NATO-Gipfel in Ankara: Bündnis sagt Ukraine Milliardenhilfe für 2027 zu
Ankara, 08. Juli 2026
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Kurzfassung
Beim NATO-Gipfel in Ankara haben die Mitgliedstaaten der Ukraine für 2027 Militärhilfe in mindestens derselben Höhe wie im laufenden Jahr zugesichert – rund 70 Milliarden Euro. Gleichzeitig bekräftigte das Bündnis sein Bekenntnis zur kollektiven Verteidigung nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags.
Die Staats- und Regierungschefs der NATO haben beim Gipfel in Ankara erklärt, die Militärhilfe für die Ukraine im Jahr 2027 mindestens auf dem bisherigen Niveau von 70 Milliarden Euro fortzusetzen.
Beim NATO-Gipfel im türkischen Ankara haben die Mitgliedstaaten der Ukraine umfangreiche finanzielle und militärische Unterstützung zugesagt. Wie aus der von den Staats- und Regierungschefs angenommenen Gipfelerklärung hervorgeht, soll die Militärhilfe für Kiew im kommenden Jahr mindestens auf dem Niveau des laufenden Jahres fortgesetzt werden. Im Jahr 2026 sind den verbündeten Staaten zufolge mindestens 70 Milliarden Euro für Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung vorgesehen.
Auf dem Gipfel wurden zudem neue Rüstungsverträge im Gesamtwert von "mehr als 50 Milliarden Dollar" angekündigt. NATO-Generalsekretär Mark Rutte hatte zuvor eine "engen Beziehung" zur US-Regierung angestrebt und nach den kontroversen Äußerungen von US-Präsident Donald Trump öffentlich widersprochen.
Bekenntnis zu Artikel 5
Die Erklärung unterstreicht nach Angaben des Bündnisses das "unerschütterliche Bekenntnis" zur kollektiven Verteidigung gemäß Artikel 5 des Nordatlantikvertrags. In der Erklärung heißt es dazu: "Ein Angriff auf einen ist ein Angriff auf alle". Die europäischen Staaten und Kanada sollen demnach mehr Verantwortung übernehmen. Das Dokument wurde auch von US-Präsident Donald Trump mitgetragen.
Am Rande des Gipfels warb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut für einen Beitritt seines Landes zur NATO. An die Adresse der Verbündeten sagte er: "Glauben Sie wirklich, es ist richtig, ein Land mit einerartigen Verteidigungsfähigkeit außen vor zu lassen?" Selenskyj wiederholte die Forderung nach einem NATO-Beitritt der Ukraine.
Selenskyjs Werben um NATO-Beitritt
Gleichzeitig nutzte Selenskyj den Gipfel, um den Abschluss dreier neuer Drohnenabkommen mit Estland, Dänemark und den Niederlanden bekanntzugeben. Dabei handelt es sich nach Angaben aus Kiew um den neunten Vertrag dieser Art. Die drei NATO-Länder wollen zusammen mit der Ukraine künftig Drohnen produzieren. Am Mittwoch hatte Trump zudem der Ukraine den Bau von Patriot-Raketen genehmigt.
Der Gipfel verlief nicht ohne Spannungen. Bereits zur Eröffnung hatte Trump öffentlich scharfe Kritik an europäischen Verbündeten geübt. Gegenüber Journalisten sagte er: "Ich bin sehr verärgert über die NATO". Später beruhigte er die Lage mit den Worten "Wir wollen bei euch bleiben", wie mit den Vorgängen vertraute Personen berichteten. Demnach sicherte Trump im internen Kreis des NATO-Rats zu, dass die USA im Bündnis bleiben wollen.
Spannungen zwischen Trump und Bündnispartnern
Daneben kündigte Trump einen vollständigen Handelsstopp mit Spanien an und bekräftigte seine Annexionsbestrebungen in Bezug auf die dänische Insel Grönland. Insider zufolge wiederholte er im Verlauf der Beratungen weder seine Kritik an Spanien noch seine Ablehnung des Iran-Waffenstillstandsabkommens.
Parallel zum Gipfel hielten die Kämpfe in der Ukraine an. Am Mittwochmorgen wurde die Hauptstadt Kiew laut Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP von einer Reihe von Explosionen erschüttert, wobei die erste schwere Detonation noch vor dem Ertönen der Luftschutzsirenen erfolgte. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, Russland habe ballistische Raketen eingesetzt.
Kriegshandlungen parallel zum Gipfel
Ukrainische Streitkräfte griffen nach eigenen Angaben in der Nacht auf Mittwoch mit Drohnen russische Ziele an. Der Kommandeur der ukrainischen Streitkräfte für unbemannte Systeme (SBS), Robert Brovdi ("Madjar"), teilte auf seinem offiziellen Telegram-Kanal mit, dass ukrainische Einheiten im Asowschen Meer neun Tanker der sogenannten russischen Schattenflotte getroffen hätten. Nach vorläufigen Angaben legten die Drohnen mehr als 1400 Kilometer bis zu ihrem Ziel zurück.
Darüber hinaus griffen ukrainische Langstreckendrohnen vom Typ "Ljutyj" am Mittwochmorgen eine Ölanlage in der russischen Stadt Ufa in der Republik Baschkortostan an. In den Raffinerien von Saratow an der Wolga und Nischnekamsk in Tatarstan brachen nach den Angriffen Brände aus. Nach Angaben von Gouverneur Roman Busargin wurde in Saratow, knapp 800 Kilometer von der Ukraine entfernt, ein Mann getötet. Anwohner filmten den Überflug einer ukrainischen Drohn.
NATO-Staaten versprechen Ukraine Milliarden für Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung – diese Formulierung aus der Gipfelerklärung unterstreicht den politischen Willen, die Ukraine langfristig zu unterstützen. Die Nachricht wurde am 08.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Der Gipfel in Ankara fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem die Debatte über die westliche Haltung gegenüber Russland und China anhält. Das US-Außenministerium bezeichnete in einem Strategiepapier China und Russland als Akteure, die aktiv versuchten, "Instabilität, Korruption und schwache Regierungsführung" im westlichen Balkan auszunutzen. Die USA nennen die betreffenden Länder deshalb "bösartige Akteure".
Russische Sabotage und Einflussnahme in Europa
Zugleich warnten Ermittlungen des unabhängigen russischsprachigen Exilmediums "Vot Tak" davor, dass ein russisches Netzwerk, das zuvor über Telegram Personen für Sabotageakte in der Ukraine rekrutierte, seine Aktivitäten offenbar auf Länder der EU ausgeweitet hat. Den angeworbenen Personen wurden Geldbeträge unter anderem für Brandanschläge auf Fahrzeuge mit ukrainischen Kennzeichen, NATO-Militärtechnik oder kritische Infrastruktur angeboten.
Auch die wirtschaftlichen Verflechtungen im westlichen Balkan bleiben im Fokus: Eine Firma, die Trump-Vertrauten nahesteht, soll eine Pipeline in Bosnien und Herzegowina ausbauen und die US-Regierung schasste dafür den Hohen Repräsentanten. China investiert etwa in Serbien in Kupferminen und missachtet Menschenrechte. Trump-Schwiegersohn Jared Kushner will in Albanien Luxusresorts in eines der letzten unberührten Ökosysteme am Mittelmeer bauen.
2027 soll die Militärhilfe mindestens auf diesem Niveau fortgesetzt werden, wie aus der von den Staats- und Regierungschefs angenommenen Gipfelerklärung hervorgeht. Die NATO sichert der Ukraine allein in diesem Jahr 70 Milliarden Euro zu. Im kommenden Jahr soll in etwa die gleiche Summe zur Verfügung stehen.
Die Abschlusserklärung wurde am Mittwoch veröffentlicht und von allen Staats- und Regierungschefs unterzeichnet – einschließlich Trump. Wie der Beitrag mit der Überschrift "Ukraine-Invasion, Tag 1595: Patriot-Raketen und Drohnendeals – eine Zwischenbilanz des Nato-Gipfels für Kyjiw" einordnet, steht das Bündnis damit sowohl zu seinen europäischen Partnern als auch zur Ukraine – trotz der Spannungen im Vorfeld des Treffens.
Die Nato sichert der Ukraine allein in diesem Jahr 70 Milliarden Euro zu. Im kommenden Jahr soll in etwa die gleiche Summe zur Verfügung stehen. Mit dieser Zusage und den neuen Rüstungsverträgen wollen die Bündnispartner nach eigenen Angaben die Verteidigungsfähigkeit der Ukraine über das Jahr 2026 hinaus sicherstellen.
Fragen & Antworten
Welche Summe hat die NATO der Ukraine zugesagt?
Die NATO-Mitgliedstaaten haben der Ukraine für 2026 mindestens 70 Milliarden Euro an Militärhilfe zugesichert. Für 2027 soll die Unterstützung laut Gipfelerklärung mindestens auf diesem Niveau fortgesetzt werden.
Wo fand der NATO-Gipfel statt, auf dem diese Zusagen gemacht wurden?
Der Gipfel, auf dem die Finanzzusagen beschlossen wurden, fand in der türkischen Hauptstadt Ankara statt. Die Abschlusserklärung wurde am Mittwoch von den Staats- und Regierungschefs verabschiedet.
Welche neuen Abkommen zur Drohnenproduktion wurden in Ankara angekündigt?
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verkündete am Rande des Gipfels drei neue Drohnendeals mit Estland, Dänemark und den Niederlanden. Nach Kiewer Angaben handelt es sich um den neunten Vertrag dieser Art.
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