Undav schießt die DFB-Elf mit zwei Joker-Toren ins WM-Achtelfinale
Toronto, 21. Juni 2026
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Kurzfassung
Mit einem Doppelpack des eingewechselten Deniz Undav hat Deutschland die Elfenbeinküste 2:1 besiegt und ist vorzeitig für das Achtelfinale der WM in den USA, Kanada und Mexiko qualifiziert. Durch das gleichzeitige 0:0 zwischen Curaçao und Ecuador steht die DFB-Elf bereits als Gruppensieger fest.
Deniz Undav hat die deutsche Fußballnationalmannschaft mit zwei Treffern nach seiner Einwechslung zu einem 2:1 (0:1)-Sieg über die Elfenbeinküste geführt und damit den vorzeitigen Einzug in das Achtelfinale der WM in den USA, Kanada und Mexiko perfekt gemacht.
In Toronto entwickelte sich am Samstagabend ein hart umkämpftes Gruppenspiel, das die deutsche Elf über weite Strecken vor enorme Probleme stellte. Nach einer knappen Viertelstunde hatte die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann bereits einen personellen Rückschlag zu verkraften: Innenverteidiger Nico Schlotterbeck "zog sich die Verletzung nach einer knappen Viertelstunde zu, als er sich in einem Zweikampf selbst gegen das linke Bein trat" und humpelte mit einer Knöchelblessur weiter. "Er hat irgendwas im Innenband, ich weiß noch nicht, was. Er muss morgen ins MRT, es sieht leider nicht ganz so gut aus", sagte Nagelsmann nach der Partie.
Die Partie am Lake Ontario, die unter heftigen Windböen stattfand, kippte zunächst zugunsten des afrikanischen Kontrahenten. In der 30. Minute brachte Franck Kessié die Elfenbeinküste in Führung. Die deutsche Elf tat sich gegen den kompakt stehenden Gegner schwer, eigene Chancen blieben zunächst rar. Zur Halbzeit lag das DFB-Team mit 0:1 zurück, Schlotterbeck blieb verletzt in der Kabine und wurde durch Antonio Rüdiger ersetzt.
Spielverlauf: Rückstand und Schlotterbecks Verletzung
Bundestrainer Nagelsmann, der auf dieselbe Startelf wie im Auftaktspiel gegen Curaçao gesetzt hatte, reagierte in der zweiten Hälfte und brachte nach etwa einer Stunde Deniz Undav ins Spiel. Der 29 Jahre alte Mittelstürmer von VfB Stuttgart, geboren am 19. Juli 1996, brauchte nur wenige Minuten, um das Spiel zu drehen. In der 68. Minute erzielte er den Ausgleich, als er eine Flanke von Nadiem Amiri aus fünf Metern über die Linie drückte. Amiri hatte sein WM-Debüt gefeiert und dabei gleichzeitig seine besondere Verbindung zur Spielstätte offenbart: "Meine Mutterseite wohnt in Toronto. Ich habe schon vor der WM gesagt, dass das Spiel hier für mich ein sehr besonderes Spiel ist. Ich musste 25 Karten organisieren, was sehr, sehr viel ist. Hier mein WM-Debüt mit der Vorlage zum 1:1 zu geben und das Spiel so zu drehen, ist wirklich perfekt."
Die Wende durch Undav und Amiri
Die dramatische Wende kam in der Nachspielzeit. In der 94. Minute erhielt Undav einen Pass von Felix Nmecha, drehte sich mit einer Ballmitnahme um seinen Gegenspieler und schloss mit dem linken Fuß zum 2:1 ab. Der Treffer in der letzten Spielsekunde erinnerte Beobachter an den Last-Minute-Sieg gegen Polen bei der WM 2006, der die damalige DFB-Elf ins Halbfinale getragen hatte. Mit fünf Scorerpunkten in 56 WM-Minuten führt Undav die Torjägerliste des Turniers gemeinsam mit Lionel Messi an."Deniz muss man hervorheben, überragend!", lobte Jonathan Tah den Matchwinner. Undav selbst zeigte sich nach dem Spiel gewohnt bescheiden: "Wie ich das mache? Keine Ahnung. Ich stehe richtig. Meine Mitspieler machen mir es einfach. Ich versuche einfach, da zu stehen. Wir sind auf einem guten Weg, aber jede Mannschaft ist schwer. Wir müssen jetzt den Flow mitnehmen." Auch Nadiem Amiri schwärmte: "Deniz ist ein absoluter Killer vor dem Tor, der braucht nicht viele Chancen."
Bundestrainer Nagelsmann würdigte die Leistung seines Schützlings ausdrücklich: "Am Ende war es sehr offen, aber das ist normal, wir wollten gewinnen. Es waren zwei Top-Tore von Deniz, er ist einfach ein Vollblut-Stürmer." Über das Zustandekommen des Siegtores schwärmte er: "Gerade beim zweiten Tor, wie er sich im Rücken von seinem Verteidiger wegschleicht. Der Kontakt von Deniz und ohne Nachdenken mit dem zweiten Kontakt zu schießen – das ist ein Stürmertyp, der einfach weiß, wo das Tor steht." Mit Blick auf die Rolle des Angreifers hielt Nagelsmann fest: "Klar, jetzt geht immer die Frage los: Beginnt er irgendwann mal? Das ist absolut im Bereich des Möglichen, aber seine Rolle erfüllt er da herausragend gut. Und die Quote, die er hat, ist unfassbar wichtig für uns."
Stimmen nach dem Spiel
Durch den gleichzeitigen 0:0-Unentschieden zwischen Curaçao und Ecuador stand die deutsche Elf bereits vor dem letzten Gruppenspiel als Sieger der Gruppe E fest. Der kleine Karibikstaat, der als kleinster Teilnehmer in der WM-Geschichte gilt, hatte durch den Punktgewinn seinerseits Geschichte geschrieben. Der niederländische König Willem-Alexander, der als Staatsoberhaupt auch dem Königreich Curaçao angehört, verfolgte unterdessen gemeinsam mit Königin Máxima den 5:1-Sieg der Niederlande gegen Schweden in Houston und reiste anschließend weiter nach Kansas City.
Curaçao macht den Gruppensieg perfekt
Der Siegessprung in das Achtelfinale beendet eine zwölfjährige Durststrecke der deutschen Mannschaft bei Weltmeisterschaften. Nach dem Titelgewinn 2014 war Deutschland sowohl 2018 als auch 2022 bereits in der Gruppenphase gescheitert. Nagelsmann erinnerte an die schwierigen Vorzeichen: "Wir brauchen nicht von Weltspitze sprechen. Vor drei Wochen war ja noch alles in Schutt und Asche." Mit Blick auf die kommende Aufgabe ergänzte er: "Wir wollen gewinnen." Zum emotionalen Charakter des Abends sagte der Bundestrainer: "Es war emotional. Jeder Spieler hat heute seine Wertigkeit gespürt. Die Gruppe hat sich den Sieg erarbeitet." Auch Tah betonte die Mentalität des Teams: "Siegermentalität, Teamgeist - wir hatten genau das, was man braucht, um in einem Turnier erfolgreich zu sein. Wir haben nicht aufgegeben, immer weitergemacht. Die Jungs von der Bank haben Energie reingebracht."
Ausblick: Ecuador und mögliche Achtelfinalgegner
Im letzten Gruppenspiel trifft die DFB-Elf am kommenden Donnerstag um 22:00 Uhr (ARD live) auf Ecuador, das als defensivstark beschrieben wird. Spielort ist East Rutherford im US-Bundesstaat New Jersey. Als möglicher Achtelfinalgegner wird Frankreich gehandelt; festgelegt wird der Gegner durch die Resultate der übrigen Gruppen. "Wir sind mit Rückschlägen gut umgegangen. In der zweiten Halbzeit wurden wir immer besser", blickte Nagelsmann bereits voraus. Die Verletzung von Schlotterbeck, der erst im vergangenen halben Jahr einen Meniskusriss im linken Knie auskuriert hatte, könnte den personellen Spielraum in der Defensive allerdings einschränken. Nagelsmann zeigte sich aber auch dankbar: "wie er sich noch durchgebissen hat bis zur Pause".
Abseits des deutschen Spiels gab es weitere kurios anmutende Ergebnisse des Spieltages. Kap Verde erreichte gegen den Europameister Spanien ein 0:0, der 40-jährige Schlussmann Vozinha wurde zum Helden. Seine Mutter Ana Candida Evora traf nach Visa-Problemen rechtzeitig zum nächsten Gruppenspiel gegen Uruguay in Miami ein. Auf der anderen Seite sorgte der 37 Jahre alte Curaçao-Torhüter Eloy Room, der für Miami FC in der zweiten amerikanischen Liga spielt und laut Transfermarkt einen Marktwert von 150 000 Euro hat, mit mehreren Paraden für den historischen Punktgewinn.
Kuriose Nebenschauplätze des Spieltages
Parallel trifft Österreich am Montag, 22. Juni 2026, um 19:00 Uhr MESZ in Dallas auf Argentinien. Das Team von Trainer Ralf Rangnick hatte sein Auftaktspiel gegen Jordanien 3:1 gewonnen. Über die Bedeutung des deutschen Last-Minute-Sieges für die Stimmung in der DACH-Region schrieb der Autor Stephan Klemm, der Vergleich mit früheren österreichischen Zitterspielen liege nahe.
Mit dem feststehenden Achtelfinal-Einzug hat die deutsche Mannschaft einen ersten großen Schritt auf dem Weg zur WM-Endrunde gemacht. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Undav seine eindrucksvolle Serie fortsetzen und ob die Defensive den Ausfall von Schlotterbeck kompensieren kann. Schon am Donnerstagabend wartet mit Ecuador ein robust verteidigender Gegner, der den Gruppensieg der DFB-Elf noch einmal auf die Probe stellen will.
Fragen & Antworten
Wer ist Deniz Undav und warum wird er als Joker gefeiert?
Deniz Undav ist ein 29 Jahre alter Mittelstürmer des VfB Stuttgart, der in Toronto nach seiner Einwechslung beide deutschen Tore zum 2:1 gegen die Elfenbeinküste erzielte und mit fünf Scorerpunkten in 56 WM-Minuten die Torjägerliste des Turniers gemeinsam mit Lionel Messi anführt.
Was ist mit Nico Schlotterbeck passiert?
Der Innenverteidiger von Borussia Dortmund verletzte sich nach rund einer Viertelstunde am linken Knöchel, als er sich im Zweikampf selbst gegen das Bein trat, und wurde zur Halbzeit durch Antonio Rüdiger ersetzt; Bundestrainer Nagelsmann kündigte eine MRT-Untersuchung wegen eines Verdachts auf eine Innenbandverletzung an.
Wie geht es für Deutschland im Turnier weiter?
Nach dem Sieg gegen die Elfenbeinküste und dem gleichzeitigen 0:0 zwischen Curaçao und Ecuador steht Deutschland als Gruppensieger fest und trifft am kommenden Donnerstag um 22:00 Uhr (live im Ersten) in East Rutherford auf Ecuador, ehe der Achtfinalgegner aus den Gruppendritten ermittelt wird.
DFB-Elf: Undav schießt Deutschland ins Achtelfinale | finanz360