Das KI-Unternehmen Anthropic hat nach eigenen Angaben bei Investoren weitere 65 Milliarden Dollar eingesammelt und wird nun mit 965 Milliarden Dollar bewertet.

Damit liegt die Bewertung des Unternehmens aus San Francisco deutlich über der des Konkurrenten OpenAI, der zuletzt im März mit 852 Milliarden Dollar bewertet worden war. Noch im Februar lag die Bewertung von Anthropic nach einer Finanzierungsrunde bei 380 Milliarden Dollar.

Finanzvorstand Krishna Rao erklärte, die neuen Investitionen ermöglichten es dem Unternehmen, "an der Spitze der Forschung zu bleiben" und seinen Chatbot Claude in mehr Arbeitsumgebungen zu bringen.

Amazon als Großinvestor

Ein Großteil des Kapitals stammt vom Online-Händler Amazon, der im April angekündigt hatte, bis zu 25 Milliarden Dollar in Anthropic zu investieren. Im Gegenzug verpflichtete sich das KI-Startup, in den nächsten zehn Jahren mehr als 100 Milliarden Dollar für Amazons Cloud-Technologien auszugeben.

Anders als OpenAI setzt Anthropic von Beginn an vor allem auf Unternehmenskunden und weniger auf einzelne Nutzer. Beide Unternehmen könnten noch in diesem Jahr an die Börse gehen.

Ein Börsengang könnte sich für Anthropic lohnen: Der Raumfahrtkonzern SpaceX von Tech-Milliardär Elon Musk wird bereits am 12. Juni an der Börse erwartet und könnte eine Rekordbewertung von 1,75 Billionen Dollar erreichen – der größte Börsengang der Geschichte.

Rechtsstreit mit dem Pentagon

Trotz des finanziellen Erfolgs sieht sich Anthropic mit rechtlichen und sicherheitspolitischen Herausforderungen konfrontiert. Das Unternehmen befindet sich derzeit in einem Rechtsstreit mit dem US-Verteidigungsministerium.

Hintergrund ist die Nutzung von KI-Technologie für militärische Zwecke, die Anthropic dem Pentagon verweigert hatte. Das Unternehmen erklärte, es wolle nicht, dass seine KI für "Massenüberwachung im Inland" oder in vollständig autonomen Waffensystemen eingesetzt wird.

Das Pentagon stufte Anthropic daraufhin als "Sicherheitsrisiko in der Lieferkette" ein. Gegen diese Einstufung geht das Unternehmen nun juristisch vor.

Sicherheitsbedenken in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es Bedenken. Verfassungsschützer und Sicherheitspolitiker warnen vor Risiken durch das KI-Modell Mythos von Anthropic. Sie befürchten, dass Kriminelle oder staatliche Akteure Mythos für Cyberangriffe nutzen könnten.

Mythos wurde von Anthropic bisher nicht offiziell veröffentlicht. US-Behörden und eine Handvoll Unternehmen haben jedoch bereits Testzugang zu dem Modell.