USA und Iran ringen um Deeskalation: Waffenruhe zerbrochen, Gespräche laufen weiter
Washington/Teheran, 10 Juli 2026
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Kurzfassung
Zwischen den USA und dem Iran ist die seit April geltende Waffenruhe de facto beendet, dennoch halten beide Seiten Gespräche am Laufen. US-Präsident Donald Trump erklärte das Abkommen auf dem NATO-Gipfel in Ankara für beendet, schrieb aber zugleich, Washington habe einer Fortführung der Gespräche auf Ersuchen Teherans zugestimmt. Vermittler aus Katar und Pakistan versuchen, die Lage zu entschärfen, während der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nahezu zum Erliegen gekommen ist.
Washington/Teheran, 10 Juli 2026
Nach dem Ende der seit April bestehenden Waffenruhe haben die USA und der Iran ihre Gespräche über eine Beendigung des Konflikts unter Vermittlung Katars und Pakistats fortgesetzt, während US-Präsident Donald Trump das Rahmenabkommen zugleich für gescheitert erklärte.
Trumps widersprüchliche Signale
Die zwischen Washington und Teheran seit April bestehende Waffenruhe ist nach US-Darstellung beendet. US-Präsident Donald Trump erklärte am Mittwoch auf dem NATO-Gipfel in Ankara, das Rahmenabkommen mit dem Iran sei aus seiner Sicht vorbei. „Ich denke, es ist vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum“, sagte Trump auf eine Reporterfrage, ob Waffenruhe und Rahmenabkommen nun Geschichte seien. Zugleich schrieb er auf seiner Plattform Truth Social, Washington habe einer Fortführung der Gespräche auf Ersuchen Teherans zugestimmt, versah das Wort „Gespräche“ allerdings mit Anführungszeichen und schrieb in Großbuchstern, dass die Waffenruhe „OVER“ sei. Wenig später sagte er, er sei „die Nummer eins auf der Todesliste des Irans“ und bezeichnete Teherans Vertreter als Lügner. „Das sind Lügner“, schrieb Trump, und auf dem Gipfel sagte er: „Es ist reine Zeitverschwendung, sich mit ihnen abzugeben.“
Der Konflikt zwischen beiden Ländern hatte sich in den vergangenen Tagen deutlich zugespitzt. Die USA flogen mehrere Angriffswellen gegen Ziele im Iran und begründeten diese mit dem Beschuss von Handelsschiffen in der Straße von Hormus, den Washington Teheran zuschreibt. „Die US-Regierung begründete das mit dem Beschuss von Handelsschiffen, den die USA Teheran zuschreiben“, heißt es in der Berichterstattung. Der Iran reagierte seinerseits mit Angriffen, bei denen auch Verbündete der USA am Persischen Golf wie Kuwait und Bahrain unter Beschuss gerieten. „In der Folge meldeten Verbündete der USA am Persischen Golf wie Kuwait und Bahrain feindlichen Beschuss“, berichten die Quellen. Katar beschuldigte den Iran am Dienstag, einen Gastanker in der Meerenge angegriffen zu haben, bei dem zwei weitere Schiffe getroffen wurden.
Wirtschaftliche Folgen: Schiffsverkehr am Persischen Golf liegt lahm
Die wirtschaftlichen Folgen der Kämpfe sind gravierend. Der Datenanbieter Windward schrieb in einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse auf X, der Schiffsverkehr aus dem Persischen Golf hinaus sei „faktisch zum Erliegen“ gekommen. Laut Kpler-Daten, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, passierten am Donnerstag nur noch 22 Schiffe die Straße von Hormus. „Am Mittwoch seien die Transite demnach noch bei 30 gelegen“, berichtet die dpa. Eine Woche zuvor, vor dem erneuten Ausbruch der Kämpfe, waren es noch 48 Passagen. „Die Durchfahrten sind somit auf einem Abwärtstrend seit ihrem Höchststand Mitte Juni“, stellte der Datendienstleister fest. Während des Krieges war der Transit durch die Meerenge zwischenzeitlich fast vollständig zum Stillstand gekommen. Die Energiepreise stiegen daraufhin deutlich an, was Trump innenpolitisch unter Druck setzte, die Schifffahrt durch die Meerenge rasch wiederherzustellen.
Vermittlungsversuche: Katar und Pakistan
Trotz der gegenseitigen Angriffe und der scharfen Worte halten beide Seiten Gespräche am Laufen. „Die Unterzeichnung des Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran sah damals ein Ende der Kampfhandlungen vor“, erinnert die Berichterstattung. „Gespräche Iran-USA laufen weiter“, heißt es in dem Bericht. Ein US-Regierungsvertreter sagte der dpa, die USA verfolgten weiter eine Lösung und führten technische Gespräche. Trump erklärte in Ankara, er werde seine Unterhändler mit dem Iran weiter reden lassen, falls Teheran dies wünsche, betonte aber zugleich, dass die Waffenruhe beendet sei und die USA Teheran unmissverständlich klargemacht hätten, dass die Waffenruhe vorbei sei. Die USA hatten dem Iran laut Axios und dem Wall Street Journal unter Berufung auf US-Regierungsvertreter eine Frist bis Samstag gesetzt, öffentlich zuzusichern, dass die Straße von Hormus offen bleibe und der Iran keine Handelsschiffe mehr angreife. Die Forderung wurde Teheran direkt und über Vermittler übermittelt. Welche Konsequenzen der Iran bei Nichtbefolgung zu erwarten habe, war zunächst unklar. Trump hatte dem Iran zuletzt mit noch schwereren Angriffen gedroht, sollte Teheran weiter Schiffe in der Meerenge unter Beschuss nehmen.
Im Hintergrund versuchen mehrere Staaten zu vermitteln. Nach Berichten von CNN und Axios unter Berufung auf Diplomaten reiste eine Delegation aus Katar in den Iran, um zu vermitteln. Die katarische Delegation traf nach einem Bericht der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim im Iran ein. Das katarische Außenministerium erklärte, es unterstütze weiterhin Bemühungen um Deeskalation und eine umfassende Vereinbarung; die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus müsse gewährleistet werden. Katar hatte am Dienstag erklärt, es wolle seine Vermittlerrolle in dem Konflikt stärken, nachdem es den Iran des Angriffs auf einen Gastanker in der Meerenge bezichtigt hatte. Auch Pakistan ist nach Informationen aus pakistanischen Sicherheitskreisen in den Vermittlungsprozess eingebunden. Demnach gab es ein langes Gespräch zwischen dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi und dem pakistanischen Militäroberbefehlshaber Asim Munir. Die iranische Seite habe Pakistan gebeten, den USA Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, berichten die Kreise weiter. Ein pakistanischer Vertreter warnte die iranischen Unterhändler: „Wenn Länder wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate anfangen, gegen den Iran zurückzuschlagen, wird sich dieser Krieg in seiner Form völlig ändern.“
Geplante Verhandlungen am Wochenenden ungewiss
Aus pakistanischen Sicherheitskreisen heißt es zugleich, dass die für das Wochenende geplanten weiteren Verhandlungen derzeit ungewiss seien. Bereits vor den jüngsten Angriffen waren die Gespräche ins Stocken geraten. Nach Quellen in Islamabad brachte die iranische Seite in den Gesprächen Unsicherheit darüber zum Ausdruck, wie sich Hardliner-Fraktionen im Land künftig verhalten würden. Trump hatte den Iran zuletzt mehrfach gedroht und den Sinn weiterer Gespräche öffentlich in Zweifel gezogen: „US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran zuletzt mehrfach gedroht und den Sinn weiterer Gespräche öffentlich in Zweifel gezogen“, schreibt die dpa.
Israelische Warnung vor iranischem Attentatsplan
Eine zusätzliche Belastung der Beziehungen ergibt sich aus einem Bericht des Wall Street Journal und von CNN, denen zufolge Israel die US-Regierung vor einem mutmaßlichen iranischen Attentatsplan gegen Trump gewarnt hatte. Die Führung in Teheran habe den Verdachtsplan demnach erst kürzlich ausgearbeitet. CNN zitierte einen US-Regierungsvertreter mit den Worten, die US-Regierung erhalte solche Warnungen häufig, die israelische Warnung sei aber neu gewesen und habe sich auf einen konkreten Attentatsplan bezogen. Andere US-Vertreter äußerten den Verdacht, die israelische Warnung könne ein Versuch sein, Trumps weiteres Vorgehen im Konflikt mit dem Iran zu beeinflussen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte zuletzt einen deutlich härteren Kurs gegenüber Teheran befürwortet und war darüber mit Trump in Konflikt geraten.
Beisetzung des früheren iranischen Staatschefs
Auf dem Rückflug vom NATO-Gipfel in Ankara nutzte Trump nicht wie erwartet die neue Air Force One, was Spekulationen über Sicherheitsrisiken im Zusammenhang mit dem Geschenk des Golfemirats Katar schürte. Im Iran kam es unterdessen zu einem politischen Trauerakt: Der frühere iranische Staatschef Ayatollah Ali Khamenei wurde am Schrein von Imam Reza in seiner Heimatstadt Maschhad im Nordosten des Landes beigesetzt, mehr als vier Monate nach seiner Tötung, in einer nicht-öffentlichen Zeremonie, wie iranische Medien übereinstimmend berichteten.
Der Ton zwischen Washington und Teheran bleibt indessen scharf. Trump bezeichnete die iranische Führung wiederholt als Abschaum und Lügner und stellte zugleich Fortsetzung der Gespräche in Aussicht, sofern Teheran dies wünsche. Die USA verlangen nach Medienberichten, dass der Iran sich zu freier und sicherer Schifffahrt in der Straße von Hormus verpflichtet. Der Iran bestritt über sein Außenministerium, Gespräche erbeten zu haben; Sprecher Esmaeil Baghaei erklärte, der Iran habe lediglich einem Besuch des katarischen Vermittlers zugestimmt. Die Waffenruhe sei zwar seit April wiederholt gebrochen worden, doch hielten die Gespräche unter internationaler Vermittlung formal an. Ob der Vermittlungsversuch noch eine Chance hat, gilt als offen.
Die jüngste Eskalation verdeutlicht die Brisanz der Lage am Persischen Golf. Mit Kuwait, Bahrain und Jordanien gerieten in den vergangenen Tagen gleich drei Länder, die wichtige US-Militärstützpunkte beherbergen, unter Beschuss. Die USA haben unterdessen ihre Sanktionen gegen iranisches Öl wieder verschärft. Sollte der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weiterhin blockiert bleiben, drohen weitere Verwerfungen an den Energiemärkten und zusätzlicher innenpolitischer Druck auf die US-Regierung.
Beobachter werten die widersprüchlichen Signale aus Washington als taktisches Manöver: Einerseits erklärt Trump die Waffenruhe für beendet und droht dem Iran mit verschärften Angriffen, andererseits hält er Gespräche über ein Ende des Konflikts am Laufen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Vermittlungsbemühungen Katars und Pakistats noch greifen können oder ob die Straße von Hormus zum Schauplatz eines umfassenden regionalen Flächenbrands wird.
Insgesamt zeigt sich, dass die diplomatischen Kanäle zwischen Washington und Teheran trotz aller Rhetorik nicht vollständig abgerissen sind. Die USA führen nach eigenen Angaben weiterhin technische Gespräche mit iranischen Vertretern, vermittelt über Katar und Pakistan. Ob aus diesen Kontakten ein neuer Waffenstillstand erwächst oder ob die Kämpfe weiter eskalieren, hängt nach Einschätzung von Beobachtern nicht zuletzt vom Verhalten der Hardliner im iranischen Machtapparat ab, deren künftige Rolle als ungewiss gilt.
Fragen & Antworten
Wer vermittelt derzeit zwischen den USA und dem Iran?
Nach Berichten von CNN und Axios unter Berufung auf Diplomaten reiste eine Delegation aus Katar in den Iran, um zu vermitteln; auch Pakistan ist nach Informationen aus pakistanischen Sicherheitskreisen in den Vermittlungsprozess eingebunden, mit einem längeren Gespräch zwischen dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi und dem pakistanischen Militäroberbefehlshaber Asim Munir.
Was fordert Washington vom Iran?
Die USA verlangen laut Medienberichten, dass der Iran sich öffentlich dazu verpflichtet, die Straße von Hormus offen zu halten und keine Handelsschiffe mehr anzugreifen, mit einer ursprünglich bis Samstag gesetzten Frist.
Welche Folgen hat die Eskalation für den Schiffsverkehr?
Der Datenanbieter Windward erklärte, der Schiffsverkehr aus dem Persischen Golf sei faktisch zum Erliegen gekommen; nach Kpler-Daten passierten am Donnerstag nur 22 Schiffe die Meerenge, verglichen mit 48 eine Woche zuvor.
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