fielen Steine auf seinen Kopf. Ich verlor für einen Moment das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, war alles dunkel, von da an war alles ungewiss.“ Über sein Überleben sagte Hernán Gil: „Ich wurde wiedergeboren.“
Politisch bleibt die Lage in Venezuela unübersichtlich. Delcy Rodríguez hatte im Januar die Macht übernommen, nachdem ihr Vorgänger Nicolás Maduro durch einen von den USA forcierten Sturz abgesetzt worden war. Die internationale Anerkennung der Übergangsregierung ist begrenzt, humanitäre Hilfe wird dennoch koordiniert.
Politischer Hintergrund und internationale Reaktion
Mit jeder neuen Schadensbilanz steigt der Druck auf die Übergangsregierung, die Hilfeleistung transparenter zu gestalten. Die Vereinten Nationen drängen auf ungehinderten Zugang für internationale Helfer, während Hilfsorganisationen vor einer weiteren Verschärfung der ohnehin angespannten Lage im Land warnen.
Die Bergung weiterer Opfer und die Versorgung der Zehntausenden Obdachlosen dürften die Übergangsregierung noch Wochen beschäftigen. Internationale Geberländer stellen zusätzliche Mittel in Aussicht, knüpfen diese jedoch an verlässliche Informationen über die Lage vor Ort.
Diese Nachricht wurde am 05.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die Redaktion stützt sich auf Angaben des venezolanischen Informationsministeriums, Schätzungen der Vereinten Nationen sowie Berichte der Nachrichtenagentur AFP.
Auch Tage nach dem Doppelbeben besteht in mehreren Ortschaften Einsturzgefahr. Anwohnerinnen und Anwohner wurden aufgefordert, beschädigte Gebäude nicht zu betreten. Die Behörden registrieren weiterhin Nachbeben und versuchen, die Suche nach Überlebenden mit internationaler Unterstützung fortzusetzen.
Die Differenz zwischen den amtlichen 3.342 Toten und der UN-Schätzung von bis zu 50.000 Vermissten verdeutlicht das Ausmaß der Katastrophe. Beobachter gehen davon aus, dass die endgültige Opferbilanz erst nach Abschluss der Bergungsarbeiten feststehen wird.
Für die Betroffenen bleibt die Lage prekär: Tausende Familien harren in Notunterkünften aus, die medizinische Versorgung ist überlastet, und die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln bleibt vielerorts prekär. Internationale Hilfslieferungen sollen in den kommenden Tagen ausgeweitet werden.
Fragen & Antworten
Wie hoch ist die offizielle Zahl der Todesopfer nach dem Erdbeben in Venezuela?
Nach Angaben des venezolanischen Informationsministeriums in Caracas sind bisher 3.342 Todesopfer geborgen worden, zudem werden 16.470 Verletzte registriert.
Welche Kritik wird an der Übergangsregierung von Delcy Rodríguez geübt?
Überlebende und Hilfsorganisationen werfen den Behörden Schwerfälligkeit und Ineffizienz vor; Interimspräsidentin Delcy Rodríguez weist die Kritik zurück und verweist auf den sofortigen Einsatz von Sicherheitskräften und eine neue Militäreinheit.
Wie schätzt die US-Erdbebenwarte USGS die Zahl der Toten ein, und wie viele Vermisste befürchten die Vereinten Nationen?
Die USGS schätzt, dass bis zu 10.000 Menschen ums Leben gekommen sein könnten, während die Vereinten Nationen die Zahl der Vermissten auf bis zu 50.000 beziffern.
Venezuela Erdbeben: Tote steigen auf 3.342 | finanz360