Van der Bellen bleibt Vertrauenssieger vor allen Parteichefs
Wien, 17. Juli 2026
Christophe Licoppe / European Commission / Wikimedia Commons / CC BY 4.0
Kurzfassung
Bundespräsident Alexander Van der Bellen führt das aktuelle Vertrauensranking der heimischen Politik mit einem Saldo von plus 23 deutlich an, während die Parteichefs durchwegs im negativen Bereich liegen. Unter den Regierungsmitgliedern ist Finanzminister Markus Marterbauer das einzige Mitglied mit einem positiven Saldo (plus 11).
Bundespräsident Alexander Van der Bellen liegt im aktuellen Vertrauensindex mit einem Saldo von plus 23 unangefochten an der Spitze, während alle Parteichefs im negativen Bereich rangieren und Finanzminister Markus Marterbauer als einziges Regierungsmitglied einen positiven Wert erzielt.
Der Vertrauensindex Bundespolitik, erhoben vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut im Auftrag der Tageszeitung "Österreich", misst regelmäßig das Vertrauen der Bevölkerung in die wichtigsten Akteure der heimischen Politik. Für die aktuelle Erhebung wurden 1.006 repräsentativ ausgewählte wahlberechtigte Österreicherinnen und Österreicher ab 16 Jahren befragt. Die maximale Schwankungsbreite der Ergebnisse beträgt 3,1 Prozent in beide Richtungen.
Methodik der Erhebung
Der Vertrauenssaldo errechnet sich als Differenz der Prozentwerte "vertraue" minus "vertraue nicht". Mit dieser Methodik führt Van der Bellen das Feld klar an: Er kommt unverändert auf einen Saldo von plus 23 und ist damit die einzige Person im Spitzenfeld, deren Wert seit der letzten Erhebung stabil geblieben ist. Der Bundespräsident genießt damit weiterhin das größte Vertrauen unter den befragten Politikerinnen und Politikern.
Hinter Van der Bellen folgt die Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures mit einem Saldo von plus 15, wobei sie gegenüber der April-Erhebung drei Punkte verlor. Bures bleibt damit aber klar im positiven Bereich und ist die bestplatzierte Vertreterin der SPÖ im Ranking. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) kommt insgesamt auf minus 13.
Bei den Parteichefs ergibt sich ein deutlich anderes Bild. Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger verliert gegenüber der Vorerhebung leicht, liegt aber noch vor Grünen-Chefin Leonore Gewessler, die mit einem Saldo von minus 23 den dritten Rang unter den Parteivorsitzenden belegt. SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler folgt mit einem Saldo von minus 35 knapp vor FPÖ-Chef Herbert Kickl, der mit minus 36 den letzten Platz unter den Parteichefs einnimmt.
Parteichefs im negativen Bereich
Bemerkenswert ist, dass Kickl als einziger Parteichef einen Vertrauenszuwachs verzeichnen konnte: Sein Saldo stieg um sechs Punkte an. Dennoch bleibt er mit minus 36 das Schlusslicht unter den Parteivorsitzenden. Die Dynamik zeigt, dass ein Zugewinn allein nicht ausreicht, um den Rückstand auf die anderen Parteichefs wettzumachen.
Bei den Regierungsmitgliedern ist das Bild gemischt. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) ist das einzige Regierungsmitglied mit einem positiven Saldo: Er kommt auf plus 11 und behauptet damit seine Position als Vertrauensanker der Bundesregierung. Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) liegt mit minus 13 im Mittelfeld der Ministerriege, während Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) nach der Diskussion um die Hitze an den Schulen sechs Punkte verlor und nun bei minus 15 liegt.
Marterbauer als Vertrauensanker der Regierung
Am unteren Ende des Rankings findet sich Staatssekretär Josef Schellhorn mit einem Saldo von minus 38 wieder. Damit hat er die rote Laterne von Kickl übernommen, der sich trotz seines Zugewinns um sechs Punkte weiter verbessert und nun den vorletzten Platz belegt. Nationalratspräsident Walter Rosenkranz (FPÖ) kommt ebenfalls auf minus 36 und liegt damit gleichauf mit Kickl im unteren Drittel des Rankings.
Die Entwicklungen bei der SPÖ fallen besonders ins Auge. Während Babler mit minus 35 den schlechtesten Wert unter den Roten aufweist, können die SPÖ-Regierungsmitglieder rund um Marterbauer und Bures vergleichsweise punkten. Diese Diskrepanz zwischen Parteispitze und Regierungsvertretern deutet auf eine anhaltende Vertrauenslücke zwischen der SPÖ-Basis und der Parteiführung hin.
Diskrepanz bei der SPÖ
Für die NEOS ergibt sich ein differenziertes Bild: Parteichefin Meinl-Reisinger verlor leicht, während Bildungsminister Wiederkehr nach hitzigen Debatten um die Sommerschule und die Hitzebelastung in den Schulen ebenfalls sechs Punkte abgeben musste. Beide NEOS-Vertreter liegen damit im negativen Bereich, wobei Meinl-Reisinger noch klar vor Gewessler und Babler platziert ist.
Die Grünen bleiben mit Gewessler auf einem der hinteren Plätze im Parteichef-Ranking. Ihr Saldo von minus 23 ist zwar besser als jener von Babler und Kickl, aber deutlich schlechter als der Wert von Meinl-Reisinger. Der Abstand zur NEOS-Chefin beträgt rund 13 Saldenpunkte und spiegelt die schwierige Ausgangslage der Grünen nach dem Ausscheiden aus der Bundesregierung wider.
Auffällig ist, dass die einzigen beiden Personen mit klar positivem Saldo – Van der Bellen und Bures – nicht der Bundesregierung angehören. Diese Konstellation unterstreicht die traditionelle Tendenz, dass überparteiliche Ämter und das Staatsoberhaupt in der Bevölkerung ein höheres Vertrauen genießen als die tagespolitischen Akteure. Die regierungsinterne Vertrauenshierarchie wird hingegen von Marterbauer angeführt, der als einziges Regierungsmitglied einen positiven Saldo erreicht.
Überparteiliche Ämter genießen mehr Vertrauen
Insgesamt zeigt die Erhebung, dass die Bundesregierung in der Bevölkerung mit gemischten Gefühlen gesehen wird. Während einzelne Ministerinnen und Minister durchaus Vertrauen genießen, bleibt das Vertrauen in die politische Spitze der im Parlament vertretenen Parteien begrenzt. Die Parteichefs bilden mit Ausnahme des Zugewinns bei Kickl das Schlussfeld des Rankings.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die leichten Aufwärtstrends bei Kickl und Marterbauer verfestigen oder ob die Diskussionen um Themen wie die Hitzebelastung in den Schulen, die Reformpartnerschaft und die Investitionspolitik der Regierung das Vertrauensbild weiter verändern. Die nächste Erhebung des Vertrauensindex Bundespolitk wird zeigen, in welche Richtung sich die Werte entwickeln.
Bemerkenswert bleibt zudem die Tatsache, dass Van der Bellens Wert seit der Vorerhebung stabil geblieben ist. Während alle anderen Spitzenpolitikerinnen und Spitzenpolitiker zwischen drei und elf Punkten verloren oder – im Fall Kickls – sechs Punkte gewannen, konnte der Bundespräsident sein Niveau halten. Dies spricht für eine gefestigte Vertrauensbasis jenseits der tagespolitischen Debatten.
Fragen & Antworten
Wer führt das aktuelle Vertrauensranking der österreichischen Politik an?
Bundespräsident Alexander Van der Bellen liegt mit einem unveränderten Vertrauenssaldo von plus 23 an der Spitze. Damit ist er die einzige Person im Spitzenfeld, deren Wert seit der letzten Erhebung stabil geblieben ist.
Welcher Parteichef schnitt am schlechtesten ab?
FPÖ-Chef Herbert Kickl belegt mit einem Saldo von minus 36 den letzten Platz unter den Parteichefs, obwohl er als einziger Vorsitzender einen Zugewinn von sechs Punkten verzeichnen konnte.
Welches Regierungsmitglied erreicht als einziges einen positiven Vertrauenssaldo?
Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) ist mit einem Saldo von plus 11 das einzige Regierungsmitglied im positiven Bereich. Alle anderen Ministerinnen, Minister und Staatssekretäre liegen im negativen Bereich.
Van der Bellen vorn: Vertrauensranking der Politik Juli 2026 | finanz360