Trotz Waffenruhe: USA und Iran tauschen Raketen und Drohnen in der Golfregion aus
Berlin, 06 Juni 2026
Amir Pashaei / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Trotz einer seit April geltenden Waffenruhe haben die USA und der Iran am 6. Juni 2026 erneut aufeinander eingeschlagen. Das US-Militär wies sechs iranische ballistische Raketen auf Kuwait und Bahrain ab, woraufhin die USA Radaranlagen im Iran beschossen.
Berlin, 06 Juni 2026
Trotz einer formal seit April geltenden Waffenruhe haben das US-Militär und der Iran am 6. Juni 2026 in der Golfregion erneut aufeinander eingeschlagen, wobei die USA nach eigenen Angaben sechs iranische ballistische Raketen auf Kuwait und Bahrain abfingen.
Die Eskalation begann am frühen Morgen in der Region um die Straße von Hormus, einer der wichtigsten Seeverbindungen für den globalen Öl- und Gashandel. Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom feuerte die iranische Seite sechs ballistische Raketen auf die mit den USA verbündeten Golfstaaten Kuwait und Bahrain ab. Das US-Militär erklärte, alle sechs Geschosse seien abgefangen worden, ein siebtes habe sein Ziel verfehlt. Zuvor hatte das US-Militär nach eigenen Angaben bereits im Gebiet der Straße von Hormus mehrere iranische Drohnen abgewehrt, die laut Centcom eine unmittelbare Bedrohung für die Schifffahrt dargestellt hätten.
Angriffe auf Kuwait und Bahrain
Parallel schlugen in Kuwait und Bahrain Raketenalarm ein. Die kuwaitische Luftabwehr war nach Armeeangaben gegen Angriffe mit Raketen und Drohnen im Einsatz. Bahrainische Streitkräfte berichteten, sie hätten drei Raketen und eine unbestimmte Zahl von Drohnen abgefangen. Kuwait schloss vorübergehend seinen Luftraum und nahm den Flugbetrieb am Morgen nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Kuna unter Berufung auf die Zivilluftfahrtbehörde wieder auf.
Scharfe Reaktionen aus den Golfstaaten
Die Außenministerien der beiden Golfstaaten reagierten scharf. Sie erklärten gleichermaßen, es handle sich um eine eklatante Verletzung ihrer Souveränität. Das kuwaitische Außenministerium bezeichnete die «wiederholten, abscheulichen» iranischen Angriffe als «unter keinem Vorwand zu rechtfertigen». Die Angriffe stellten eine «offenkundige Aggression» dar, die internationale Appelle zur Beendigung solcher Handlungen ignoriere. Bahrain verlangte, der Iran müsse seine «ungerechtfertigten» Angriffe einstellen, und kündigte an, beim Schutz seiner Souveränität, Sicherheit und Bevölkerung keine Kompromisse einzugehen.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten über die Nachrichtenagentur Tasnim, sie hätten als Reaktion auf US-Angriffe mehrere Stützpunkte des Feindes in der Region attackiert. Die Führung in Teheran spricht bei ihren Angriffen stets von Vergeltung für Angriffe des US-Militärs. Die USA wiederum sprechen von Selbstverteidigung angesichts von Angriffen oder Provokationen seitens des Irans. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben beider Kriegsparteien zunächst nicht.
Gegenangriffe der USA auf iranisches Territorium
Das US-Militär reagierte mit Gegenangriffen auf iranisches Staatsgebiet. US-Streitkräfte beschossen Radarstellungen auf der strategisch wichtigen Insel Qeschm im Persischen Golf sowie im Ort Goruk auf dem Festland. Eine Erklärung, wie viele Stellungen zerstört wurden, gab es zunächst nicht. Die USA wiesen iranische Behauptungen zurück, der Hauptstützpunkt der US-Marine für den Nahen Osten in Bahrain sei beschädigt worden.
Die neue Gewalt fügt sich in ein Muster ein, das die seit April nominell geltende Waffenruhe zunehmend aushöhlt. Dennoch kommt es seit Wochen immer wieder zu Kampfhandlungen. Erst am Mittwoch hatte eine Drohne den internationalen Flughafen von Kuwait getroffen, wobei mindestens ein Mensch getötet und Dutzende weitere verletzt wurden. Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hatte am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begonnen.
Straße von Hormus als zentraler Konfliktpunkt
Unmittelbar nach Kriegsbeginn hatten die iranischen Streitkräfte die Kontrolle über die Straße von Hormus übernommen, was gegen internationales Recht verstößt. Vor Kriegsbeginn wurde rund ein Fünftel des weltweiten Rohölbedarfs durch die Meerenge verschifft. Als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas ist die Meerenge für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung. Die USA haben ihrerseits eine Seeblockade verhängt, um den Iran am Export von Öl zu hindern.
Die wirtschaftlichen Folgen der Blockade sind auch in den Vereinigten Staaten unmittelbar spürbar. Während die Blockade der Straße von Hormus zu steigenden Benzinpreisen auch für amerikanische Autofahrer führt, nähern sich die Midterm-Wahlen im November, bei denen die Bevölkerung über alle Sitze im Repräsentantenhaus und einen Teil der Mandate im Senat abstimmt.
Verhandlungen über ein Kriegsende
Parallel zu den Kampfhandlungen laufen indirekte Verhandlungen zwischen Washington und Teheran über ein mögliches Kriegsende. Parallel laufen zähe Verhandlungen für ein Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran, um den Krieg zu beenden. Über das iranische Atomprogramm – einen der Hauptstreitpunkte – soll später verhandelt werden. US-Präsident Trump hat wiederholt erklärt, seine oberste Priorität sei es, den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern. Der Iran betont stets, sein Nuklearprogramm diene ausschließlich friedlichen Zwecken.
Die Gespräche zur Öffnung der Straße von Hormus stocken. Gleichzeitig hat die US-Regierung dem Emirat Kuwait den Kauf von US-Abwehrsystemen gegen Drohnenangriffe im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) genehmigt. Wann die Systeme geliefert werden sollen, blieb offen. Das US-Militär unterhält Stützpunkte in den Golfstaaten, die nur wenige hundert Kilometer Luftlinie vom Iran entfernt sind.
Umstrittene Angaben zum iranischen Raketenarsenal
Umstritten ist auch die Frage, über welche militärische Kapazitäten der Iran nach den bisherigen Angriffen noch verfügt. Die meisten Drohnenfabriken, Abschussrampen und Einrichtungen zur Raketenproduktion seien ausgeschaltet worden, sagte US-Präsident Trump dem TV-Sender NBC News. «Aber sie verfügen weiterhin über Kapazitäten. Sie haben noch einige Raketen und einige Drohnen.» Ohne anzugeben, worauf seine Schätzung beruht, bezifferte Trump diesen Anteil mit 21 bis 22 Prozent. Das seien noch viele, aber nicht mehr das, was sie anfangs hatten.
Zuletzt hatte es immer wieder Medienberichte gegeben, die unter Berufung auf US-Beamte oder Geheimdiensterkenntnisse nahelegten, dass der Iran weiter über einen großen Teil seiner Raketen verfügt. Die «New York Times» etwa berichtete Mitte Mai, der Iran verfüge noch über etwa 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen sowie rund 70 Prozent seines Raketenarsenals. Die «Washington Post» hatte ähnliche Zahlen genannt. Welche der beiden Schätzungen näher an der Realität liegt, ist derzeit nicht zu beantworten.
Die neue Eskalation verschärft die Lage in einer ohnehin fragilen Phase. Die seit Wochen anhaltenden gegenseitigen Schläge drohen die Waffenruhe endgültig zu untergraben und die parallel laufenden Verhandlungen über ein Kriegsende und die Zukunft des iranischen Atomprogramms weiter zu erschweren.
Diese Nachricht wurde am 06.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Was ist am 6. Juni 2026 zwischen den USA und dem Iran passiert?
Trotz einer seit April geltenden Waffenruhe hat das US-Militär nach eigenen Angaben sechs iranische ballistische Raketen auf Kuwait und Bahrain abgefangen, woraufhin US-Streitkräfte Radaranlagen auf der iranischen Insel Qeschm und im Ort Goruk beschossen.
Wie haben Kuwait und Bahrain auf die iranischen Angriffe reagiert?
Die Außenministerien beider Golfstaaten verurteilten die Angriffe als eklatante Verletzung ihrer Souveränität, Kuwait sprach von «offenkundiger Aggression» unter keinem zu rechtfertigenden Vorwand.
Welche Rolle spielt die Straße von Hormus in dem Konflikt?
Die iranischen Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die Meerenge übernommen, die USA verhängten ihrerseits eine Seeblockade, sodass die für den globalen Öl- und Gashandel zentrale Route umkämpft ist.
USA-Iran-Konflikt: Angriffe auf Kuwait und Bahrain am | finanz360