Trump kündigt US-Lizenz für ukrainische Patriot-Produktion bei Nato-Gipfel in Ankara an
Ankara, 08. Juli 2026
Daniel Torok / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
US-Präsident Donald Trump hat am Rande des Nato-Gipfels in Ankara angekündigt, der Ukraine eine Lizenz zur Herstellung von Patriot-Flugabwehrraketen zu erteilen. Die Gespräche mit Wolodymyr Selenskyj drehten sich zudem um mögliche direkte Kontakte mit dem Kreml.
US-Präsident Donald Trump hat am Rande des Nato-Gipfels in der türkischen Hauptstadt Ankara angekündigt, der Ukraine eine Lizenz zur Herstellung von Patriot-Flugabwehrraketen zu erteilen, und traf dazu den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Die Ankündigung erfolgte am Mittwoch vor dem geplanten bilateralen Treffen beider Präsidenten am Rande des Nato-Gipfels. Trump erklärte vor Journalisten, die Vereinigten Staaten würden der Ukraine das Recht einräumen, Patriot-Raketen selbst zu produzieren. „Eines der Themen, über die wir heute wohl sprechen werden (...), ist die Tatsache, dass wir ihnen das Recht geben werden, Patriots herzustellen“, sagte Trump. Er fügte hinzu, das US-Unternehmen sei noch nicht informiert, zeigte sich aber zuversichtlich: „Wir haben das Unternehmen noch nicht darüber informiert, aber das wird schon gut gehen.“
Die Idee einer ukrainischen Patriot-Produktion ist nicht neu: Selenskyj hatte in den vergangenen Wochen intensiv dafür geworben, Lizenzen für den Bau der Flugabwehrsysteme zu erhalten. Hintergrund waren massive russische Angriffe mit ballistischen Raketen auf Kiew und andere ukrainische Städte, die die Verwundbarkeit der Luftverteidigung deutlich gemacht hatten. Trump würdigte das Verhalten seines ukrainischen Amtskollegen in dem Krieg ausdrücklich und sagte an Selenskyj gerichtet: „So kannst du dich nicht beschweren, dass wir nicht genug geben.“
Hintergrund: Selenskyjs Vorstoß für eigene Patriot-Produktion
Das Patriot-System gilt in Kiew als entscheidend im Kampf gegen die russische Raketenoffensive. Nach ukrainischen Angaben sind nur US-amerikanische Patriot-Systeme in der Lage, die von Russland eingesetzten ballistischen Raketen abzufangen. Das Patriot-System wird in den Vereinigten Staaten hergestellt und spielt eine zentrale Rolle beim Schutz ukrainischer Städte und kritischer Infrastruktur, insbesondere gegen ballistische Raketen.
Die finanziellen Dimensionen sind gewaltig: Ein komplettes Patriot-Luftabwehrsystem kostet nach Schätzungen rund 400 Millionen US-Dollar, umgerechnet etwa 340 Millionen Euro. Eine einzelne Abfangrakete schlägt je nach Modell mit bis zu vier Millionen US-Dollar zu Buche. Vor diesem Hintergrund sind viele Details der ukrainischen Produktionspläne noch ungeklärt. Offen ist laut übereinstimmenden Berichten sowohl die Finanzierung einer Produktionsstätte als auch der Zeitrahmen, in dem eine Fertigung aufgebaut werden könnte.
Patriot als Schlüssel im Abwehrkampf gegen Russland
Trump hatte das Vorhaben zuvor grundsätzlich begrüßt und die Aussicht auf eine ukrainische Patriot-Fertigung mit den Worten „Das ist ziemlich cool“ kommentiert. Gleichzeitig kündigte er an, mit Kreml-Chef Wladimir Putin telefonieren zu wollen. Darüber hinaus fragte er Selenskyj, ob dieser zu Gesprächen nach Moskau reisen würde. Selenskyj hatte nach Angaben der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform zuvor erklärt, er werde Putin überall außer in Moskau treffen.
Selenskyj reagierte auf die Moskauer Einladung mit einer schlagfertigen Bemerkung: „Dort ist es derzeit gefährlich, zu viele ukrainische Drohnen“, sagte er mit Blick auf die russische Hauptstadt. Damit spielte er auf die wiederholten ukrainischen Drohnenangriffe auf Ziele in und um Moskau an. Der Tonfall zwischen beiden Präsidenten blieb trotz der heiklen Themen freundlich und von gegenseitigem Respekt geprägt.
Parallel zu den Ukraine-Gesprächen sorgte Trump mit einer weiteren Ankündigung für Aufmerksamkeit: Er kündigte an, die Vereinigten Staaten würden den Iran in der kommenden Nacht „hart“ treffen. Diese Aussage fiel ebenfalls am Rande des Gipfels und verdeutlichte, dass Trump den Ankara-Gipfel für eine Reihe außenpolitischer Signale nutzte. Zugleich äußerte er sich „sehr enttäuscht“ über die Nato, ohne dies im Detail auszuführen.
Kosten und ungeklärte Finanzierung
Beim Nato-Gipfel in Ankara geht es nach Angaben aus dem Bündnis schwerpunktmäßig um Verteidigungsausgaben und die weitere Unterstützung der Ukraine. Nach derzeitigem Stand werden fünf Nato-Staaten das Ziel von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigungsausgaben im Jahr 2026 erreichen. Die Frage der Lastenteilung innerhalb des Bündnisses ist seit Monaten ein zentraler Streitpunkt.
Deutschland spielt in der Versorgung der Ukraine mit Patriot-Systemen und Patriot-Munition eine wichtige Rolle und zählt zu den wichtigsten Lieferanten. Insgesamt haben mehrere Nato-Staaten der Ukraine bereits Patriot-Systeme zur Verfügung gestellt und bislang auch die zugehörigen Raketen geliefert. Eine ukrainische Eigenproduktion würde die Abhängigkeit von Lieferketten aus den USA und Europa verringern.
Allerdings birgt eine Produktionsstätte in der Ukraine erhebliche Sicherheitsrisiken: Eine Fertigungsanlage für Patriot-Raketen in der Ukraine wäre zugleich ein vorrangiges Ziel russischer Angriffe. Moskau hätte ein starkes Interesse, eine solche Einrichtung durch Luftschläge, Raketen oder Drohnenangriffe zu zerstören und so die ukrainische Luftverteidigung langfristig zu schwächen.
Sicherheitsrisiko: Produktionsstandort als russisches Ziel
Die Diskussion über eine ukrainische Patriot-Fertigung wirft damit eine Reihe strategischer Fragen auf: Wie lässt sich eine Produktionsstätte gegen russische Angriffe sichern? Welche technologischen Komponenten müssten aus den USA geliefert werden, und wer trägt die Kosten für den Aufbau einer modernen Raketenfertigung in einem aktiven Kriegsgebiet? Diese Punkte werden Gegenstand weiterer Gespräche zwischen Washington und Kiew sein.
Trump wiederholte während seines Auftritts mehrfach, dass die Ukraine keine Klage über unzureichende Hilfen führen könne. Mit Blick auf die Patriot-Lizenz bekräftigte er, die Vereinigten Staaten würden der Ukraine „das Recht geben, Patriots herzustellen“. Damit vollzog er eine bemerkenswerte Kehrtwende gegenüber früheren Positionen, in denen Washington den Export der sensiblen Technologie stets restriktiv gehandhabt hatte.
Beobachter werten den Schritt als Zeichen wachsender Bereitschaft der US-Regierung, die ukrainische Verteidigungsindustrie substanziell zu stärken. Eine eigenständige ukrainische Produktion könnte nicht nur die Versorgungslage bei Abwehrraketen entspannen, sondern auch die industrielle Verankerung des Landes im westlichen Verteidigungsbündnis vertiefen.
Weitere Signale Trumps am Rande des Gipfels
Der Nato-Gipfel in Ankara, auf dem auch Trump und Selenskyj zusammentrafen, bot zugleich die Bühne für eine breitere Debatte über die Zukunft der westlichen Unterstützung für die Ukraine. Die ukrainische Regierung hatte in den vergangenen Monaten immer wieder auf die Dringlichkeit zusätzlicher Luftverteidigungssysteme hingewiesen, da die russische Raketen- und Drohnenoffensive weiterhin zivile Infrastruktur und Energieanlagen schwer beschädigt.
Trump kündigte zugleich ein Telefonat mit Kreml-Chef Wladimir Putin an. Ob und in welcher Form dieses Gespräch zustande kommt, blieb zunächst offen. Selenskyj hatte sich grundsätzlich offen für direkte Gespräche mit Moskau gezeigt, allerdings unter der Bedingung, nicht in die russische Hauptstadt reisen zu müssen. Diese Haltung untermauerte er mit der Bemerkung über die vielen ukrainischen Drohnen über Moskau.
Insgesamt zeigt der Ankara-Gipfel, dass die Patriot-Frage zu einem Symbol für den Umgang des Westens mit der ukrainischen Luftverteidigung geworden ist. Die Lizenzankündigung markiert einen neuen Abschnitt in den Beziehungen zwischen Washington und Kiew, dessen praktische Umsetzung allerdings noch in den kommenden Monaten verhandelt werden muss.
Fragen & Antworten
Was hat Trump Selenskyj beim Nato-Gipfel in Ankara angekündigt?
Trump kündigte an, die USA würden der Ukraine eine Lizenz zur Herstellung von Patriot-Flugabwehrraketen erteilen. Das US-Unternehmen sei darüber noch nicht informiert, dies werde sich aber klären.
Warum setzt die Ukraine so stark auf Patriot-Systeme?
Nach ukrainischen Angaben sind nur US-amerikanische Patriot-Systeme in der Lage, die von Russland eingesetzten ballistischen Raketen abzufangen. Das System gilt als zentral für den Schutz ukrainischer Städte und Infrastruktur.
Welche Risiken sind mit einer Patriot-Produktion in der Ukraine verbunden?
Eine Produktionsstätte für Patriot-Raketen in der Ukraine wäre zugleich ein vorrangiges Ziel russischer Angriffe. Zudem sind Fragen der Finanzierung und des Zeitrahmens für den Aufbau einer Fertigung weiterhin ungeklärt.
Patriot-Lizenz für Ukraine: Trump kündigt Produktion in | finanz360