Das ungarische Parlament hat am Montag mit der Zweidrittelmehrheit der Tisza-Partei eine weitreichende Verfassungsänderung verabschiedet, die unter anderem das Amt von Präsident Tamas Sulyok durch eine Schlussbestimmung beendet.

Hintergrund der Verfassungsänderung

Die Nationalversammlung in Budapest nahm den Antrag von Ministerpräsident Peter Magyar mit 139 zu 6 Stimmen an. Die Fidesz-Fraktion von Viktor Orban boykottierte die Sitzung; ihr Fraktionsvorsitzender Gergely Gulyas trat noch am selben Tag von seinem Amt zurück. In den Schlussbestimmungen findet sich ein einzelner Satz, der das Mandat des amtierenden Staatspräsidenten Tamas Sulyok mit Inkrafttreten der Reform automatisch beendet: «Am Tag nach der Inkraftsetzung der 17. Novelle des Grundgesetzes erlischt das Mandat des amtierenden Staatspräsidenten.»

Die Verfassungsänderung, die Magyar selbst als «Operation Fegefeuer» bezeichnet, geht weit über die Entfernung Sulyoks hinaus. Sie führt Amtszeitbegrenzungen für Ministerpräsidenten von maximal acht Jahren ein, die nach der sogenannten «Lex Orban» rückwirkend seit 1990 gelten sollen. Auch Abgeordnete dürfen künftig nur noch maximal zwölf Jahre im Parlament sitzen – ebenfalls rückwirkend seit der ersten freien Wahl 1990. Damit wären laut Berichten auf einen Schlag rund die Hälfte der aktuellen Fidesz-Fraktion sowie der Parteichef Orban in vier Jahren nicht mehr wählbar.