Was sich im Juli 2026 in Deutschland ändert: Renten, Steuern, Flugticketabgabe und mehr
Berlin, 30. Juni 2026
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Kurzfassung
Zum 1. Juli 2026 treten in Deutschland zahlreiche neue Regeln in Kraft: Die Renten steigen um 4,24 Prozent, die Luftverkehrsteuer sinkt, das Bürgergeld wird durch eine neue Grundsicherung mit schärferen Sanktionen ersetzt und auf Pakete aus Billig-Onlineshops außerhalb der EU fällt eine Pauschalgebühr.
Zum 1. Juli 2026 treten in Deutschland zahlreiche gesetzliche Änderungen in Kraft, die Millionen Bürgerinnen und Bürger betreffen – von höheren Renten über eine niedrigere Luftverkehrsteuer bis hin zu neuen Regeln bei der Grundsicherung und bei Zollgebühren auf Billigimporte.
Höhere Renten für mehr als 21 Millionen Menschen
Rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland erhalten ab Juli mehr Geld. Die Bezüge steigen um 4,24 Prozent. Der allgemeine Rentenwert erhöht sich nach den vorliegenden Angaben von 40,79 Euro auf 42,52 Euro. Die Anpassung orientiert sich an der Lohnentwicklung und ist nach Angaben aus den vorliegenden Quellen bereits zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren höher als vier Prozent.
Wie hoch der Zuwachs konkret ausfällt, hängt vom individuellen Rentenbezug ab. Ein 'Standardrentner' mit durchschnittlichem Verdienst und 45 Beitragsjahren würde den Angaben zufolge eine um 77,85 Euro höhere Rente im Monat erhalten. Wer rund 1.000 Euro Rente bezieht, bekommt demnach etwa 42,40 Euro mehr. Auch die Einkommensfreibeträge bei Witwen- und Waisenrenten werden angehoben.
Sinkende Luftverkehrsteuer und Aus für den Tankrabatt
Wer aus einem deutschen Flughafen startet, zahlt ab Juli weniger Ticketsteuer. Die Luftverkehrsteuer sinkt je nach Strecke um einen Betrag zwischen 2,50 Euro und 11,40 Euro pro Flug, was die Abgabe um rund 16 Prozent senkt und auf das Niveau vor der Erhöhung vom 1. Mai 2024 zurückführt. Auf Mittelstrecken sinkt die Steuer demnach von 39,34 Euro auf 33,01 Euro, auf Kurzstrecken ist ein Wert von 13,03 Euro in der Tabelle ausgewiesen.
Die Senkung war vom Bundestag im Mai beschlossen worden. Die Steuer fällt grundsätzlich bei allen Abflügen von einem deutschen Flughafen an, ausgenommen sind reine Transitpassagiere. Auch der sogenannte 'Tankrabatt' auf Kraftstoffe läuft wie geplant am 30. Juni aus. Nach Darstellung der Bundesregierung ist man auf mögliche Preissprünge vorbereitet: Sollten die Preise wider Erwarten explodieren, ist unser Instrumentenkasten voll und wir können innerhalb von 14 Tagen auch in der sitzungsfreien Zeit Beschlüsse mit dem Deutschen Bundestag fassen, indem wir eine Sondersitzung einberufen, sagte Sepp Müller, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Aus Bürgergeld wird Grundsicherungsgeld
Das bisherige Bürgergeld wird im Juli in eine neue Grundsicherung umgewandelt, die unter dem Namen 'Grundsicherungsgeld' schärfere Regeln und härtere Sanktionen vorsieht. Die Höhe der Sozialleistung ändert sich nicht. Die bisherige Karenzzeit, in der Leistungsbezieher mehr Vermögen behalten durften, wird abgeschafft. Das geschützte Vermögen (Schonvermögen) wird künftig nach Alter gestaffelt: 5.000 Euro bis 30 Jahre, 10.000 Euro bis 40, 12.500 Euro bis 50 und 20.000 Euro ab 50. Bisher waren im ersten Jahr 40.000 Euro und danach 15.000 Euro geschützt. Zudem müssen Alleinerziehende mit Kindern ab 15 Monaten dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, statt wie bisher erst ab drei Jahren. Für Menschen, die Bürgergeld beziehen, gelten schärfere Regeln bis hin zu möglichen Total-Sanktionen, heißt es dazu.
Mindestlohn in der Pflege steigt
Im Pflegesektor steigt der Mindestlohn zum 1. Juli: Pflegehilfskräfte erhalten 16,52 Euro pro Stunde statt 16,10 Euro, qualifizierte Pflegehilfskräfte 17,80 Euro statt 17,35 Euro und Fachkräfte in der Pflege 21,03 Euro statt 20,50 Euro. Die Bundesregierung hat dies per Verordnung festgelegt. Rund 1,3 Millionen Beschäftigte arbeiten den vorliegenden Angaben zufolge in Einrichtungen, die unter den Pflegemindestlohn fallen.
Zollgebühr auf Billigimporte aus Drittstaaten
Auf Bestellungen bei Billig-Onlineshops aus Nicht-EU-Ländern wie Temu, Shein oder AliExpress wird ab Juli eine flache Zollgebühr von drei Euro je Paket mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro erhoben, gestaffelt nach angemeldeter Produktkategorie. Bislang waren Waren bis 150 Euro zollfrei. Innerhalb der EU fallen Steuern und Zölle grundsätzlich weg – Ausnahmen gelten lediglich für Kaffee, Alkohol sowie Tabakwaren und deren Ersatzprodukte. Einige Versanddienstleister verlangen darüber hinaus eine Servicepauschale für die Zollanmeldung, wenn der Absender dies nicht schon erledigt hat. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Berlin könne eine Handyhülle im Wert von 7 Euro so am Ende knapp 20 Euro kosten.
Die Pfändungsfreigrenze für Alleinstehende steigt zum 1. Juli auf 1.587,40 Euro netto im Monat, nachdem sie zuvor 1.555 Euro betrug. Für Pfändungsschutzkonten wird der Betrag auf den nächsten vollen Zehn-Euro-Wert aufgerundet, sodass dort 1.590 Euro gelten. Die Freigrenzen werden seit 2021 jährlich – statt wie zuvor alle zwei Jahre – an die Lebenshaltungskosten angepasst.
Steuererklärung per App und weitere Verbraucherregeln
Bei der Steuererklärung bringt Juli 2026 eine digital-neu Erleichterung: Eine Einkommensteuererklärung per App auf dem Smartphone oder Tablet soll für erste Gruppen bundesweit verfügbar werden. Ab 1. Juli soll die Steuererklärung per App auf dem Smartphone oder Tablet mit nur einem Klick für die ersten Anwendergruppen bundesweit verfügbar sein. In der ersten Runde dabei sein können rund 11,5 Millionen Menschen, darunter ledige kinderlose Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Rentner und Pensionäre. Die Frist für selbst erstellte Erklärungen für das Kalenderjahr 2025 endet am 31. Juli 2026, für beratene Fälle gilt der 30. April 2027.
Weitere Neuerungen betreffen Verbraucherthemen: Händler müssen ab Juli Rückgabemöglichkeiten für E-Zigaretten vorhalten, kosmetische Produkte mit bestimmten allergenen Duftstoffen werden kennzeichnungspflichtig, ein 'Recht auf Reparatur' tritt in Kraft und die Chemikalie BPA wird in Lebensmittelverpackungen verboten. Ebenfalls neu: Paragraf 4c im Straßenverkehrsgesetz verbietet es künftig, Punkte in Flensburg auf eine andere Person zu übertragen. Verstöße und Versuche können mit Bußgeldern in einer Höhe von bis zu 30.000 Euro geahndet werden. Für den Kölner Dom gilt ab 1. Juli zudem ein Eintrittspreis von 12 Euro, um gestiegene Kosten für Pflege, Schutz und laufenden Betrieb zu decken.
Schließlich wird der Wolf in das Bundesjagdgesetz aufgenommen. Die Länder können damit die Jagd in Regionen erlauben, in denen sich der Wolf in einem günstigen 'Erhaltungszustand' befindet. Die Jagdzeit ist vom 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen. Wenn ein Wolf Weidetiere getötet oder verletzt hat, darf er unabhängig von Erhaltungszustand und Jagdzeit geschossen werden.
Mit dem Inkrafttreten der Änderungen beginnt zugleich die parlamentarische Sommerpause. Beobachter rechnen damit, dass insbesondere die Rentenanpassung und die Reform der Grundsicherung in den kommenden Wochen die politische Debatte bestimmen werden.
Fragen & Antworten
Wie hoch fällt die Rentenerhöhung im Juli 2026 aus?
Die Renten in Deutschland steigen zum 1. Juli 2026 um 4,24 Prozent. Der allgemeine Rentenwert erhöht sich von 40,79 Euro auf 42,52 Euro, wovon nach den vorliegenden Angaben rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner profitieren.
Was ändert sich beim Bürgergeld beziehungsweise bei der neuen Grundsicherung?
Das Bürgergeld wird im Juli 2026 in 'Grundsicherungsgeld' umbenannt. Es gelten strengere Regeln mit möglichen Total-Sanktionen, das geschützte Vermögen wird nach Alter gestaffelt und die Karenzzeit entfällt. Die Höhe der Leistung bleibt gleich.
Welche Zollregel gilt künftig für Bestellungen bei Temu, Shein und ähnlichen Shops?
Ab Juli 2026 fällt auf Pakete aus Nicht-EU-Ländern mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro eine flache Zollgebühr von drei Euro je Paket an, gestaffelt nach angemeldeter Produktkategorie. Bisher waren solche Sendungen bis 150 Euro zollfrei.
Änderungen Juli 2026: Rente, Steuern, Flugticket, Zoll | finanz360