US-Exportstopp für Anthropics KI-Modelle Fable 5 und Mythos 5 – globale Abschaltung als Konsequenz
Berlin, 13 Juni 2026
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Kurzfassung
Das Handelsministerium hat dem KI-Entwickler Anthropic untersagt, ausländische Staatsbürger – auch jene in den USA – auf die neuen Modelle Fable 5 und Mythos 5 zugreifen zu lassen. Anthropic schaltete daraufhin beide Systeme weltweit ab und kündigte an, den Zugang so bald wie möglich wiederherzustellen.
Berlin, 13 Juni 2026
Das Handelsministerium hat dem KI-Entwickler Anthropic aus Gründen der nationalen Sicherheit untersagt, ausländischen Staatsbürgern – auch denen in den USA – Zugriff auf die neuen Modelle "Fable 5" und "Mythos 5" zu gewähren, woraufhin das Unternehmen beide Systeme weltweit abschaltete.
Hintergrund: Was sind Fable 5 und Mythos 5?
Der US-amerikanische KI-Entwickler Anthropic hat den Zugang zu seinen fortschrittlichsten Modellen Fable 5 und Mythos 5 nach einer Anordnung der Regierung vorerst für alle Nutzer weltweit gekappt. Das Unternehmen erklärte am Freitagabend, es müsse die Modelle abrupt deaktivieren, um die Vorgaben zu erfüllen. "The net effect of this order is that we must abruptly disable Fable 5 and Mythos 5 for all our customers to ensure compliance", hieß es in der Mitteilung. Man gehe von einem Missverständnis aus und arbeite daran, den Zugang so schnell wie möglich wiederherzustellen.
Laut US-Medien wie Reuters betrifft das Verbot nicht nur Nutzer außerhalb der Vereinigten Staaten, sondern ausdrücklich auch ausländische Staatsbürger, die sich in den USA aufhalten – einschließlich jener, die bei Anthropic selbst beschäftigt sind. Das Handelsministerium habe aus Gründen der nationalen Sicherheit untersagt, ausländischen Staatsbürgern – auch denen in den USA – Zugriff auf die neuen Modelle "Fable 5" und "Mythos 5" zu gewähren. Damit geht die Kontrolle moderner KI-Systeme in einem neuen Ausmaß über die bisher übliche Regulierung von KI-Chips und Rechenzentren hinaus.
Anthropics Position: Eingeschränkte Fähigkeit, keine Exklusivität
Hintergrund ist nach Angaben des Unternehmens ein Bericht, der nach Einschätzung von Anthropic die Anordnung ausgelöst haben dürfte. Die Anthropic-Experten seien zu dem Schluss gekommen, dass es sich dabei um eine eingeschränkte Möglichkeit handele, die KI spezifische Programmcodes prüfen und Fehler korrigieren zu lassen. Die Künstliche Intelligenz hinter Anthropics KI-Modell "Mythos" ist besonders gut darin, zum Teil auch über Jahrzehnte unentdeckt gebliebene Software-Schwachstellen aufzuspüren. Diese Fähigkeit wurde bisher von Behörden und ausgewählten Unternehmen eingesetzt, um die Sicherheitslücken zu stopfen.
Anthropic betont, dass die Sicherheitsvorkehrungen bei Fable 5 ausgiebig getestet worden seien. Nach der Darstellung von Anthropic sei aber kein Weg bekannt, das Modell zu etwas zu bringen, das nicht auch mit anderen Modellen machbar sei, etwa ChatGPT 5.5. Auch Konkurrenzmodelle wie GPT-5.5 des Rivalen OpenAI verfügten demnach über vergleichbare Fähigkeiten zur Code-Überprüfung. Die jetzigen Maßnahmen der Regierung entsprächen jedoch nicht den Grundsätzen einer fairen und faktenbasierten Regulierung, erklärte das Unternehmen.
Fable 5 ist eine weniger leistungsfähige Variante des Mythos-Modells, die in kürzester Zeit in nahezu jeder Software gefährliche Sicherheitslücken erkennen kann. Das Modell war vor wenigen Tagen im Pro-Tarif von Anthropic verfügbar geworden und sollte ursprünglich nur bis zum 22. Juni in dem Abo enthalten sein, bevor es nur noch per API und mit tokengebundener Abrechnung – und damit deutlich teurer – verfügbar sein sollte. Mythos 5 hingegen ist die nicht-öffentliche volle Version, die weiterhin nur von Behörden und ausgewählten Unternehmenspartnern zur Härtung ihrer Systeme eingesetzt werden sollte. Anthropic versprach allerdings, Fable 5 irgendwann ins Abo zurückzubringen.
Vergleich mit OpenAI und Heise-Tests
In Anthropics Benchmark-Vergleich ist Fable 5 deutlich stärker als etwa Opus 4.8 oder ChatGPT 5.5. Auffällig war, dass Fable 5 sich regelmäßig im Hintergrund auf das nächst schwächere Anthropic-Modell Claude Opus 4.8 umschaltete, ohne dass dies für Anwender erkennbar war. Das soll wohl recht häufig passieren, wie die Kollegen des Heise-Videomagazins c't 3003 vernommen haben. Als Begründung nennt Anthropic eine Schutzmaßnahme gegen Wissensdestillation, also das Training eines KI-Modells mit einem anderen. Fable 5 soll eigenständig erkennen, wann es für solches Training eingesetzt wird und dann zu Opus 4.8 wechseln. Fable 5 weigert sich zudem, Prompts aus den Bereichen Biologie, Chemie, Cybersicherheit und Wissensdestillation zu beantworten. Anthropic hat zwar jüngst noch angekündigt, hier transparenter zu werden.
Im Weißen Haus hatte es Bedenken über einen möglichen Jailbreak gegeben. Der Firma zufolge glaubt die Regierung, Kenntnis von einer Methode erlangt zu haben, Beschränkungen in der Software aufzuheben. Die Regierung habe ihre Sicherheitsbedenken nicht näher ausgeführt, erklärte Anthropic. Das Unternehmen habe bisher nur teilweise Informationen von der Regierung erhalten und keinen konkreten technischen Nachweis oder detaillierte Angaben zu der behaupteten Sicherheitslücke bekommen. Anthropic sei nicht einverstanden damit, dass deswegen Software für Hunderte Millionen Nutzer blockiert werde. Um diese Vorgabe zu erfüllen, bleibe nichts anderes übrig, als die Systeme komplett vom Netz zu nehmen.
Exportkontrolle für KI-Modelle: Ein Novum
Die Sorge, dass eine solche KI auch als eine Cyberwaffe eingesetzt werden könnte, begleitet die Mythos-Modelle seit ihrer Konzeption. "Mythos" könne eine große Zahl von IT-Sicherheitsschwachstellen finden, sagt IT-Sicherheitsexperte Dennis-Kenji Kipker. Das könne auch von kriminellen Akteuren genutzt werden. Die Fähigkeiten von Mythos 5 hätten bei Behörden zudem Bedenken ausgelöst, dass solche Modelle dazu genutzt werden könnten, Cyberangriffe schneller und wirksamer vorzubereiten oder Sicherheitslücken automatisiert auszunutzen. Dass diese Bedenken nun in eine formale Exportkontrolle münden, ist neu: Bisher hatten sich US-Exportbeschränkungen vor allem auf leistungsstarke KI-Chips und Rechenzentren konzentriert. Washington behandelt moderne KI-Systeme zunehmend als strategische Technologie, deren Verbreitung so streng überwacht werden soll wie andere sicherheitsrelevante Hochtechnologien. Der Vorfall ist nach Einschätzung von Beobachtern die erste Situation, in der KI-Modelle selbst in den Fokus staatlicher Kontrolle im US-Exportkontrollrecht geraten.
Vorgeschichte: Streit mit dem Pentagon
Der Konflikt zwischen Anthropic und der Regierung hat eine längere Vorgeschichte. Das Pentagon erklärte Anthropic zu einem Lieferketten-Risiko, was den Einsatz von Software des Unternehmens in Regierungsbehörden schwer beeinträchtigen kann. Auslöser war, dass Anthropic trotz Drucks darauf bestand, dass ihre KI-Modelle nicht in autonomen Waffensystemen und zur Massenüberwachung in den USA verwendet werden dürfen. Der KI-Hersteller verbietet die Nutzung seiner Modelle für autonome Waffensysteme des Militärs, dafür gab es Sanktionen. Gegen die Einstufung als Lieferketten-Risiko klagt Anthropic. Der aktuelle Schritt ist als weitere Episode in ihrem schon länger währenden Streit mit der Regierung zu betrachten.
Nur wenige Tage vor der jetzigen Anordnung hatte Anthropic-CEO Dario Amodei noch öffentlich dafür plädiert, der Regierung die Möglichkeit zu geben, potenziell gefährliche KI-Software zu blockieren. Noch am Mittwoch hatte Anthropic selbst eine stärkere Aufsicht über KI gefordert, einschließlich der Möglichkeit, Modelle mit inakzeptablen Risiken zu sperren. Anthropic betont aber, dass dies auf Basis transparenter und klarer Verfahren sowie technischer Fakten geschehen müsse. Das sei jetzt nicht der Fall.
Folgen für Europa und den KI-Markt
Der Vorfall weckt Erinnerungen an Diskussionen über digitale Souveränität in Europa. Süleyman Zorba, netzpolitischer Sprecher der österreichischen Grünen, äußerte sich am Samstag zu dem Thema: "Wer seine digitale Infrastruktur vollständig in fremde Hände legt, macht sich abhängig und erpressbar". Viele deutsche IT-Entscheider stehen gerade am Anfang von Projekten, die KI-Agenten und entsprechende Infrastruktur in die Organisation bringen sollen. Kommentatoren sehen in der Abschaltung auch ein Signal für die europäische KI-Branche. Modellfamilien wie Mistral können mit den Produkten von OpenAI oder Anthropic aktuell nicht mithalten.
Anthropic hatte Mythos ursprünglich einem breiteren Publikum vorenthalten, weil das Modell nach Einschätzung des Unternehmens zu gut darin war, Softwareschwachstellen auszunutzen. Die Freigabe einer abgespeckten Variante als Fable 5 sollte diesen Bedenken Rechnung tragen. Nun zeigt sich, dass selbst die abgespeckte Version zum Objekt staatlicher Exportkontrolle werden kann. Auch bei Heise haben wir das schon erfolgreich getestet – nämlich die Umgehung der Sicherheitsvorkehrungen anderer KI-Modelle. Die Erfahrung zeigt, dass reine Software-Sperren anfällig bleiben.
Unterdessen verweisen Marktbeobachter auf den wirtschaftlichen Kontext: OpenAI und Anthropic wollen an die Börse. Man müsse verstehen, dass es bei Aktienbewertungen nicht nur um die aktuellen Leistungen der Unternehmen geht, sagte KI-Experte Kevin Bauer kürzlich in ZDFheute live. Der aktuelle Konflikt mit Washington könnte die geplanten Börsengänge beeinflussen. überschaubarer Schaden mit großem Signal, findet Niklas Engelking – die unmittelbaren Auswirkungen auf den laufenden Betrieb seien begrenzt, die politische Strahlkraft des Vorgangs aber enorm. Für die europäische Debatte über digitale Souveränität liefert der Fall neues Futter.
Fragen & Antworten
Was sind die Modelle Fable 5 und Mythos 5 von Anthropic?
Fable 5 ist eine weniger leistungsfähige Variante des Mythos-Modells, die unter anderem Software-Schwachstellen erkennen kann. Mythos 5 ist die nicht-öffentliche volle Version, die bisher nur von Behörden und ausgewählten Unternehmenspartnern zur Härtung ihrer Systeme eingesetzt wurde.
Warum hat die Regierung den Zugang für Fable 5 und Mythos 5 blockiert?
Das Handelsministerium hat aus Gründen der nationalen Sicherheit untersagt, ausländischen Staatsbürgern – auch solchen in den USA – Zugriff auf die Modelle zu gewähren. Hintergrund waren laut Anthropic Hinweise auf eine mögliche Methode, Beschränkungen in der Software zu umgehen, ohne dass die Behörden ihre Sicherheitsbedenken näher ausführten.
Welche Folgen hat die Abschaltung für Nutzer und für den KI-Markt?
Anthropic hat Fable 5 und Mythos 5 weltweit deaktiviert und angekündigt, den Zugang so bald wie möglich wiederherzustellen. Der Vorgang gilt als erster Fall, in dem KI-Modelle selbst in den Fokus der US-Exportkontrolle geraten, und befeuert die europäische Debatte über digitale Souveränität gegenüber US-Anbietern.