San Francisco, 09 Juni 2026

Der KI-Entwickler Anthropic hat sein neues Großsprachmodell Claude Mythos 5 vorgestellt und die eingeschränkte öffentliche Variante Claude Fable 5 für zahlende Nutzer freigeschaltet.

Vier Versionen, vier Zielgruppen

Anthropic plant nach eigenen Angaben, mindestens vier parallele Versionen von Claude Mythos parallel zu betreiben. Eine Vollversion soll US-Behörden zur Verfügung stehen, eine Variante mit gelockerten Sicherheitsbeschränkungen ist für ausgewählte IT-Unternehmen vorgesehen, und eine weitere mit reduzierten Beschränkungen in Biologie und Chemie richtet sich an ausgewählte Wissenschaftler. Für zahlende Privatkunden erscheint die Variante Fable 5, die mit zusätzlichen Leitplanken ausgestattet ist.

„Ein strenger Sicherheitsfilter blockiere riskante Anfragen und verhindere, dass sich die KI mit heiklen Themen wie Cybersicherheit und Biotechnologie beschäftige“, erklärte das Unternehmen. US-Regierungsbehörden und ausgewählte Unternehmen bekamen damals Zugang zu Mythos Preview, der Vorgängerversion des aktuellen Modells. Diese Nutzergruppen können nun Mythos 5 nutzen, die Modellversion ohne Einschränkungen.

Sicherheitsbedenken und politischer Kontext

Deutsche Verfassungsschützer und Sicherheitspolitiker hatten daraufhin gewarnt, dass Künstliche Intelligenz für verheerende Cyberangriffe verwendet werden könnte. Vor einigen Monaten hatte das Vorgängermodell Mythos Preview Schwachstellen in viel genutzter Software aufgespürt, was die Sorge nährt, dass leistungsfähigere Modelle solche Aufgaben künftig eigenständig ausführen könnten.

Anthropic hat das Modell an einem Dienstag veröffentlicht, abweichend vom üblichen Donnerstag-Rhythmus. „Die Leitplanken gegen potenziell gefährliche Nutzung seien ausgiebig getestet worden, hieß es weiter.“ Das begleitende System-Card-Dokument zu Mythos 5 und Fable 5 umfasst 319 Seiten und beschreibt unter anderem die getesteten Benchmarks.

Leistung in Tests

Laut Anthropics veröffentlichter Tabelle führt das neue Modell in 11 von 13 ausgewählten Benchmarks und liegt in den verbleibenden zwei knapp hinter der Preview-Variante. Bei Vision-Aufgaben, also dem Verarbeiten von Bildern, beschreibt Anthropic Fable 5 als „Stand der Technik für Aufgaben, bei denen es auch um Sehen geht. Es kann präzise Zahlen aus detaillierten wissenschaftlichen Schautafeln extrahieren und komplexe bildabhängige Aufgaben ausführen, darunter den Nachbau des Quellcodes einer Web-App aus Screenshots“. Insgesamt soll das Modell „alles übertreffen, was wir jemals allgemein verfügbar gemacht haben“.

Preise, Zugang und Klassifizierer

Beim Zugang setzt Anthropic auf gestaffelte Wege. Ab dem 23. Juni wird Fable 5 ausschließlich nach verbrauchter Tokenmenge abgerechnet und ist nicht mehr in Probe-Abos enthalten. Pro-, Max-, Team- und Enterprise-Abonnenten mit Sitz-Zuordnung können es 14 Tage lang testen, verbrauchen dabei jedoch das Doppelte ihres üblichen Kontingents. Die Tokenpreise liegen ungefähr doppelt so hoch wie bei Claude Opus 4.8: zehn US-Dollar pro Million Eingabe-Tokens, 12,50 Dollar für Fünf-Minuten-Cache-Schreibvorgänge, 20 Dollar für Ein-Stunden-Cache-Schreibvorgänge, ein Dollar pro Million Cache-Lese-Tokens und 50 Dollar pro Million Ausgabe-Tokens.