US-Börsen uneinheitlich – Milliardenübernahmen und Iran-Gespräche bestimmen den Handel
New York, 22. Juni 2026
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Kurzfassung
Die US-Börsen haben am Montag nach einem langen Wochenende uneinheitlich tendiert. Große Übernahmen von AbbVie und CRH sowie die laufenden Gespräche zwischen den USA und dem Iran standen im Mittelpunkt des Handelstags.
Die US-Aktienmärkte haben am Montag nach einem feiertagsbedingten verlängerten Wochenende uneinheitlich tendiert, während Anleger die angekündigten Milliardenübernahmen durch AbbVie und CRH sowie die laufenden diplomatischen Gespräche zwischen den USA und dem Iran verarbeiteten.
Nach dem langen Wochenende zeigen sich die US-Börsen am Montag im Verlauf uneinheitlich. Am Freitag fand feiertagsbedingt kein Handel in den USA statt. Der S&P-500 sank um 0,4 Prozent. Der Nasdaq-Composite büßte derweil 1,3 Prozent ein.
Hier belastet vor allem das Minus der schwergewichteten Alphabet-Aktie. Der Kurs der Google-Mutter sackt um 6 Prozent ab. Beobachter erklären das Minus mit dem Weggang von John Jumper. Der Forscher und Nobelpreisgewinner hatte am Freitag mitgeteilt, dass er die KI-Forschungstochter Google Deepmind verlassen und zum KI-Startup Anthropic wechseln werde.
Indizes und Stimmung
Der Dow-Jones-Index gewann gegen Mittag (Ortszeit New York) 0,3 Prozent auf 51.719 Punkte, gestützt von der Caterpillar-Aktie (+3,2%). Laut Dow Jones-Indexdaten hatte der DJIA am Vortag bei 51.564,70, der S&P 500 bei 7.500,58, der Nasdaq Composite bei 26.517,93 und der Nasdaq 100 bei 30.406,19 geschlossen.
Im vorbörslichen Handel taxierte IG den Dow Jones Industrial 0,2 Prozent höher auf 51.645 Punkte. Den Nasdaq 100 sah IG 0,1 Prozent fester bei 30.449 Punkten. Der Nasdaq 100 hatte am Donnerstag deutlich erholt geschlossen.
Milliardenübernahmen: AbbVie und CRH
Bei den Einzelwerten schossen die Aktien von Apogee Therapeutics um 46,7 Prozent auf 132,60 Dollar nach oben. Der US-Pharmakonzern Abbvie übernimmt das Unternehmen für 10,9 Milliarden US-Dollar. Abbvie erklärte am Montag, dass man 135,11 US-Dollar je Aktie in bar zahlen will. Dies entspricht einem Aufschlag von 49 Prozent gegenüber dem Apogee-Schlusskurs vom Donnerstag bei 90,38 Dollar.
Für die Aktien von Abbvie ging es um 6,8 Prozent nach oben. Mit der Übernahme von Apogee Therapeutics stärkt Abbvie sein Portfolio mit entzündungshemmenden Medikamenten. Laut AbbVie entspricht die Offerte einer Prämie von 49 Prozent auf den Schlusskurs vom Donnerstag.
Auch der Baustoffkonzern CRH kündigte eine Übernahme an: CRH übernimmt Arcosa für 150 Dollar je Aktie in bar. Arcosa war an der Börse zuletzt knapp 7 Milliarden Dollar schwer. Die Aktien von Arcosa legten um 7,5 Prozent auf 146 Dollar zu, nachdem CRH die Übernahme angekündigt hatte. Die in New York gelisteten CRH-Titel sanken vorbörslich um 0,6 Prozent.
Halbleiter und KI-Boom
Der Halbleitersektor in Asien war zu Wochenbeginn ebenfalls gefragt. Der Speicherchiphersteller SK Hynix hat Samsung Electronics überholt und ist das wertvollste Unternehmen Südkoreas. Treiber ist der KI-bedingte Chip-Boom. SK Hynix, ein wichtiger Lieferant von High-Bandwidth-Memory-Produkten (HBM), die in Nvidias KI-Beschleunigern verwendet werden, vermeldete im April einen verfünffachten Anstieg des Quartalsüberschusses aufgrund steigender Nachfrage. Das Training großer Sprachmodelle macht in der Regel die Kombination von Nvidias Grafikprozessoren mit HBM erforderlich.
Die Aktien von Intel zogen vorbörslich am Montag um 2,7 Prozent an. Intel-Aktien hatten am Donnerstag dank eines Vertrags mit Apple über die Herstellung von Chips knapp 11 Prozent gewonnen und ein Rekordhoch erreicht. Für Branchenkollege Micron zeichnete sich vorbörslich ein weiterer Kursaufschlag von 4,2 Prozent ab. Die Nvidia-Aktie gab um 0,6 Prozent nach.
USA-Iran: Gespräche und Energiemärkte
Gleichzeitig richtete sich die Aufmerksamkeit auch auf die Gespräche zwischen den USA und dem Iran, wobei beide Länder eine Einigung innerhalb von 60 Tagen anstrebten, so Li Xing von Exness. Fortschritte bei den Gesprächen, einschließlich der Bemühungen um eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus trotz andauernder diplomatischer Herausforderungen bezüglich des Libanon, haben die Sorgen um die Unterbrechungen der Energieversorgung gemindert und die Befürchtungen eines breiteren Inflationsschocks verringert, heißt es von der Saxo Bank.
Fortschritte auf dem Weg zu einer Einigung könnten die Nachfrage nach sicheren Häfen verringern und den Dollar belasten. Die Vorsicht könnte jedoch angesichts der zahlreichen Rückschläge, die die Verhandlungen in den letzten Monaten gekennzeichnet haben, andauern. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte Brent rutschte deutlicher unter die Marke von 80 Dollar und verlor 4 Prozent auf 77,38 Dollar je Fass. WTI-Öl wurde mit 73,59 Dollar je Barrel gehandelt, ein Minus von 3,0 Prozent.
Die Renditen am US-Anleihemarkt und der Dollar legen leicht zu – der Dollar-Index stieg um 0,1 Prozent. Die Märkte setzten weiter auf eine straffere Geldpolitik der Federal Reserve, heißt es. Zudem habe die Sitzung der US-Notenbank in der vergangenen Woche darauf hingedeutet, dass die US-Zinsen noch länger hoch bleiben dürften, was die Attraktivität zinsloser Anlagen verringert. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg um 6 Basispunkte auf 4,51 Prozent.
Der Goldpreis erholte sich von zwischenzeitlichen Verlusten. Für die Feinunze ging es um 0,4 Prozent auf 4.177 Dollar nach oben. Silber notierte bei 65,31 Dollar (+0,6 Prozent), Platin bei 1.667,01 Dollar (+0,2 Prozent). Bitcoin wurde bei 64.610,51 Dollar gehandelt, ein Plus von 1,3 Prozent. Die Devisenkurse lauteten EUR/USD 1,1428, EUR/JPY 184,65, EUR/CHF 0,9246 und EUR/GBP 0,8627.
SpaceX unter Druck
Beim Börsenneuling SpaceX setzte sich der Abwärtstrend fort. Das Papier des Raumfahrtkonzerns von Elon Musk gab am Montag den dritten Handelstag in Folge nach. Kurz nach Handelsbeginn lag der Kurs mehr als 5 Prozent im Minus. Die SpaceX-Aktie fiel um rund 10 Dollar auf etwa 175 Dollar je Aktie. Bereits in der Vorwoche hatte das Papier am Mittwoch und Donnerstag zusammengenommen mehr als 8 Prozent verloren.
In einer Pflichtmitteilung vom Montag teilte das Unternehmen mit, vorrangige unbesicherte Anleihen ("senior unsecured notes") an qualifizierte institutionelle Investoren ausgeben zu wollen. Der Erlös solle aber dazu beitragen, einen Brückenkredit über 20 Milliarden Dollar abzulösen, der den Großteil der Verbindlichkeiten von insgesamt rund 29 Milliarden Dollar ausmacht. Der im September 2027 fällige Kredit war genutzt worden, um Schulden von xAI zu tilgen – dem KI-Start-up Musks, das SpaceX im Februar übernommen hatte.
Zur genauen Höhe und zu den Konditionen der Emission machte SpaceX keine Angaben. Analysten von Oppenheimer erwarten, dass SpaceX zusätzliches Kapital vorrangig über Schulden aufnehmen wird – nach dem Vorbild von Tesla. KeyBanc startete die Bewertung der Aktie am Montag mit "Sector Weight" und argumentierte, der Kurs preise das Wachstumspotenzial bereits weitgehend ein. Zephirin nahm die Bewertung mit "Buy" und einem Kursziel von 310 Dollar auf. Oppenheimer sieht das Papier bei 250 Dollar.
Gemessen an den Modellen von KeyBanc werde die Aktie mit etwa dem 29-Fachen des für 2027 geschätzten Umsatzes und rund dem 71-Fachen des erwarteten EBITDA gehandelt – ein deutlicher Aufschlag gegenüber den meisten Wettbewerbern. Franco Granda von Pitchbook warnte hingegen, Anleger sollten den Zeitplänen des Konzerns skeptisch gegenüberstehen.
Zum 19. Juni verfügte der Konzern nach eigenen Angaben über 100,8 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln. Ein Großteil davon ist für kapitalintensive Vorhaben vorgesehen, darunter Rechenzentren im Weltraum, die Entwicklung der Großrakete Starship sowie der Aufbau der Chipfertigung "Terafab" in Texas. Weitere langfristige Verbindlichkeiten stehen laut IPO-Unterlagen im Zusammenhang mit KI-Infrastruktur.
Für das Jahr 2025 weist SpaceX einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden Dollar aus. Zuvor hatten Moody's, Fitch und S&P Global dem Konzern Investment-Grade-Ratings zuerkannt. Beim Börsengang am 19. Juni – dem größten IPO der Geschichte – war die Aktie am ersten Handelstag um 19 Prozent gestiegen. Beim Börsengang vor wenigen Tagen hatte SpaceX 85,7 Milliarden Dollar erlöst – mehr als bei jeder anderen Emission zuvor.
Der Rücksetzer folgt auf eine außergewöhnliche Rally, die SpaceX in der Vorwoche kurzzeitig auf eine Bewertung von fast 3 Billionen Dollar getrieben hatte. Auf diesem Höchststand zog der Konzern an Amazon und Microsoft vorbei und war zwischenzeitlich das viertwertvollste Unternehmen der Welt. Musk wurde damit zum ersten Billionär. Zum Handelsschluss am Donnerstag lag die Marktkapitalisierung bereits wieder bei 2,4 Billionen Dollar. Gemessen am IPO-Preis von 135 Dollar liegt das Papier noch immer rund 30 Prozent im Plus.
Indexanpassungen bei S&P 500 und Nasdaq 100
SpaceX hat im Ranking der wertvollsten Unternehmen deutlich an Boden verloren und ist "nur" mehr auf Platz 7 hinter TSMC und Amazon. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 2,2 Billionen Dollar hat das Raumfahrtunternehmen mit KI-Kern immer noch stattliche Werte vorzuweisen. Hinter SpaceX auf der Liste der wertvollsten Unternehmen lagen zuletzt Nvidia, Alphabet, Apple, Microsoft und Amazon.
Bei den Indexanpassungen werden die Aktien von Flex und Marvell Technology in den S&P-500 aufgenommen. Dagegen müssen Campbell's und Pool ihren Platz in dem Index räumen. Neue Mitglieder des Nasdaq-100 werden Astera Labs, Coreweave, Nebius, Rocket Lab und Teradyne. Entnommen werden die Papiere von Charter Communications, Cognizant, Insmed, Verisk und Zscaler.
Fragen & Antworten
Wie viel zahlt AbbVie für Apogee Therapeutics?
AbbVie übernimmt Apogee Therapeutics für 10,9 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 135,11 Dollar je Aktie in bar, was einem Aufschlag von 49 Prozent auf den Schlusskurs von 90,38 Dollar vom Donnerstag entspricht.
Was hat der Weggang von John Jumper mit dem Alphabet-Kursverlust zu tun?
Alphabet verlor am Montag rund 6 Prozent. Beobachter führen das Minus auf den angekündigten Wechsel des Forschers und Nobelpreisträgers John Jumper von Google DeepMind zum KI-Startup Anthropic zurück.
Warum steht SpaceX trotz hoher Bewertung unter Druck?
Die SpaceX-Aktie fiel am Montag den dritten Handelstag in Folge und verlor vorbörslich rund 4,7 Prozent. Das Unternehmen kündigte zugleich eine Anleiheemission an, um einen 20 Milliarden Dollar schweren Brückenkredit abzulösen, und Analysten von KeyBanc sehen das Wachstumspotenzial im Kurs bereits weitgehend eingepreist.