Waldbrand in Andalusien fordert zwölf Tote – Suche nach Vermissten dauert an
Madrid, 11. Juli 2026
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Kurzfassung
Ein verheerender Waldbrand in der südspanischen Provinz Almería hat mindestens zwölf Menschenleben gefordert und eine Fläche von rund 6600 Hektar Wald und Buschland zerstört. Rund 1450 Menschen mussten evakuiert werden, 23 Personen gelten als vermisst, während Hunderte Einsatzkräfte gegen die Flammen kämpfen.
Ein seit Donnerstag wütender Waldbrand in der andalusischen Provinz Almería hat mindestens zwölf Menschen das Leben gekostet, etwa 1450 Menschen in die Flucht getrieben und eine Fläche von rund 6600 Hektar Wald und Buschland vernichtet.
Ausbruch und Ursache des Feuers
Das Feuer war am Donnerstagnachmittag in einem Waldgebiet rund um die Gemeinde Los Gallardos und den nahegelegenen Weiler Bédar ausgebrochen, etwa 70 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Almería und rund 300 Kilometer nordöstlich von Málaga. Als Ursache wird eine herabgefallene Stromleitung vermutet, die in die ausgetrocknete Vegetation stürzte. Nach Angaben des gerichtsmedizinischen Instituts in Almería wurden DNA-Proben zur Analyse nach Madrid geschickt, um die Identität der Opfer zweifelsfrei festzustellen.
Die Flammen breiteten sich laut dem Regionalpräsidenten zeitweise mit einer Geschwindigkeit von 15 Kilometern in zwei Stunden aus; am Freitag wurde sogar eine Ausbreitung von 100 Metern pro Minute gemessen. Viele der Todesopfer waren in der Nacht auf Freitag – wenige Stunden nach Ausbruch des Feuers – auf den Straßen von den Flammen eingeschlossen worden und verbrannt. Sie wurden von den Flammen in ihren Fahrzeugen eingeschlossen. Vier Menschen wurden in einem Auto gefunden; sie waren vermutlich auf der Flucht über ein ausgetrocknetes Bachbett ums Leben gekommen. Eine weitere Gruppe von neun Personen war laut Behörden in eine Sackgasse geflohen.
Herkunft der Opfer
Nach vorläufigen Behördenangaben handelt es sich bei den Opfern größtenteils um britische und belgische Staatsbürger sowie einen Spanier. Aufgrund verschiedener Indizien gehen die Behörden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass unter den Toten mehrere Briten und Belgier sind. Man müsse aber die Identifizierung der Opfer abwarten. Die zwölf Toten sind nach Behördenangaben vermutlich auf der Flucht vor den Flammen ums Leben gekommen, obwohl die Anweisung lautete, zu Hause zu bleiben. Es handelt sich laut Behörden um Personen, die vor den Flammen fliehen wollten, dabei jedoch eine falsche Fluchtroute gewählt haben.
Evakuierungen und betroffene Orte
Mehr als 1400 Menschen mussten ihre Häuser in der Nacht auf Samstag verlassen, nachdem das Feuer am Vortag in einem Waldgebiet um die Gemeinde Los Gallardos und den nahegelegenen Weiler Bedar ausgebrochen war. Knapp 1.500 Menschen mussten ihre Häuser und einen Campingplatz verlassen, darunter auch Touristen vor allem aus Großbritannien. Rund 400 Gäste eines Campingplatzes wurden seit Donnerstag in Sicherheit gebracht. Die Flammen lodern auch unweit beliebter Mittelmeerstrände wie Playa de Mojácar.
Im Einsatz sind etwa 500 Feuerwehrleute sowie Soldaten. Auch mehr als 20 Löschflugzeuge sind im Einsatz. 500 Soldaten und Rettungskräfte sowie 30 Löschflugzeuge und Hubschrauber sind rund um die Gemeinden Los Gallardos und Bédar stationiert. Bodentruppen werden von Luftrettungsteams unterstützt. Auch Einheiten des spanischen Heeres unterstützen den Einsatz. Die Guardia Civil konzentrierte sich dabei auf die Gemeinde Bédar, wo sich das Feuer nach Behördenangaben besonders überraschend und schnell ausbreitete. Rettungskräfte durchkämmten Häuser in Bédar systematisch Haus für Haus.
Lage der Löscharbeiten
Der andalusische Katastrophenschutzminister Antonio Sanz erklärte, man könne nun erstmals direkt gegen die Flammen vorgehen. Bislang haben wir daran gearbeitet, das Feuer einzudämmen und ein Übergreifen auf die Flanken zu verhindern. Heute können wir es erstmals aktiv bekämpfen. Eine höhere Luftfeuchtigkeit und schwächere Winde erleichterten nach Angaben der Einsatzkräfte die Löscharbeiten. Am Samstagmittag war der Wind schwach und die relative Luftfeuchtigkeit lag bei 50 Prozent – ein Zeitfenster für die Offensive. Wegen günstigerer Wetterbedingungen macht die Feuerwehr Fortschritte bei der Brandbekämpfung.
Der Brand sei weiterhin unberechenbar, breite sich jedoch dank des Einsatzes von mehr als 500 Feuerwehrleuten und Soldaten nicht weiter in Richtung der Autobahn aus. Die am Freitag teilweise gesperrte Autobahn A7 wurde wieder freigegeben. Félix Bolaños, sagte am Einsatzleitstand, Teile des Feuers seien bereits nahezu stabilisiert, die Lage bleibe aber in einigen Abschnitten schwierig. Erstmals seit dem Ausbruch am Donnerstag seien im Einsatz gegen einen der tödlichsten Waldbrände in der neueren Geschichte Spaniens Löscharbeiten im "Angriffsmodus" möglich.
Nach offiziellen Angaben wird weiterhin nach 23 Menschen gesucht. Allerdings wurden bisher nur sieben Vermisstenanzeigen gestellt. Zudem seien acht Menschen verletzt worden, vier von ihnen schwer. Sieben Personen gelten weiterhin als vermisst. Antonio Sanz sagte, es gebe derzeit keine Hinweise auf weitere Todesopfer. Die Guardia Civil hat alle Gebiete durchkämmt und uns mitgeteilt, dass sie keine weitere Person gefunden hat. Sanz fügte hinzu, dies könne sich noch ändern. Wir können den heutigen Tag mit besseren Aussichten als gestern angehen.
Das Feuer zerstörte bislang eine Fläche von rund 6600 Hektar. Das entspricht nach Angaben des Senders RTVE unter Berufung auf einen Sprecher rund 9400 Fußballfeldern. Nach Schätzung der Region seien dadurch weitere rund 3.500 Hektar Wald, mehr als drei Millionen Bäume und mehrere Ortschaften vor den Flammen bewahrt worden. Die Topographie des Gebiets erschwert sowohl Evakuierungen als auch Löscharbeiten, da schwere Feuerwehrfahrzeuge die zahlreichen Schluchten nicht erreichen können.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Der Bürgermeister von Los Gallardos, Francisco Miguel Reyes, beschrieb die Lage mit drastischen Worten: Es sieht aus, als wäre eine Bombe explodiert. Reyes bezeichnete das Feuer als das verheerendste in der Geschichte Andalusiens. Antonio Sanz sprach von einer «beispiellosen Tragödie» und nannte den Waldbrand den mit den bislang schwerwiegendsten Folgen in Andalusien. «Der Schmerz ist unermesslich. Andalusien trauert, und unser Herz ist bei Almería und allen Betroffenen.»
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reagierte erschüttert auf die Todesfälle bei dem Waldbrand. "Die Nachrichten über die Feuerkatastrophe in Andalusien sind bestürzend", erklärte Merz am Samstag im Onlinedienst X. Er habe dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez seine Anteilnahme ausgesprochen und hoffe, dass die vielen Verletzten und Angehörigen der Opfer "Trost finden". Bundeskanzler Merz bezeichnete die Lage als bestürzend.
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez wird am Montag in den betroffenen Gebieten erwartet, um die Unterstützung der Regierung in die betroffenen Gebiete zu bringen. In der bei Touristen beliebten Provinz Almeria wurden weitere Orte evakuiert. Zwei Personen wurden festgenommen, weil sie Evakuierungsanordnungen missachtet hatten und in ein vom Feuer bedrohtes Gebiet zurückkehren wollten.
Waldbrände in weiteren Teilen Europas
Spanien, Portugal und andere europäische Länder werden seit Wochen von einer Serie von Waldbränden heimgesucht. Seit Donnerstag brennen im Süden Spaniens große Waldflächen. Seit Jahresbeginn haben großflächige Brände allein in Spanien nach Angaben des Europäischen Waldbrand-Informationssystems (EFFIS) der Europäischen Kommission mehr als 60.000 Hektar Land zerstört. Die Brände in Andalusien werden durch die Hitzewelle angefacht. Für die kommende Woche wird eine Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 38 Grad Celsius erwartet.
Auch im norditalienischen Piemont toben seit Donnerstag Waldbrände. Die Waldbrände, die seit Donnerstag im norditalienischen Piemont toben, haben nach Angaben der Regionalregierung eine "ökologische Katastrophe" ausgelöst. Bisher seien zwischen 800 und 900 Hektar in den Provinzen Turin, Vercelli, Novara und Verbano-Cusio-Ossola verbrannt. Nach Angaben der Region gingen rund 700.000 Bäume verloren. Die Region führt die Brände auf die anhaltende Hitze und Trockenheit seit Ende Mai zurück. Begünstigt worden seien sie durch starke Föhnwinde. Nach Einschätzung der Regionalregierung werden sich erste Pflanzen innerhalb von zwei bis fünf Jahren erholen. Bis die betroffenen Eichen-, Buchen- und Nadelwälder ihre ursprüngliche Struktur wieder erreichen, dürften jedoch 50 bis 70 Jahre vergehen. Der Regionalbeauftragte für Berggebiete, Marco Gallo, kündigte Programme zur Wiederherstellung der betroffenen Waldflächen nach dem Vorbild der Maßnahmen nach den Großbränden von 2017 an.
Europa leidet unter einer als beispiellos beschriebenen extremen Hitzewelle. In Frankreich werden die Temperaturen in 37 zentralen Departements 40 Grad übersteigen. Wegen der Hitzewelle wurde in Frankreich ein Notfallprotokoll ausgelöst. Viele Bürger fliehen aus den Städten in die Berge, um Linderung zu suchen. Wahrzeichen wie der Eiffelturm und das Louvre-Museum werden am Nachmittag vorzeitig schließen, da die historischen Strukturen nicht dafür geeignet sind, den Auswirkungen plötzlicher Klimaveränderungen standzuhalten. Auch im Südwesten Sardiniens kämpfen Feuerwehr und Einsatzkräfte gegen einen großflächigen Vegetationsbrand nahe der Ortschaft Guspini, der auch Flächen mit mediterraner Macchia erfasst hat. Die Löscharbeiten dauerten am Samstag an. Die Einsatzkräfte waren bereits seit dem Morgen im Einsatz.
In Spanien hat die Regionalregierung am Donnerstag keine Warnung über das ES-Alert-Warnsystem ausgegeben, was einen Streit zwischen der Region und der Regierung in Madrid ausgelöst hat. Die Regionalregierung begründete das Ausbleiben einer einheitlichen Warnung damit, dass einige Gebiete eine Abriegelung erforderten, andere eine Evakuierung. Diese Nachricht wurde am 11.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Wie viele Menschen sind bei dem Waldbrand in Almería ums Leben gekommen?
Nach offiziellen Angaben sind mindestens zwölf Menschen bei dem Waldbrand gestorben, die meisten von ihnen vermutlich britische und belgische Staatsbürger sowie ein Spanier.
Was war die Ursache des Feuers in der Provinz Almería?
Als Ursache wird eine herabgefallene Stromleitung vermutet, die in die durch Hitze und Trockenheit ausgetrocknete Vegetation stürzte.
Wie ist der aktuelle Stand der Löscharbeiten?
Nach Angaben des andalusischen Katastrophenschutzministers Antonio Sanz können die Einsatzkräfte erstmals seit Ausbruch des Feuers direkt im Angriffsmodus gegen die Flammen vorgehen, während 23 Menschen weiterhin vermisst werden.